10  3.  Leiexız,  Errichtung  einer  Societät  in  Deutschland.

‚86.  Hinwiederumb  wird  Glaube,  Hofnung  und  Liebe  durch  die  Erkänntnüfs
  und  Gewilsheit  der  Allmacht  und  Allwissenheit  Gottes  wunderbarlich
  befestiget.  Denn  weil  er  die  höchste  Weisheit,  so  ist  gewifs,  dafs  er
so  gerecht  und  güthig  sei,  und  Uns  sein  Geschöpf  also  bereits  geliebt  habe,  dafs
er  alles  gethan,  was  an  ihm  ist  (nehinlich  soviel  die  Universal-  Harmoni  der  Dinge
leide,  und  sich  thun  lalsen,  ohne  unsern  freyen  Willen  todı  zu  thun)  umb  zu
machen,  dafs  auch  wir  ihn  lieben,  worauf  der  Glaube  ruhet.  Ist  er  aber  auch
zugleich  die  höchste  Macht,  so  ist  gewifs,  dals  er  die  so  ihn  wieder  lieben,  seiner
Liebe  genielsen  zu  laflsen,  das  ist  ewig  glücklich  zu  machen,  kräfltig  genug  sey.
Welche  Betrachtung  die  Hofnung  gründet,  und  wenn  sie  recht  zu  Herz  gefalset,
alleine  genug  den  Menschen  glückseelig,  ihm  auch  Unglück,  Arınntl,  Verfolgung,
Verachtung.  Kranckheit,  Marter,  Todt,  zu  nicht,  ja  süls  zu  machen.

$7.  Aber  gleich  wie  Glaub  und  Hofnung  ist  nicht  nur  obenlin,  sondern
practice  dencken,  das  ist  thun,  als  wenns  wahr  were  (sup.  $  4.).  dals  Gott  uns
liebe,  so  ist  auch  Gott  lieben,  nicht  nur  obenhin.  sondern  practice  wollen.
das  ist  alles  thun  was  in  unsern  Kräfften  ist,  umb  wahr  und  würcklich  zu  machen.
dals  auch  wir  ihn  eufserst  lieben.  Die  Würckligkeit  der  Liebe  bestehet  darin.
dals  wir  thun,  was  dem  Geliebten  lieb  ist.  Was  Gott  lieb  sey,  mus  wiederumb
dessen  Erkäntnüls,  soviel  es  in  unserm  Vermögen,  geben.  Denn  gleichwie  die
Erkänntnüfs,  dafs  er  allmächtig  und  allwissend  sey,  die  Ursache  ist  (supra  $  6).
dafs  wir  ihn  sollen  lieben,  so  ist  die  Erkäntnüfs,  wie  er  allweis  und  allmächtie,
soviel  wir  dahin  gelangen  können,  die  Richtschnur,  wie  wir  ihn  sollen  würcklich
  lieben.

$8.  Die  Erkäntnüfs  Göttlicher  Natur  ist  natürlicher  Weise  aus  nichts
anders  zu  nehmen  als  aus  der  wahren  Demonstration  seiner  Existenz.  Solche
imuls  hauptsächlich  dahehr  geholet  werden,  dafs  zuförderst  ohne  ihn  nicht  möglich
ist  eine  Uhrsach  zu  haben  (da  doch  nichts  olıne  Ursach  ist)  warumb  die  Dinge,
so  doch  könten  nicht  seyn,  etwas  seyn;  und  denn  ferner,  warumb  die  Dinge  so
doch  könten  confus  und  verworren  seyn,  in  einer  so  schönen,  wnaussprechlichen
Harmoni  sevn.  Jenes  macht,  dals  er  seyn  mus  Ratio  ultima  rerum  und  also
die  höchste  Macht;  dieses  dals  er  seyn  mus  Harmonia  maxima  rerum  und
also  die  gröste  Weisheit.  ‘

$g.  Hieraus  folgt  unwiedertreiblich,  dafs  Caritas,  dals  Amor  dei  super
omnia,  und  die  wahre  Contritio,  an  der  der  Seeligkeit  Versicherung  hanget,
nichts  anders  sey  als  amare  bonum  publicum  et  harmoniam  universalem;  vel  quod
idem  est,  gloriam  Dei  et  intelligere  et  quantum  in  se  est,  facere  majorem,  denn
zwischen  der  Universal-Harmoni  und  der  Ehre  Gottes  ist  kein  Unterschied  als
zwischen  Cörper  und  Schatten,  Person  und  Bild,  radio  directo  et  reflexo,
in  dem  dafs  was  jene  in  der  That,  diese  in  der  Seelen  ist  Derer  die  ihn  kennen.
Denn  Gott  zu  keinem  andern  End  die  vernünfftigen  Creaturen  geschaffen,  als
dals  sie  zu  einem  Spiegel  dieneten.  darinnen  seine  unendtliche  Ilarmoni  auf  unendtliche
  Weise  in  etwas  vervielfältiget  würde.  Malsen  auch  die  vollkommen  gemachte
  Erkänndtnüls  und  Liebe  Gottes  zu  seiner  Zeit  in  der  visione  beatifica  oder
unersinnlichen  Freude,  die  die  Bespiegelung  und  auf  gewisse  Mafse  Concentrirung
der  unendtlichen  Schönheit  in  einem  kleinen  Punet  unser  Seelen  mit  sich  bringen
wird.  bestehen  mus.  Wie  denn  dessen  die  Brennspiegel  oder  Brenngläser  ein
natürlich  Vorbild  seyn.

$  10.  Bestehet  nun  darin  Amor  dei  super  omnia,  Contritio,  Beatitudo  aeterna,
dafs  man  die  Schöhnheit  Gottes  und  Universal-Harmoni.  jeder  nach  seines  Verstandes
  Fähigkeit  false  und  wiederumb  auf  andere  refleetire,  und  denn  auch
nach  Proportion  seines  Vermögens  deren  Ilervorleuchtung  in  Menschen  und
anderen  Creaturen  befödere  und  vermehre,  so  folgt  daraus  dafs  alle  diejenigen.