28.  Brief  D.  E.  JaBrLonskı’s  an  Leissız  (23.  März  1700).  1

Herr  von  Wedel  in  damahls  dienstlich  überschickter  Beylage  gemeldet,  solches  hat
selber  gestern  ınündlich  confirmiret,  mit  diesen  Umständen,  ı)  dafs  S.  Churfürstl.
Durchl.  das  gantze  Project  in  allen  seinen  Stücken  vollkoımmentlich  genehm  halten
und  die  Societät  gnädigst  fundiren  und  protegiren  wollen,  nur  noch  gnädigst  hinzufügen,
  dals  man  auch  auf  die  Cultur  der  Teutschen  Sprache  bey  dieser  Fundation
gedencken  möchte,  gleichwie  in  Frankreich  eine  eigene  Acadennie  hiezu  gestifftet  u.  s.  w.
2,  dafs  man  solche  Sr.  Churfürstl.  Durchl.  gnädigste  Intention  den  sämmtlichen
Interefsirten,  vornehmlich  dem  Herrn  Praesidi  und  Observatori  kund  thun,  und
sellige  invitiren  solle,  Hand  anzulegen  und  die  würckliche  Ausführung  des  geschehenen
  Projects  zu  befördern:  auch  zu  solchem  End,  so  bald  es  ihre  Gelegenheit
  ieiden  möchte,  dahiier  persönlich  sich  einzustellen.  Das  erstere  habe  mit  besonderm
  Vergnügen  angehöret,  und  daher  nicht  allein  ersehen,  wie  S.  Churfürstl.
Durchl.  an  unsern  Project  selbst  Theil  nehmen  und  dero  Fürstlichen  Gedancken  damit
bemühen,  wie  es  zu  befestigen  und  noch  mehr  auszuzieren  sey,  sondern  zugleich
Ursach  gehabt,  diejenige  Generosität,  welche  S.  Ch.  D.  hiedurch  blicken  lassen,
zu  bewundern.  Inmassen  einem  Teutschen  Fürsten  freylich  nichts  mehr  anstehen
will,  als  der  edlen,  aber  selır  verwilderten  Mutter-Sprache  sich  anzunehmen,
welche  Fürstl.  Sorge  so  viel  mehr  zu  preisen  ist,  je  weniger  es  Fürsten  sieht,
die  selbige  zu  Hertzen  nehmen.  Und  wird  nur  zu  dencken  seyn,  wie  die  Teutsche
Sprach-  Kunst  mit  denen  übrigen  Wissenschafften  zu  verbinden  seyn  werde.  Das
zweyte  exequire  mit  höchster  Freude,  und  dancke  dem  barmhertzigen  Gott,  dals
er  mich  so  unverhofft  das  Glück  erleben  lassen,  dafs  im  Nahmen  S.  Ch.  D.  meines
gnädigsten  Herın,  meinen  hochgeehrten  Herrn  (Geh.  Ratlı  anlıero  invitiren  darf.
Ich  vermuthe,  dafs  unsere  gnädigste  Churfürstin  wohl  ehestens  zurück  kehren
dörffte,  so  würde  dann  es  meinem  h.  Herrn  Geh.  Ratlı  bequem  fallen,  selbte
anhero  zu  begleiten.  Doch  stelle  ich  es  selbteın  anheim,  nach  Gelegenheit  alles
einzurichten.  Es  würde  aber  dero  geehrte  Gegenwart  wohl  recht  nöthig  seyn.
S.Ch.D.  (zwar  noch  in  Oranienburg  abwesend)  sind  in  der  Sache  gantz  evfrig  und
haben  dem  Herrn  von  Wedel  Ordre  ertheilet.  da  er  ehegestern  herein  fuhr,  mit
dem  Baumeister  Grünberg  wegen  Erbauung  des  Öbservatorii  und  Aptirung  des
dazu  gewidmeten  Pavillon’s  u.s.w.  zu  sprechen:  so  auch  geschehen.  Hr.  Grünberg
forderte  zu  den  Unkosten  6  bis  700  Rtlılr.,  der  Herr  von  Wedel  aber  verstund
sich  zu  I000.  Man  hat  gestern  Abend  das  Gebäud  in  Augenschein  genommen  und
genau  alles  überleget.  Es  finden  sich  auf  allen  Seiten  Schwürigkeiten,  und  daher,
wenn  wir  Hoffnung  haben  können,  dals  mein  h.  Herr  die  Ehre  dero  Anwesenheit
ehestens  uns  zu  gönnen  gemeinet,  wollten  wir  bis  dahin  alles  anstehen  lassen.
Sonst  hatte  Herr  Grünberg  Ordre,  nächste  Woche  mit  dem  Bau  den  Anfang  zu
machen.  In  Erwartung  meines  h.  Hrn.  Geh.  Raths  geneigter  Erklärung  und  Befehls,
empfehle  Selbten  in  Göttl.  treue  Oblıut  und  verharre  u.  s.  w.
Gebeth-  und  Dienstergebenster

D.E.  Jahlonskı.

Wenn  mein  h.  Hr.  Geh.  Ratlı  die  Gütigkeit  haben  wolte,  Ihro  Churfürstl.
Durchl.  meiner  gnädigsten  Frau  nebst  Empfehlung  meiner  unterthänigsten  Devotion,
unterthänigst  zu  hinterbringen,  dals  mir  sonderbare  unterthänigste  Freude  mache,
das  Dessein,  so  erstens  auf  Ihro  Churfürstl.  Durchl.  gnädigstes  Gutfinden  und  Befehl
angefangen  worden,  nun  in  so  weit  ausgeführet  zu  sehen,  würde  Selbter  mich
höchlich  obligiren.

Berlin,  den  23.  Mart.  1700.

In  Eil.