Competenz  des  Uferstaates.  435

nischen  Bedürfnissen  entsprechenden  Zoll.,  Hafen-,  Sanitätsordnungen  u.  s.  w.
—  ruft  die  Frage  wach  nach  dem  Maße,  in  welchem  die  fremden
Schiffe  und  die  auf  denselben  befindlichen  Schiffsbesatzungen  während
ihres  Aufenthaltes  im  Hafen  dem  staatlichen  Rechts  system  unterstehen.
Zur  Klarstellung  der  hier  in  Betracht  kommenden  Fragen  juristischer
Natur  wird  es  nothwendig,  den  in  der  Praxis  hervortretenden  Unterschied
  zwischen  Kriegsschiffen  und  Handelsschiffen  auch  unserer  nachfolgenden
  Untersuchung  zu  Grunde  zu  legen.

Obwohl  der  internationale  Verkehr  der  an  Zahl  und  staatlicher  Bedeutung
  stets  zunehmenden  Kriegsschiffe  der  verschiedenen  Staaten  in
unseren  Tagen  sich  außerordentlich  gesteigert  hat,  lehrt  uns  doch  ein  Blick
auf  das  reichlich  fließende  Quellenmaterial  der  letzten  Jahrzehnte,  daß
die  neueren  Staatenverträge  für  diese  Gattung  von  Schiffen  und  ihre
Rechtsverhältnisse  in  fremden  Gewässern  nur  selten  ausdrückliche  Normen
aufstellen.  Anders  die  Staatsverträge  des  vorigen  Jahrhunderts,  in
welchen  die  noch  junge  Staatspraxis  durch  ausdrückliche  Vorschriften  Verhaltungsnormen
  aufzustellen  bemüht  war,  welche  eben  in  unseren  Tagen
durch  dauernde  Uebung  als  gewohnheitsrechtlich  befestigt  und
demnach  einer  besonderen  Fixirung  nicht  bedürftig  angesehen
werden.  Um  die  historische  Entwicklung  des  uns  beschäftigenden  Rechts.
institutes  in  ihren  Anfängen  an  der  Hand  des  diplomatischen  Quellenmaterials
  beobachten  zu  können,  lassen  wir  hier  einen  später  vielfach
zum  Muster  für  einschlägige  Staatsabmachungen  benutzten  Vertrag  in
seinen  einschlägigen  Hauptpunkten  folgen.

Der  mit  großer  Sorgfalt  in  Ansehung  der  in  Betracht  kommenden
rechtlichen  Fragen  redigirte  „Traitö  perpétuel  d'amitié  et  de  commerce
conclu  en  1756  entre  Sa  Maj.,  le  Roi  de  Danemark  et  de  Norvege  etc.
et  la  Sérénissime  République  de  Genes,  confirmé  et  ratifié  en  1789“  —
spricht  sich  im  Art.  III  über  die  vorliegende  Materie  in  folgenden  Rechtsvorschriften
  aus:  „En  vertu  de  la  bonne  intelligence,  qui  doit  continuer
de  subsister  entre  Sa  Majesté  Danoise  et  la  Sérénissime  Bépublique  de
Genes,  les  vaisseauf  de  guerre  d’une  des  hautes  parties  Contractantes
pourront  librement  entrer  et  Siourner  respectivement  dans  les  ports  et
havres  de  P’autre  puissance.  Ces  vaisseaux  y  trouveront  et  l’#accueil
et  la  considération,  due  se  doivent  réciproquement  deux  nations  amies.
On  leur  facilitera  tous  les  secours,  dont  ils  pourroient  avoir  besoin,  soit
pour  radoub  des  vaisseaux,  soit  en  rafraichissemens,  vivres  et  provisions,
  soit  pour  logemens  et  autres  soulagemens  de  malades  dans  les
GCquipages  etc.  ete.  De  méme  les  chefs  et  Commandants  de  ces  vaisseaux
doivent  observer  par  eux  mmes,  et  faire  observer  par  tous
ceux,  qui  sont  à  leurs  ordres,  sans  exception  de  personne,  une
Conduite  regulière  et  décente,  et  Tobéissance  à  toutes  les  loix  territoriales
  pour  autant,  qu’felles  peuvent  avoir  rapport  à  eux.
Dans  tous  les  cas  de  contravention  les  chefs  et  Commandans  des  vaisseaur
de  guerre  d'une  des  hautes  parties  contractantes,  séjournants  dans  les

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