18.  Leinnız,  Brief  an  D.  E.  Jasronskı  (26.  März  1698).  53

Übersetzung  werth  gewesen,  als  welche  vor  die  Religion  nicht  allein  zierlich  und
beweglich,  sondern  auch  mehrern  theils  gründtlich  geschrieben.  Doch  kann  in
einigen  besondern  Stellen  ınit  ihm  und  dem  Herrn  Newton  nicht  ganz  einig  seyn,
als  da  dieser  meynet,  dals  das  Meiste  in  der  Welt  leer  sey  (da  ich  hergegeu  dafür
halte  dafs  nichts  leer  gelassen)  und  dals  er  dafür  halt,  die  Schwehre  der  Cörper
verhalte  sich  nach  der  Materi,  welches  aber  nur  von  derjenigen  Materi  zu  beweisen,
welche  ınit  dem  sichtbaren  Cörper  fortgestofsen  wird,  nicht  aber  von  der  die
unsichtbar  dadurch  flielset.  Daher  ich  auch  nicht  zu  gestehe,  dals  eine  angebohrne
oder  von  Gott  besonders  unterhaltene  anziehende  Krafft  in  der  Materi  sey.  die
keine  fernere  Erclärung  leide,  auff  welchen  Fall  es  ein  stetes  Mirakel  seyn  würde,
sondern  ich  vermeine,  dafs  die  anziehende  Krafft  vielinehr  von  der  Druckung  einer
durchdringenden  flüchtigern  Materi  komınen  müsse.  Denn  meine  Regel  ist,  dafs  in
der  Natur  nichts  unerclärlich,  obschohn  uns  die  Erclärung  unbekand.  Nach  des
Hn.  Newtons  Weise  aber  ist  eine  fernere  Erclärung  unmöglich.  Es  lasset  sich
auch  nach  seiner  Art  nicht  erclären,  warumb  die  Planeten  alle  fast  einen  Weg
gehn.  Daher  ich  lieber  meynen  solte,  dafs  sie  alle  in  einem  Wirbel  umb  die
Sonne  herumb  schwimmen;  und  kan  ich  weisen,  wie  der  Wirbel  ihre  Bewegung
nicht  hindere,  sondern  vielmehr  unterhalte.e  Wozu  die  Circulatio  harmonica  eine
wunderbare  Bequemlichkeit  hat.  Ich  wolte  auch  nicht  gern,  dafs  man  die  Ähnligkeit
der  Erdkugel  mit  dem  Magnet  aufhübe,  welche  sonst  so  glaublich  scheinet:  und
ist  bekand,  dafs  ein  Wirbel  umb  den  Magneten  sich  findet,  der  seine  Anziehung
sowohl  als  seine  Richtung  verursachet.  Es  ist  aber  in  Übrigen  Herr  Newton  ein
unvergleichlicher  Man,  und  seine  Entdeckungen  sind  von  grolser  Wichtigkeit.

Es  scheinet,  dafs  noch  zur  Zeit  weder  die  Herrn  Engländer  noch  die  Cartesianer
  in  Franckreich  und  Holland  in  den  Grund  der  materialischen  Dinge  gesehen.
Ich  vermeine,  dafs  zwar  alles  in  den  cörperlichen  Phaenomenis  mechanisch,  ursprünglich
  aber  auch  alles  in  der  Natur  zugleich  metaphysisch  und  moral;  und
zwev  ein  ander  durchdringende  Reiche  in  allen  Dingen,  das  Reich  der  Weilsheit
nach  den  Finalen,  und  das  Reich  der  Krafft  nach  den  Efficienten,  indem  die
letzten  Ursachen  der  mechanischen  Geseze  selbst  von  einer  höhern  Substanz  hergehohlet
  werden  müssen,  welche  auch  überall  gewisse  Monades  erschaffen  hat,  so
keine  Figur  noch  Theile  haben,  und  in  denen  die  Krafft  wohnet.  Halte  ich  es
also  weder  ınit  denen  Platonicis  Peripateticis,  welche  verineinen,  man  könne  nicht
alle  besondere  Zufälle  der  Cörper  mechanisch  erklären,  noch  ınit  den  Cartesianen,
welche  vermeynen,  dafs  aufser  bey  dem  Menschen  (welches  eine  gar  schlechte  und
unzugängliche  Aufsnahme)  in  der  ganzen  Natur  nichts  sey,  als  eine  taube  Massa,
allein  bequem  den  Plaz  zu  füllen:  Wogegen  glaube  ein  Anders  erweisen,  und
dadurch  etwas  zu  mehrer  Erkantnifs  des  Höhern  und  Innern  beytragen  zu  konnen.
Es  lassen  sich  aber  solche  Dinge  mit  Wenigen  und  durch  Schreiben  nicht  wohl  erclären.
  Ich  mache  den  Brief  ohne  dem  allzu  lang,  und  mifsbrauche  meines  hochg.
Hn.  Guthigkeit.  Ist  also  aniezo  nichts  anders  übrig,  als  dals  ich  bezeige.  wie  ich
suchen  werde  die  angefangene  Kundschaft  die  mir  so  vortheilhafft,  wo  nicht  mit
anständiger  Würcklichkeit,  mit  Darstellung  eines  aufrechten  guthen  Willens  und
schuldigster  Auffwartigkeit  zu  unterhalten;  der  ich  Lebenszeit  verbleibe

meines  hochg.  Hn.
dienstergebenster
Gottfried  Wilhelin  Leibniz.
26.  Martij  1698.
P.S.

Ich  kan  mich  nicht  gnug  verwundern,  wie  die  Leute  zu  den  Spargimenten
kommen,  deren  MHHr.  erwehnet  [s.  oben  S.  5ı],  dafs  die  hanövrischen  Herrschaften
dem  religiösen  Friedenswerk  Hinderungen  bereiten,  und  dazu  ich  Gott  Lob  nicht