80  305.  Leinsizens  Deukschrift,  die  Einrichtung  der  Societät  betreffend  (März  1700).

Hieraus  erscheinet  nun,  dafs  zu  dieser  Societate  Scientiarum  Leute  gehören,
die  in  Geometria,  Astronomia,  Architectonica,  Mechanica,  Chymia  und  Mineralibus,
Botanica  und  Anatomica  vortrefflich.  Wie  dann  auch  insonderheit  bey  der  letzten
Verfassung  der  Kön.  Französischen  Societät  auf  dieses  Alles  gesehen  worden.  Und
ob  man  schon  nicht  sofort  nöthig  hätte,  wegen  aller  dieser  Dinge  eigene  Leute  zu
besolden,  so  felhlet  es  doch  an  churfürstl.  Hofe  nicht  an  allerhand  excellirenden
Personen,  so  einiger  malsen  dahin  zu  ziehen.

Könnte  deinnach  die  Societät  bestehen  aus  innern  Membris  und  aus  Associatis.
‚Die  innern  Membra  formiren  eigentlich  das  Collegium  Societatis;  die  Associati
wären  theils  münd-  und  thätlich,  theils,  wenn  sie  abwesend,  mit  Correspondenz
behülflich.  Und  weilen  Churf.  Durchlaucht  nicht  nur  an  Dero  Hof,  sondern  auch
in  Dero  grolsen  Landen  so  viel  berühmte,  und  sonst  in  allerhand  Wissenschaften,
Künsten  und  Werken  hochgeschätzte  Leute  haben,  auch  theils  besolden:  so  ist
kein  Zweifel  dafs,  wenn  hochgedachte  Churf.  Durchlaucht  eine  gnädigste  Neigung
hierzu  spühren  lassen,  Jedermann  um  die  Wette  das  Seinige  beytragen  und  siclhıs
vor  eine  Ehre  schätzen  werde,  etwas  zu  dieses  grolsen  Potentaten  Vergnügung  zu
thun.  Der  Fremden  zu  geschweigen.

Und  können  Churf.  Durchlaucht  denen,  so  etwas  Sonderliches  leisten,  leicht
solche  Gnaden  widerfahren  lassen,  die  theils  in  honore  beruhen,  theils  sonst  ohnköstlich,
  auch  männiglich  unnachtheilig,  bis  der  Fundus  dahin  erwachsen,  dals  ohne
Churf.  Durchlaucht  Kosten  Real  -  Erkenntlichkeiten  erfolgen  können.  Dadurch  wackere
Leute  nicht  nur  aninirt,  sondern  auch  in  Stand  gesetzet  werden  ein  Mehreres  auszurichten,
  und  wenn  solches  Alles  nicht  wäre,  wird  doch  Manchen,  neben  dem
Rulım,  die  Hoffnung  einer  dermahleins  wohlverdienten  Beförderung  anfrischen  können.

Man  kann  auch  sonderlich  in  Friedenszeiten  sagen,  dafs  nächst  der  über  Alles
gehenden  Gottesfurcht  und  einer  gerechten  Regierung,  nichts  nöthiger,  dienlicher
und  einem  grolsen  Potentaten  rühimlicher  sey,  als  was  Künste  und  Wissenschaften,
tamquam  ornamenta  et  fructus  pacis,  blühen  machet.  Denn  nicht  allein  die  Gesundheits-
  und  Nahrungsinittel  daraus  entspringen,  dadurch  eines  Herrn  Unterthanen
  und  Einkünfte  erhalten  und  vermehret  werden,  sondern  auch  freudige,  aber
dabey  müssige  Gemüther,  so  sich  aus  Mangel  besserer  Materi  auf  Spiel,  Debauchen
und  sonst,  wo  nicht  schädliche,  doch  unnütze  Übungen  und  Zeitvertreib  begeben,
finden  dergestalt  ein  Objectum,  darinn  sie  sich  wahrhaftig  vergnügen,  auch  Gott
und  Andern  damit  dienen  können.  Womit  auch  der  teutsche  Adel  samt  andern
wohlhabenden  Leuten  (des  Frauenziminers  zu  geschweigen)  nach  dem  Exempel
fürneliner  Virtuosi  der  auswärtigen  Nationen,  zu  einer  löblichen  Curiosität  und
dem  rechten  Bon  goust  zu  bringen,  dafs  man  die  Welt  und  Werke  Gottes  und  der
Menschen  anders  als  der  geineine  Mann  ansehen,  mithin  unsere  Nation  nicht  nur
den  Rulım  der  Tapferkeit,  sondern  auch  eines  soliden  Verstandes  beybehalten  möge.

Sollte  ein  solches  Werck  (dergleichen  nicht  nur  in  Teutschland  sondern  in
der  Welt,  noch  kein  Potentat  mit  so  realeın  Absehen  vorgehabt)  durch  Gottes
Hülfe  von  Statten  gehen,  ist  leicht  zu  erachten,  was  es  nicht  nur  itzo  für  Verwunderung
  bey  ınänniglich,  sondern  auch  für  olınsterbliches  Lob  bey  der  Nachwelt
dem  glorwürdigsten  Fundatori  bringen  würde.  Der  grofse  König  in  Franckreich
hat  es  bey  Curiosis  beruhen  lassen,  und  blofs  darin  den  Ruhm  eines  mächtigen
Potentaten  gesuchet,  der  Alles,  was  schön  und  löblich,  befördert.  König  Carl  der
Andere  von  Grofs-Britannien,  ob  er  schon  ein  Herr  war,  der  selbst  viel  wuste,
so  tractirte  er  doch  die  wichtigsten  Dinge  als  Bagatellen,  und  so  ging  es  auch
seiner  Königl.  Societät.  Was  man  vor  langen  Jahren  in  der  Academia  del  Cimento
zu  Florentz  gethan,  das  bliebe  auch  bey  geringen  Curiositäten  und  hörete  bald  auf.

Allein  was  Churf.  Durchl.  hierunter  fürneliımen  würden.  das  würde  über  alles
vorerwähnte  noch  zu  der  Ausbreitung  der  Elıre  des  grolsen  Gottes  und  Fortpilanzung