4.  Leiwsız,  Errichtung  einer  Societät  in  Deutschland  (2.  Entwurf).  21

werus,  Dionysius  und  andere  entdecket,  so  sey  doch  und  florire  wohl  die  Medicina
practica  nirgend  befser  als  in  Teutschland,  so  alle  diejenigen,  welche  frembden
Medicis,  Apothekern  und  Chirurgis  unter  die  Hände  kommen,  wohl  zu  sagen  wilsen.
Die  besten  Medicamente,  Coıinpositiones  und  Recepta,  deren  sich  ganz  Europa  xebraucht,
  sind  von  teutschen  Medicis,  Chymicis  und  Apothekern.  Schohn  von  Alters
hat  Treutschland  alle  Länder  mit  Alchymisten  und  Laboranten  versehen.  Auch  noch
bis  dato  halten  curiosi  nicht  weniger  die  Teutschen  zu  Laboranten,  als  grofse  Herren
die  Schweizer  zur  Leibguardi  vor  die  Besten.  Die  teutsche  und  sonderlich  schweizerische
  Kräutermänner  haben  die  beyden  Bauhinos,  diese  die  ganze  Welt  in  re
Botanica  informiret.  Die  Transfusionem  Sanguinis,  man  streite  nun  auch  darumb,
so  sehr  ınan  wolle,  hat  doch  ein  Teeutscher,  nemlich  Robavius  zuerst  gesehen,  ob
er  zleich  derselben  gespottet.  Und  sind  wir  Teutsche  in  Anmerckung  dieses  unsers
Rulms  so  schläffrig  gewesen,  dals  erst  ein  Italianer  kommen  und  uns  unser  gehöriges
  Lob  zueignen  ınülsen.

ı2.  Aber  leyder  es  gehet  mit  uns  in  Manufacturen,  Commercien,  Mitteln,
Miliz,  Justiz,  Regierungs-form  mehr  und  mehr  bergab,  da  dan  kein  Wunder,  dafs
auch  Wilsenschafften  und  Künste  zu  Boden  gehn,  dafs  die  besten  Ingenia  entweder
ruiniret  werden,  oder  sich  zu  andern  Potentaten  begeben,  die  wohl  wifsen,  was  an
diesem  Gewinst  gelegen,  dafs  man  von  allen  Orthen  die  besten  Subjecta  an  sich
ziehe  und  mit  Menschen  handle,  deren  einer  mehr  werth  ist  als  1000  Schwarze
aus  Angola.  Von  Verbefserung  unserer  Commercien  und  Justiz.  von  Erhaltung
unserer  Sicherheit,  Freiheyt  und  Regierungs-forın  und  andern  will  ich  jezo  nicht
reden,  dieweil  theils  andere,  theils  auch  ich  davon  zum  Theil  ausführlich  gehandlet;
  nur  soll  jezo  die  Wiederbringung,  Auffrichtung,  Verbeflserung  der  Wifsenschafften
  und  Künste  (wiewohl  gewislich  solche  zur  Verbefserung  der  Coinmercien,
Manufacturen,  Education,  Justiz  etc.  den  Grund  legen  kan)  mein  Objectun  seyn,
davon  ich  meine  offtmahls  gehabte  Gedancken,  so  mir  jezo  bei  fliegender  Feder
einfallen,  wie  sie  kommen,  olıne  Meditation,  olıne  Praelaboration,  ohne  Methodo,
olıne  Zierde  der  Redart,  auff  Papyr  sich,  gleichsam  selbsten,  ehe  sie  verschwinden,
verzeichnen  lalsen  will.  Und  wird  mir  kein  Teutscher  fruchtbringender  [Gesellschaft]
verdencken,  dafs  ich  deutsche,  lateinische  und  andere  barbarische  oder  zierliche
Wörther  ohne  Wahl,  wie  sie  sich  zuerst  offeriret,  jure  prinogeniturae  gebraucht
und  gnug  gehabt,  verstanden  zu  werden.

13.  Was  Gestalt  in  Teutschland  die  Schuhlen,  Acadeınien,  Education,  Peregrination,
  Zünffte,  Künste  und  Wifsenschafften  verstellet,  verderbet  und  verwirret,
hat  schohn*mancher  vor  mir  gesagt;  es  haben  sich  auch  viele  gefunden,  die  einige
Vorschläge  gethan,  dadurch  man  solclheın  Uebel  abkommen  köndte,  aber  theils
sind  sie  zu  theoretisch  und  ex  Republica  Platonis  und  Atlantide  Baconis  genommen
gewesen,  theils  waren  sie  zu  unverständtlich,  ‚Lullianisch  oder  Metaphysisch,  theils
weit  aulssehend  und  in  Republica  gefährlich.  Mit  denen  wir  Alle  nichts  zu  thun
haben,  sondern  wo  wmüglich  ein  Mittel  finden  wollen,  welches  practicirlich  und
doch  keinem  verständigen  Menschen  mit  Grund  verdächtig  seyn  könne.  Die  Scienzen
durch  Lullische  Terminos  einzugiefsen,  verspricht  niemand,  Rosencreuzerische  llluminationes,
  den  Eliaın  philosophicum  und  andere  solche  Rotomontaden  helt  man
billig  vor  Narrenwerck.

14.  Wir  Teutschen  haben  allezeit  den  Mangel  gehabt,  nach  Art  der  Septentrionalium,
  dafs  wir  andern  Nationen  die  Artes  corporaliores  geben  und  wiederumb
hingegen  die  Artes  ınentaliores  von  ihnen  einpfangen.  Selbst  den  Italianern  giengs
mit  Griechenland  also:  Graecia  capta  ferum  vietorem  cepit  et  artes  intulit  agresti
Latio.  Haben  wir  den  Italianern  und  andern  Europaeern  militärische,  mechanische
und  dergleichen  Künste  geben,  so  haben  sie  hingegen  Religion,  guthe  Ordnung
und  Geseze,  Regiments-forınen  und  andere  dergleichen  subtile  Gemüthsübung  auff