4.  Leirsız,  Errichtung  einer  Societät  in  Deutschland  (2.  Entwurf).  19

4.

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  30).

l.cınxız,  Bedencken  von  Aufrichtung  einer  Academie  oder  Soeietätin
Teutschland,  zu  Aufnehmen  der  Künste  und  Wifsenschafften  (1669/70).
[Krorr,  Die  Werke  von  Leibniz.  ı.  Bd.  S.ı33  ff.]

ı.  Es  ist  uns  Teutschen  gar  nicht  rühmlich,  dafs,  da  wir  in  Erfindung
erofsentheils  ınechanischer,  natürlicher  und  anderer  Künste  und  Wifsenschafften
die  Ersten  gewesen,  nun  in  deren  Vermehr-  und  Befserung  die  Letzten  seyn.
Gleich  als  wenn  unser  Alt-  Väter  Ruhın  gnug  were.  den  unsrigen  zu  behaupten.

2.  Ich  will  von  Truckerey  und  Büchsenpulver  nicht  reden,  diefs  wird  mir
zewislich  ein  Jeder  gestelin  ınülsen,  dafs  sowohl  Chyınie  als  Mechanick  zu  der  Staffel,
darinn  sie  nunmehr  stehet,  durch  Teutsche  erhoben  worden.  Denn  weil  keine
Nation  der  teutschen  in  Bergwerkssachen  gleichen  können,  ist  auch  kein  Wunder,  dals
Teutschland  die  Mutter  der  Chymie  gewesen.  Es  bezeugen  die  Reisende,  dafs  noch
bis  dato  die  termini  fossorum  in  Asien  und  Thracien  fast  ganz  teutsch  seyn,  welches
ein  gnugsames  Zeichen,  dals  man  die  Werckleute  aus  Teutschland  kommen  lafsen.

3.  Aus  den  teutschen  Bergwergen  nun  haben  Frater  Basilius.  Isaac  Hollaudus,
Theoph.  Paracelsus  ihre  Experienz  zusammen  gelesen,  und  als  sie  der  Arabischen
oder  von  den  Arabern  Gebro,  Morieno,  Avicenna  das  ihre  habenden  Alchymisten
Villanovani,  Lullii,  Baconis,  Alberti  M.  mehr  Subtilität  als  Erfahrung  habende
Theori  zu  der  teutschen  Arbeitsleute  praxi  gethan,  die  wahre  Chymie  herfür
gebracht,  welche  hernach  in  solche  Perfection  gestiegen,  dafs  nun  Jedernan  dafür
helt,  dafs  fast  die  meisten  innerliche  Functiones  in  der  Natur  und  sonderlich  menschlichen
  Leibe  durch  gleichsam  chymische  distillationes.  sublimationes,  solutiones,  praecipitationes,
  ferinentationes,  reactiones  zugehen,  und  kein  Medicus  ohne  gründtlichen
Verstand  dieser  philosophischen  Chymi  den  walıren  Methhodum  medendi  beobachten  kan.

4.  Was  gestalt  Augspurg  und  Nürnberg  die  Schuhle  aller  Mechanicorum
gewesen,  und  die  Uhren,  Wafserkünste,  Dreh-  und  Gold-  und  Circel-Schmids
Arbeit  und  unzehliche  dem  menschlichen  Leben  nüz-  und  annehinliche  Wercke  in
Schwang  gebracht,  könte  nach  der  Länge  ausgeführt  werden,  wenn  es  diesen
Orth  zemnäs  were.  Und  were  zu  wündschen,  dafs  wir  aller  vortrefflichen  teutschen
Künstler  Leben,  Thun  und  Erfindung,  gleichwie  die  Italianer  ihrer  Mahler,  Bildsehnizer
  und  Bildhauer  Thaten  mit  so  vielen  Schrifften  rühmen,  beschrieben  hätten.
Aber  wir  sind  alleınahl  in  gestis  majorum  annotandis  schläffrig  gewesen,  dafs  auch
sogar  die  nordischen  Winckel  in  Schottland,  Schweden  und  Dennemarck_  ihre
Histori  weiter  als  wir  hinauff  führen  können.

5.  Der  Italianer  Künstler-Werck  hat  fast  einzig  und  allein  in  Formirung
lebloser.  stillstehender  und  nur  wohl  aussehender  Dinge  bestanden.  Die  Teutschen
hinzegen  allezeit  sich  beflifsen,  bewegende  Wercke  zu  verfertigen,  die  nicht  nur
die  Augen  sättigten  und  grofser  Herren  Curiosität  büfseten,  sondern  auch  etwas
verrichten,  die  Natur  der  Kunst  unterwerffen  und  die  menschliche  Arbeit  leichter
machen  könten.  Und  ist  zu  verwundern,  dafs  eine  so  geistreiche  Nation  einer
ihrer  Meinung  nach  weit  mehr  verdüsterten  den  Ruhm  der  lebendigen  Künste  überlafsen
  und  sich  mit  ihrer  todten  Proportion  und  Architektur  begnüget.  Kan  ich
also  mit  Grund  der  Walırheit  sagen,  dals  Teutschland,  und  sonderlich  darinn
Augspurg  und  Nürnberg  der  künstlichen  sowohl  Gewicht  als  Feder  Uhren,  der
so  kräfftigen,  verwunderungs-  würdigen  Feuerwercke,  auch  Lufft-  und  Wäalser-Künste
  Mutter  ist.

6.  Denn  weil  alle  Bewegung  der  Kunst-  Wercke  entweder  vom  Gewicht  der
Erde,  oder  an  einander  hengender  Unzertrennligkeit  des  Walsers,  oder  Gewalt

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