72  29.  Leisnizens  Brief  an  D.  E.  JapLoxskı  (26.  März  1700).

29.

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  79).

Leısnız,  Brief  an  JasLonskı  vom  26.  März  1700.
[Karrens  Sammlung  S.  158  ff.]

Hochwürdiger  etc.
insonders  hochgeehrter  Herr  und  werther
Gönner,

Mich  erfreuet  sehr,  dals  der  Anschlag  bis  Dato  so  wohl  von  statten  gangen.
Meines  hochgeehrten  Herrn  Hofpredigers  Project,  wie  alles,  was  von  selbem  kommt,
ist  allezeit  vollkommlich  wohl  ad  sequens  gerichtet.  Das  Wenige,  so  mich  unterwunden,
  zu  erinnern,  kan  dienen  ad  melius  esse,  zumahl  wenn  vom  Project  zur
Sache  selbst  geschritten  werden  soll.  Da  ich  dann  vermeine,  es  werde  dienlich
seyn,  weder  das  Observatorium  als  das  primarium  Objectum,  noch  das  Negotium
calendarium  als  primarium  Fundum,  wenn  es  gleych  sein  sollte,  vorzustellen,  auch
bey  den  scientiis  ja  nicht  mechanicae  et  chemiae  und  folglich  auch  des  Laboratorii
nicht  zu  vergessen  und  die  Sache  in  allem  also  einzurichten,  dafs  sie  sich  auf  alle
reales  scientias  erstrecke.  Daher  man  die  beyden  Königl.  Societäten  gar  weislich
zum  Modell  angenommen.  Ich  hoffe,  der  Herr  von  Wedel  werde  damit  ratione
mechanicorum  et  laboratorii  einig  seyn,  und  was  den  Fundunn  betrifft,  wäre  vielleicht
  in  genere  dermahleins  zu  melden,  dafs  bey  neuen  Anstalten  zu  gemeinem  Nutzen
der  Überschufs  zu  dergleichen  rühmlichen  und  geıineinnützlichen  Vorhaben  zu
widmen  und  das  Kalenderwerck  exempelweise  zu  specificiren.  Vielleicht  läfst  sichs
thun,  dafs,  ehe  Churfürstl.  Durchl.  etwas  würcklich  ausfertigen  lassen,  ich  durch
M.  H.  Herrn  Hofpredigers  Gewogenheit  den  Entwurf  in  forma  zu  sehen  bekommen
  könne.  Ich  habe  inzwischen  Beykommendes  aufgesetzt  und  darinnen
des  Wercks  künftigen  grossen  Nutzen,  wenn  man  es  damit  recht  anfängt,  gleichsam
  in  einer  Perspectiv  von  fern  in  etwas  zeigen  wollen.  Weil  mich  bedüncket,
einem  hohen  Potentaten,  der  etwas  Grosses  zu  Gottes  Ehre  und  der  Menschen
Besten  thun  könnte,  sey  man  einigermassen  schuldig  solches  anzuzeigen,  und  werden
grosse  und  herrische  Geimüther  auch  am  besten  durch  solche  Gedancken  gerühret,
die  ihrer  Macht  und  hohen  Muth  proportioniret.  Wie  dann  auch  mein  hochgeehrter
Herr  selbst  in  seinem  Project  davon  bereits  Erwehnung  gethan,  daher  ich  wünschen
möchte,  dafs  durch  M.  H.  Herrn  Hofprediger  selbst  Churfürstl.  Durchl.  einen
nähern  Gustum  davon  bekomınen  möchten,  wozu  von  mir  einige  Argumenta,  so
ziemlich  ad  homineın  scheinen,  suppeditiret  worden.  Inzwischen  bleibt  es  doch  bey
allen  dem,  so  in  dessen  Project  vorgestellet,  haupsächlichen  billig  [sic].  Es  ist  aber
dils  mein  Beyfügen  vielleicht  nicht  so  bequem,  noch  zur  Zeit  von  vielen  gesehen
zu  werden,  deren  recht  real-guten  Intention  man  nicht  versichert,  theils  weil  es
einigen  nach  guten  Sachen  wenig  fragenden  und  nur  auf  sich  sehenden  Leuten,
daran  es  nirgends  fehlet,  Nachdencken  und  Jalousie  geben,  theils  weil  es  sonst  übel
ausgelegt  werden  könnte.  Inzwischen  sollten  Churfürstl.  Durchl.  einmahl  des  Wercks
Wichtigkeit  recht  fassen  und  dazu  einen  besonderen  Trieb  bekommen,  so  wären
mit  der  Zeit  grosse  Eflecten  zu  hoffen.  Nun  komme  ich  zu  meines  hochgeehrten
Herrn  trefflichen,  pro  initiis  fast  unverbesserlichen  Projeet  und  gehe  es  kürtzlich
durch.  Mich  dünckt

ı.  Es  wäre  künftig  der  Nalıme  der  Societät  besser  als  der  Academie.  Denn
in  Teutschland  Academie  ınehr  von  Lehr-  und  Lernenden  verstanden  zu  werden
pileget;  alllier  auch  wahrhaftig  eine  Societät  vieler  auch  entfernter  Personen  dienlich.

2.  Observatorium  wäre  nicht  pro  primario,  sondern  parte  insigni  aufzunehmen,
  weilen,  wenn  es  hauptsächlich  darinnen  beruhet,  alles  auf  eine  blosse