3.  Leiesiz,  Errichtung  einer  Societät  in  Deutschland.  11

welche  die  etwas  sparsamere  Natur,  umb  die  Welt  bunt  zu  schattiren,  mit  einem
seringern  Grad  des  Verstandes  und  Macht  begabt,  dafs  sie  nur  anderer
instrumenta  velut  mechanica  seyn  mülsen,  gnug  tlun,  wenn  sie  sich  als  instrumenta
  der  Elre  Gottes,  und  welches  eins  ist,  des  gemeinen  Nuzens  und  Ernehrung,
  Erleichterung,  Commodität,  Unterweisung  und  Erleuchtung  ihres  Neben
Menschen,  jaEntdeckung,  Durchsuchung  und  Verbesserung  der  Creaturen,
ex  praescripto  potentiorum  et  sapientiorum  brauchen  lalsen:  ihrem  Gewilsen
enug  thun.

$:ı1.  Welche  mit  Verstand  ohne  Macht  von  Gott  verschen,  denen  gebährt
  za  rathen.  gleichwie  die,  denen  die  Macht  gegeben,  gebühret  güthig  Gehöhr
zu  geben,  guthe  Vorschläge  nicht  in  Wind  zu  schlagen,  sondern  zu  gedencken,
dals  guthe  aber  verachtete  Rathgeber  vor  dem  allwifsenden  Richter  dermahls  eins,
auch  tacendo,  ihnen  als  exprobratores  ignaviae  vel  malitiae  zum  Schrecken  stehen
werden.  Hingegen  gebühret  verachteten,  obwohl  verständigen  Rathgebern  ultra
eonsilia  nichts  zu  tentiren,  sondern  zu  gedencken,  dafs  Gott  das  guthe  Vorhaben
einer  befsern  Zeit  vorbehalten,  und  deswegen  aus  seinem  verborgenen  Rath  ihnen
keine  dem  Verstande  gleiche  Macht  gegeben,  dahehr  sie  auch  keineswegs  solche
zu  erlangen  auf  verbotene,  den  Staat  turbirende  Machinationes,  Wort  und  Thaten,
umb  auch  guthe  Consilia  auszuführen,  sich  legen  sollen.

$  ı2.  Welchen  aber  Gott  zugleich  Verstand  und  Macht  in  hohem
Grad  gegeben,  dies  sind  die  Helden,  so  Gott  zu  Ausführung  seines  Willens  als
prineipaliste  instrumenta  weschaffen,  deren  unschäzbares  Talent  aber,  so  es  verwraben
  wird,  ihnen  schwehr  gnug  wird  fallen.  Corruptio  et  ex  nimnio  torpore
putrelactio  optimi  pessima  est.  Es  ist  ein  wichtiger  Punct,  daran  die  Seeligkeit
und  endtliche  Rechenschafft  hanget,  seinen  Verstand  und  Macht  recht  zu  Gottes
Elre  brauchen.  Dafs  ich  glaube,  es  solte  ein  gewissenhaffter  Mensch  den  Lapidem
Philosophorum,  mit  so  schwehrer  Condition,  so  aller  grolsen  Macht  unablölslich
anhafltet,  ohne  Furcht  und  Zittern  nicht  annelımen,  damit  er  nicht  einmal  die
harte  Wort,  dafs  du  verdaminet  seyest  mit  deinem  Gelde,  höhren  möüste.

X  13.  Verstand  nun  und  Macht  kan  zur  Ehre  Gottes,  auf  dreyerley  Weise
hauptsächlich,  gebrauchet  werden,  gleichwie  ich  einem  Menschen  auf  dreyerley
Weise  wohl  begegnen  kann,  nelmlich  mit  guthen  Worten,  guthen  Andencken  und
sutlen  Wercken,  oder  wie  mans  bey  Menschen  nennet,  Wohlthaten.  Bey  Gott
heists  erstlich  laudes  et  sacrificia,  und  endtlich  bona  opera,  vel  obedientia  vel
caritas  elficax.  Caritas  est  melior  fide  nuda,  Gehorsam  ist  befser  denn  Opfer,  fides
melior  fietis  sacrificiis  laudibusque  deren,  die  Gott  nur  nit  den  Lippen  ehren.
Unde  Deum  colimus  vel  ut  oratores  et  sacerdotes,  vel  ut  philosophi  naturales,  vel
ut  morales  seu  politici.

$  14.  Danach  sind  diejenigen  so  Gott  nit  Lob  und  Opfer  verehren,  an  sich
selbst  oratores  et  sacerdotes  (curam  animarum  und  sacramenta  beyseits
gesezet.  damit  sie  den  Seelen  nuz  seyn,  und  zur  dritten  Classe  gehörig,  zu  geschweigen
  auch  das  bey  den  Alten  die  Sacerdotes  zugleich  Philosophi  und
Rectores  rerumpublicarum  gewesen  und  vieler  Ursachen  wegen  von  rechtsweren
  noch  seyn  solten..  Oratores  nun  sind  sie  mit  Worten,  Sacerdotes
nit  Caeremonien.  Welches  aber  vor  sich  ein  grolses  herrliches  Werck,  Gottes
Ehre  auszubreiten,  und  jederinan  mit  dessen  Liebe  gleichsam  anzuzünden.  Dahehr
was  dazu  gestifftet,  pflegt  man  absolute  zur  Ehre  gestifftet  zu  nennen,  denn  obgleich
  alles  Guthes  zur  Ehre  Gottes  gerichtet  ist,  so  lauft  doch  diese  Art  Gott
zu  ehren  dem  gemeinen  Mann  meisten  in  Augen  und  Ohren,  weil  sie  die  Ehre
Gottes  immediate  mit  Worten,  darinn  sie  bestehet,  nennet.  Wie  dann  auch,  was
dazu  gestifitet,  ins  gemein  Kar’  e£oyiyv  und  absolute  ein  bonum  opus  genennet.  wird.
Was  nun  zu  Gott  wohlgefälligem  Opfer,  zu  Predigten  und  Musie,  zu  Componirung