12  3.  Leiesiz,  Errichtung  einer  Societät  in  Deutschland.

herrlicher  beweglicher  Lobgesänge,  damit  sich  die  alten  Hebräer  ja  auch  die  Heiden
weit  mehr  und  befser  als  wir  ergözet  und  geübet,  zu  wohlanständigen  Ceremonien
und  Kirchen-Zierath,  zu  herrlichen  Teinpeln  und  Kirchen,  so  da  eine  mehrere
Veneration  zu  erwecken  dienen,  für  Mittel  gewiedmet,  wenn  sie  wohl  gebrauchetr
werden,  unzweifentlich  wohl  angelegt  zu  achten.  Dabey  mir  einfället,  dafs  bev
Aufrichtung  der  französischen  zu  Aufnehmen  und  Zierde  ihre[r]  Sprache  vom  Cardinal
  Richelieu  angerichteten  Academi  oder  Societät  ein  gottseeliger  Mann  unter
andern  in  die  Leges  einzurücken  begehrt.  dafs  ein  jedes  Glied  etwas  jährlich  zum
Lobe  Gottes  zu  componiren  schuldig  seyn  solte,  ist  aber,  weis  nicht  warumb,
verblieben.
$  15.  Als  Philosophi  aber  verehren  Gott  diejenigen,  so  eine  neue  Harınoni
  in  der  Natur  und  Kunst  entdecken,  und  seine  Allınacht  und  Weisheit
sichtbarlich  zu  spüren  machen.  Dahehr  Moses,  Hiob,  David  und  andere  meistentheils
  sowohl  von  natürlichen  Wundern,  die  Gott  in  die  Geschöpf  gepflanzet.
  als  die  er  zur  Erlösung  seines  Volcks  getlan,  Materi  ihrer  Lobgesänge
  zu  nehmen  pflegen.  Wie  er  dem  Meer  seine  Grenzen  gesezet,  den  Llimmel
gewölbet,  über  den  Wolcken  dahelhr  fahre,  seinen  Donner  erschallen,  Ströme  quellen.
Kräuter  wachsen,  die  Thiere  ihre  Nahrung  und  Speise  zu  rechter  Zeit  finden  lalse.

$  16.  Dahehr  vor  gewis  zu  halten,  dafs  soviel  einer  Wunder  der  Natur
weis,  so  viel  besize  er  in  seinem  Herzen  Bildnüfse  der  Majestät  Gottes,  wenn
er  sie  nur  dahin  und  also  zu  ihrem  Original  refleetiret:  Und  sind  dahelr  zu  loben
die  herrlichen  Gedancken  des  Patris  Spee  Soc.  Jes.,  eines  trefflichen  Mannes,
welcher  einen  Vorschlag  gethan.  wie  man  sich  gewöhnen  solle,  fast  nichts  soviel
möglich  ohne  Reflexion  zur  Ehre  Gottes  vorbey  passiren  zu  lafsen;  vielweniger
die  herrliche  Wunder,  damit  ihn  die  Creaturen  stillschweigend  zeigen  und  loben.

$  17.  Derowegen  ich  in  der  Meinung  bin,  dafs  auch  den  grösten  Moralisten
und  Politicis,  die  aber  ganz  keine  Naturalisten,  sondern  der  Wunder  der  Natur
weder  erfahren  seyn.  noch  achten,  recht  ein  grofser  Theil  der  rechten  Verwunderung,
  der  wahren  Erkentnüfs  und  brünstigen  Liebe  Gottes  und
also  der  Perfection  ihrer  Seelen  abgehe,  wo  es  nicht  durch  excellente  Wissenschafft
  und  guthen  Gebrauch  ihrer  Kunst  die  Menschen  zu  erkennen  und
zu  regieren  ersezet  wird.  Kan  derowegen  Niemand  Gott  mit  mehrerm  Eifer  und
gröfserm  Nachdruck  loben,  als  wer  bey  seiner  Eloquenz  und  Poesie  auch  in
der  wahren  Philosophi  die  Grenzen  gemeiner  Wifsenschafft  überschritten.

$  18.  Sonderlich  aber  sind  diejenigen  bei  Menschen  hoch  zu  halten  und
bey  Gott  aufser  Zweifel  in  Gnmaden,  die  ınit  enther  Intention  den  Schöpfer  zu
loben  und  dem  Nechsten  zu  nuzen.  ein  herliches  Wunder  der  Natur  oder
Kunst,  es  sey  nun  eine  Experienz  oder  wohlgegründete  Harınoni  entdecken
und  gleichsam  ipsis  factis  Gott  zu  Ehren  peroriren  und  poätisiren.  Wie  denn  die
Empiriei  vor  Oratores  oder  Ilistoricos,  die  Theorici  vor  Poetas  reales  zu
achten.  dieweil  jene  gewisse  Experienzen,  diese  aber  scheinbare,  der  Natur  wohl
einstimmende  und  auf  die  Experienzen  sich  reimende  Iypotheses  ersinnen  und
mit  deren  Coneinnität  die  Weisheit  Gottes  preisen.

$  19.  Gewislich  so  oflt  von  den  nunmehr  fleifsigen  Anatomicis  ein  neues
Gefäls  per  modum  experimenti  entdecket,  oder  ein  bishehr  unbekannter  Gebrauch
der  längst  bekandten  Gefäfse  per  nodum  hypotheseos  ersonnen  wird.  so  offt  wird
die  Allmacht  und  Weisheit  Gottes  gleichsam  init  lebendigen  Farben  illuminiret,  und
ein  verständiger  Man  zur  Verwunderung  der  Weisheit,  Furcht  der  Macht,
und  Liebe  der  Übereinstimmung  beyder.  das  ist  der  Schöhn-  und  Gütigkeit
seines  Schöpfers  mehr  bewegt,  als  durch  tausend  Orationes,  Carmina.  auch  wohl
bisweilen  Leetiones  und  Ilomilias.  Mafsen  ein  einig  dergleichen  Inventum  vieler
1000  schöhner  Lobgesänge  Materi  und  Qnelle  seyn  kan.