426  Vie  rechtlichen  Grundlagen  für  den  internationalen  Verkehr  zur  See.

Eine  solche,  allen  Grundsätzen  des  in  Uebung  stehenden  Rechts
widersprechende  Lösung  dürfte  aber  kaum  die  Grundlage  des  in  Bildung
begriffenen  Vertragsrechts  werden,  welches  in  dem  genannten,  für  den
Weltverkehr  unentbehrlich  gewordenen  Defilé  den  unzerstörbaren  Friedens.
zustand  sichern  soll.  Wenigstens  die  Beschlüsse  der  Pariser  Couferenz
find  in  ihren  Hauptpunkten  von  dem  Bestreben  erfüllt,  die  obersten
Gebietshoheitsrechte  des  souverainen  Staates  (Türkei)  zu  wahren,  und
der  das  Regime  des  Canals  regelnde  Art.  9  der  projectirten  Convention
  bestimmt  darum  auch  ausdrücklich:  „Une  commission,  composée
  des  représentants  en  Egypte  ch...  éet  auxquels  sera  adjoint
un  délégué  du  gouvernement  egyptien,  avec  voix  consultative,  siégern
sous  la  présidence  d’'un  délégué  spécial  de  la  Turquie.  Atfin  de
pourvoir  au  service  de  la  protection  du  canal,  elle  s'entendra  avec
qui  de  droit  pour  en  assurer  le  libre  usage;  elle  surveillera,  dans
la  limite  de  ses  attributions,  Fapplication  des  clauses  du  présent
traité  et  saisira  les  Puissances  des  mesures  qu’'elle  jugera  propres  à  en
assurer  T’exécution.

II  est  entendu  que  ce  fonctionnement  de  la  dite  commission  ne
pourra  porter  atteinte  aux  droits  souverains  de  S.  M.  I.  le  Sultan  ni
aux  droits  et  immunités  de  S.  A.  le  Khédive.“

Während  des  letzten  Russisch-Türkischen  Krieges  hat  denn  auch  die
Russische  Regierung  den  Suezcanal  als  neutral,  d.  h.  als  einen  dem  internationalen
  Handelsverkehr  —  unbehindert  von  Durchsuchung  und  Blo.
kade  —  offen  stehenden  Seeweg  anerkannt.  12)

Bis  zur  Aufstellung  eines  conventionellen  Rechts  gilt  daher  für  den
Suezcanal  die  seit  seiner  Eröffnung  im  Jahre  1869  gehandhabte  Praxis
des  vollen  freien  Zutrittes  für  alle  Schiffe  —  Kriegs-  und  Handelsfahrzeuge
  aller  Nationen.  Die  Tarifbestimmungen  für  die  Passage  durch
den  Canal  lassen  Kriegsschiffe  und  Schiffe,  welche  blos  mit  Ballast
fahren,  von  der  Nachsteuer  frei,  sie  haben  keine  höhere  Abgabe  zu  entrichten
  als  den  Maximalsatz  von  10  Fr.  per  Tonne,  welcher  von  ihrer
Register-Lastigkeit  erhoben  wird.753)

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1)  S.  v.  Gerber,  Grundzüge  des  Staatsrechts,  S.  67  und  desselben  System
des  Deutschen  Privatrechts,  61,  Die  Wasserwelle.

*)  Fischereigesetz  für  den  Preuß.  Staat  vom  30.  Mai  1874.  Eine  umfassende
Gesetzgebung  und  Rechtsprechung  hat  der  Französische  Staat  in  Ansehung  des
Eétendue  des  rivages  de  la  mer“  aufzuweisen.  Siehe  über  diesen  von  der
Fachliteratur  gänzlich  bei  Seite  geschobenen  Rechtsstoff:  Plocque,  Législation
des  eaux.  S.  319  ff.

2)  Für  die  Deutschen  Häfenreviere  wurde  diese  Abgrenzung  vorgenommen
durch  die  Verordnung  des  Bundesrathes  vom  13.  November  1873  und  in  Ansehung
  der  Reichskriegshäfen  durch  Ges.  vom  19.  Juni  1885.  S.  hierzu  Lewis,
Deutsches  Seerecht,  I,  S.  3.  Meves  in  Bezold's  Gesetzgebung  des  Deutschen
Reiches,  Theil  III,  B.  1,  S.  416  ff.