42  ll.  Leisxsız,  Pro  Memoria  über  den  Berliner  Hof  (1696,97).

Es  finden  sich  auch  offtmahls  hin  und  wieder  wichtige  Mscpta,  welche  zu
conserviren  dienlich.  Ich  erinnere  mich  in  meiner  Jugend  ein  Manuscript  des  sel.
Weinmans  Clevischen  Canzlers  gesehen  zu  haben,  so  von  Praecedenz  der  H.  Churfst.
vor  der  Republic  Venedig  gehandelt,  und  kan  ich  auch  bey  dieser  Gelegenheit  wohl
erwehnen,  dafs  ich  ein  rares  Manuscript  eines  Magistri  caeremoniarum  pontificii  zu  -
Zeiten  Alexandri  VI  papae  habe,  daraufs  man  siehet,  dafs  der  V'enetus  dem  Prinıario
Electorali  in  Capella  pontificis  weichen  müfsen.  Habe  auch  unter  Andern  ein  trefllich
  Diploma  gefunden,  welches  aus  den  Chur-Brandenburg.  Landen  koınt,  daraus
etwas  der  Welt  heut  zu  Tage  Unbekandtes  zu  erweisen,  dafs  nehmlich  Chur  -  Maynz,
Chur-Trier  und  Chur-Cöllen,  nicht  nur  von  Rechts  wegen  den  Cardinälen  vorgehen,
  ohngeacht  sie  solch  ihr  Recht  nicht  genugsam  beobachtet,  sondern  selbst
Cardinales  nati,  oder  Cardinales  ipso  jure  seyn,  und  zwar,  quod  notandum,  Cardinales
  Archiepiscopi,  da  sonst  die  Andern  alle  nur  Cardinales  Episcopi,  Cardinales
presbyteri,  und  Cardinales  diaconi  seyn,  und  bilde  ich  mir  ein,  das  Originale  oder
doch  uralte  Copien  werden  sich  in  den  Chur-Brandenbg.  Landen  finden,  dadurch
Churfstl.  Durchlt.  ihre  Mit-Churfürsten  obligiren  können.

Stünde  demnach  dahin,  ob  Churfstl.  Durchlt.  guth  finden  würden  einer  gewilsen
  Person  unter  der  Qualität  dero  geheimen  Rathes  das  Ober  Archivariat  und
Einrichtung  aller  Registraturen  deren  Landen  zu  comnmittiren,  damit  solche  in  eine
Universal-Harmoni  und  zusammen  lauffende  Inventaria  zu  Nachricht  dero  Ministrorum
  Status  gebracht  werden  köndten.  Mit  denen  Registraturen  und  Archiven  hat
nicht  nur  die  Historia,  sondern  an  sich  selbst  Res  Studiorum  eine  grolse  Connexion.
Es  haben  Churfst.  Durchlt.  vier  Universitäten  und  viel  vornehme  Gymnasia  in  dero
Landen;  überdiefs  so  müfsen  in  so  weitläufftigen  Landen  viel  wackere  Ingenia  begriffen
  seyn,  welche  theils  in  Churfstl.  und  andern  Bedienungen,  theils  für  sich.
Wie  wann  nun  sub  Auspiciis  Friderici  eine  Societas  Electoralis  Brandeburgica
exemplo  Regiarum  Londinensis  et  Parisiensis  eingerichtet  würde?  Da  gelehrte
Leute  in  omni  studiorum  genere,  sonderlich  aber  in  Physicis  et  Mathematicis  nüzliche
  Gedancken,  Inventa  et  Experimenta  zusammentrügen,  dals  ich  zu  guther  Einrichtung
  eines  solchen  Vorhabens  etwas  beytragen  köndte.

Köndte  vielleicht  ohne  Ruhm  vermelden,  wie  dann  diefsfals  Judicia  exterorunı,
und  der  Applausus  einiger  meiner  bisherigen  Entdeckungen  vor  mich  sprechen
können.

Vornehmlich  käme  es  darauf  an,  wie  ein  Solches  zu  falsen,  dafs  es  ohne
Churfstl.  Durchlt.  Kosten  geschehn  köndte.  Deswegen  ich  denn  verhoffentlich  sehr
angenehme  Vorschläge  zu  thun  wüste,  und  mich  deswegen  ferner  nach  Erfordern
und  Befehl  wieder  zu  vernehmen  zu  lafsen  nicht  ermangeln  werde.

1l.

(Verel.  Geschichte  der  Akademie  S.  44).

LeEıienız,  Pro  Memoria  über  den  Berliner  Hof  (1696/97).
[Krore,  Die  Werke  von  Leıisniz.  10.  Bd.  S.  36  ff.]

Le  conseil  d’Estat  a  Berlin  n’est  que  pour  la  forme  et  pour  l’honneur;  car
on  n'y  propose  gueres  de  choses  d’importance.  L’Electeur  meme,  quoyqu’il  ait
mis  une  peine  d’un  €cu  pour  celuy  qui  ne  viendra  pas,  s’en  ınocque,  et  traite
ceux  qui  parlent,  avec  quelque  ınepris.  I  n’y  a  que  le  president  dont  les  avis
passent  tousjours  pour  bons.  Le  general  Fleming,  quoyqu’il  soit  conseiller  d’Estat
effectif,  n’y  veut  presque  plus  aller.  Trois  Danquelmans  en  sont.  I  n’y  a  que
le  president  Danquelman,  son  frere  le  commissaire  de  guerre,  et  Fuchs,  qui