16  30a.  Leissızens  Denkschrift,  die  Einrichtung  der  Societät  betreffend  (März  1700).

Leute  dadurch  gewonnen  werden.  Und  anstatt  noch  zur  Zeit  meine  Gedancken
de  theodicaea  und  connexis  der  Welt  durch  Bücher  darzustellen  und  einigen  zancksüchtigen
  Gemüthern  Materie  zu  vitilitigationibus  zu  geben,  so  bin  ich  mehr  geneigt,
mit  vortrefflichen  wohlgesinnten  Theologis  eines  und  andern  Theils  darüber  amice
und  privatim  zu  conferiren,  und  dann  erst,  nachdem  ich  denen  und  sie  mir  Vergnügen
  geben,  auch  andern  zu  Dienst,  wenn  mir  Gott  das  Leben  lässet,  damit
herfürzugehen.  Zweitle  nicht,  M.H.  Herr  werde  dieses  mein  Vorhaben  billigen,
wie  ich  dann  in  diesem  und  allem  sehr  auf  sein  hochvernünftiges  Gutachten,  wie
billig,  reflectiren  werde,  und  in  Übrigen  verbleibe  jederzeit
Meines  hochgeehrten  Herrn  Hofpredigers  und  werthen  Gönners
Hannover  26  Mart.
1700.  Dienstverbundenster
Gottfried  Wilhelm  Leibnitz.

30a.

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  81).

L£eısnızens  Denkschrift  in  Bezug  auf  die  Einrichtung  einer  Societas
Scientiarum  et  Artium  in  Berlin  vom  24/6.  März  1700,  vielleicht  bestimmt
  für  Jastonskı  und  die  Berliner  Freunde.

[Karrens  Saınmlung  S.  173  ff.]

Weilen  Churfürstl.  Durchlaucht  zu  Brandenburg  ein  glorioses  und  recht
königliches  Werk  vorhaben,  eine  Societatem  Scientiarum  et  Artium  zu  fundiren,
so  wäre  auf  solche  Anstalt  zu  denken,  dafs  der  wahre  Zweck  und  Nuzen  mit
geringer  Beschwerde  erhalten  werde.

Solche  Churfürstl.  Societät  müste  nicht  auf  blofse  Curiosität  oder  Wissensbegierde
  und  unfruchtbare  Experimenta  gerichtet  seyn,  oder  bey  der  bloßen  Erfindung
  nüzlicher  Dinge  ohne  Application  und  Anbringung  beruhen,  wie  etwa  zu
Paris,  London  und  Florenz  geschehen,  daher  eine  Verspottung  und  die  bekante
englische  Comoedie:  The  virtuoso,  erfolget,  auch  endtlich  die  Hände  abgezogen
werden;  sondern  man  müste  gleich  Anfangs  das  Werck  samt  der  Wissenschaft
auf  den  Nuzen  richten,  und  auf  solche  Specimina  dencken,  davon  der  hohe  Urheber
Ehre  und  das  gemeine  Wesen  ein  Mehrers  zu  erwarten  Ursach  habe.

Wäre  demnach  der  Zweck  theoriam  cum  praxi  zu  vereinigen,  und  nicht
allein  die  Künste  und  die  Wissenschaften,  sondern  auch  Land  und  Leute,  Feldbau,
Manufacturen  und  Commercien,  und,  mit  einen  Wort,  die  Nahrungsmittel  zu  verbeflsern,
  überdiefs  auch  solche  Entdeckungen  zu  thun,  dadurch  die  überschwengliche
Ehre  Gottes  mehr  ausgebreitet,  und  dessen  Wunder  besser  als  bifsher  erkannt,
mithin  die  christliche  Religion,  auch  gute  Policey,  Ordnung  und  Sitten  theils  bey
heidnischen,  theils  noch  rohen,  auch  wol  gar  barbarischen  Völkern  gepflanzet  oder
mehr  ausgebreitet  würden.

Wobey  dann  wol  zu  betrachten,  dafs  Churf.  Dt  wegen  der  Situation  dero
Lande  und  andern  Conjuncturen  dazu  solche  Gelegenheit  haben,  dergleichen  weder
der  Kayser  noch  König  in  Franckreich  bey  den  ihrigen  finden,  und  nicht  allein
wegen  guter  Verständnils  mit  Moscau  nach  China,  Indien  und  Persien  und  in  die
grolse  Tartarey  treffliche  Handlung  anrichten,  und  neben  dem  evangelischen  Wesen
ihren  Ländern  grolse  Vortheile  schaffen,  sondern  auch  in  dem  ihrigen  selbst  wichtige,
fast  unköstliche  Entdeckungen  thun  lassen  können,  damit  dem  menschlichen  Geschlechte
  überaufs  gedienet  seyn  würde.

Nun  werden  zweifelsohne  sich  bey  Churf.  Dt  vortreffliche  Leute  finden,  welche
von  allen  diesen  Dingen  herrliche  Gedanken  an  Hand  geben  können.  Dennoch