3.  Leissız,  Errichtung  einer  Societät  in  Deutschland.  9)

$2.  Fragt  sich  nun,  ob  sie  aufzurichten,  Antwort:  Ja,  und  zwar  sowohl
  umb  der  Stiflter  derselben,  als  gemeinen  bestens  willen.  Die  Stifftende
seze  ich  also  beschaffen  zu  seyn,  dafs  sie  hohen  Standes,  Vermögens  und
Ansehens  wegen,  nichts  bedürffen  als  guthes  Gewifsen  und  unsterblichen
Ruhm.  bey  den  unbetrüglichen  Richtern,  Gott  und  der  Posterität.  Bevde
werden  zwar  erst  künfftix  ihr  Urtheil  fällen,  doch  kan  auch  in  diesem  Leben
hohen  Personen  und  sonderlich  genereusen  Menschen,  die  vor  Nothdurfft  nicht
sorgen  dürfen,  und  der  Leibeswollüste  über  Nothdurfft  sowohl  Conscienz  als
Gesundheit  wegen  nicht  achten,  nichts  sülseres,  ja  nichts  zu  ihrer  Gesundheit
  dienlicheres  seyn,  als  das  Contento,  die  Frendigkeit,  die  Ruhe  des  Gemütlis
und  mit  einen  Wort  das  coelum  in  terris,  so  ihnen  der  unbetriesrliche  Vorschmack
  künfftiger  Glückseeligkeit,  wo  anders  ein  Gott  und  eine  Posterität  zu
glauben  und  zu  hoffen  ist.  schohn  anjezo  und  der  Früchte  der  Ewigkeit  dem  (emüth
  in  einem  Blick  gleichsam  auf  einmal  concentrirt  vorstellet.  Schlielse  also,
das  solche  Gesellschaft  1.  Gewifsens,  2.  unsterblichen  Rulıms  der  Stifftenden
wegen,  und  dann  3.  unb  gemeinen  Bestens  willen  aufzurichten.  Wiewoll  der
xeineine  Nuz  eines  so  löblichen  Gott  und  Menschen  angenehmen  Wercks  den
Nuzen  der  Stifftenden  gründet,  und  des  guthen  Gewilsens  sowohl  als  unsterblichen
Nahmens  wahre  unfehlbare  Ursach  ist.  Welches  anjezo  von  Puncten  zu  Puncten
zu  erweisen.

$  3.  Gutes  Gewilsen  ist,  dafs  ichs  so  zu  sagen  definire.  eine  Freude
des  Gemüthis  wegen  Hofnung  ewiger  Glückseeligkeit.  Soviel  nehmlich,  wie  sich
dann  selbst  verstehet,  deren  Versicherung  in  menschlicher  Macht  ist,  wenn  er  alles
thut,  was  ihm  müglich  ist,  und  das  Übrige  der  unfehlbaren  versprochenen  Gnade
des  grundgütigen  und  zugleich  gerechten  Gottes  anheiinstellet.,

$4.  Die  Hofnung  ist  ein  Glaube  des  Zukünfftigen,  gleichwie  der  Glaube
so  zu  sagen  eine  Hofnung  des  Vergangenen.  Denn  glauben  ist  soviel  als  hoffen,
dafs  das  Vergangene  sowie  man  sagt,  wahr  sey.  Der  wahre  Glaube  nun  und  die
wahre  Hofnung  aber  ist  nicht  nur  Reden,  ja  nicht  nur  Dencken,  sondern  practice
  Dencken,  das  ist  Thun,  als  wenns  wahr  were.  An  Gott  glauben,  zu  Gott
hoffen.  ist  Glauben,  dafs  Uns  Gott  liebe  und  seine  Liebe  zu  Erweckung  unser
Gegenliebe  durch  unsern  Heiland  und  Mittler  uns  angetragen;  und  dann  hoffen,
dals  wenn  wir  ihn  von  ganzem  Herzen  wieder  lieben,  dahehr  eine  unzertrennliche
Freundschafft  und  amieitia  vera  et  neterna  entstehen,  und  dann  unanssprechliche
unendtliche  Niefsung  in  jenem  Leben  folgen  werde.

&amp;  5.  Ist  also  Hofnung  und  Glaube  "gegründet  auf  Liebe,  und  alle  drey
auf  Erkänntnüfs.  Liebe  ist  eine  Freude  des  Gemüths  aus  Betrachtung  der  Schönheit
  oder  Vortreffligkeit  eines  Andern.  Alle  Schönheit  besteht  in  einer  Harmoni
und  Proportion.  die  Schönheit  der  Gemüther  oder  Verstand  habender  Dinge  in
der  Proportion  zwischen  Verstand  und  Macht,  welches  auch  in  dieser  Welt  das
Fundament  der  Gerechtigkeit,  der  Ordnung,  der  Meriten,  ja  der  Form
der  Republick  ist,  dafs  ein  jeder  verstehe  was  er  vermag,  und  vermöge  soviel
als  er  verstehet.  Ist  die  Macht  gröfser  als  der  Verstand,  so  ist  der  sie  hat  entweder
  ein  einfältig  Schaf,  wo  er  sie  nicht  weis  zu  brauchen,  oder  ein  Wolf  und
Tyrann.  wo  er  sie  nicht  weis  wohl  zu  brauchen.  Ist  der  Verstand  grölser  als
Macht,  so  ist  der  ilhın  hat,  vor  unterdrückt  zu  achten.  Beyde  sind  unnüz,  ja  auch
wohl  schädlich.  Bestehet  nun  pulchritudo  mentium  in  scientiae  et  potentiae  proportione,
  so  bestehet  pulchritudo  summmae  et  infinitae  mentis  in  einer  Infinität  sowohl
  der  Macht  als  Weisheit,  und  folglich  die  Liebe  Gottes,  des  höchsten  Gutlıs,
in  der  unglaublichen  Freude,  so  man  (auch  anjezo  bereits,  ohne  visione  beatifica)
schöpfet  aus  der  Betrachtung  dessen  Schönheit  oder  Proportion,  das  ist  Infinität
der  Allmacht  und  Allweisheit.