3l.  Leisxizens  Brief  an  den  Kurfürsten  Geore  Lupwic  (28.  März  1700).  sl

des  reinen  Evangelii  gereichen,  indem  dadurch  den  Völkern,  so  noch  im  Finstern
sitzen,  das  wahre  Licht  mitanzuzünden,  dieweil  die  Wissenschaften  und  der  irdische
Himmel  bequem  befunden  worden,  die  verirreten  Menschen  gleich  wie  der  Stern
die  morgenländischen  Weisen,  zu  dem  so  recht  himmlisch  und  göttlich  zu  führen.
Ich  habe  mehrmalen  auch  in  öffentlichen  Schriften  mit  Anderen  beklagt,  dass  man
die  römischen  Missionarios  allein  die  unvergleichliche  Neigung  und  Wissensbegierde
des  chinesischen  Monarchen  und  seiner  Unterthanen  sich  zu  Nutz  machen  lasse.
Davon  ich  viel  Besonders  mit  nachdenklichen  Umbständen  sagen  könnte.

Es  scheinet,  als  ob  Gott  sich  Churf.  Durchlaucht  zu  einem  grofsen  Instrument
auch  hierinn  auserwehlet  und  vorher  ausgerüstet  habe.  Malsen  ja  bey  Protestirenden
nirgends  ein  solcher  Grund  als  zu  Berlin  zu  der  chinesischen  Literatura  et  propaganda
  fide  geleget  worden.  Wozu  nunmehr  vermittelst  sonderbarer  Schickung  der
Providenz  das  so  ungemein  gute  persönliche  Vernehmen  ınit  dem  Czaar,  in  die
erolse  Tartarey  und  das  herrliche  China  ein  weites  Thor  Öffnet.  Dadurch  ein
Cominercium  nicht  nur  von  Waaren  und  Manufacturen,  sondern  auch  von  Licht
und  Weisheit  mit  dieser  gleichsam  andern  civilisirten  Welt  und  Anti-Europa  einen
Eingang  finden  dürfte,  so  auch  Viele  anlocken  würde,  mehr  höchstgedachter  Churf.
Durchlaucht  Protection  dazu  zu  suchen,  zumahlen  auch  bekannt,  dafs  unter  allen
europzischen  Naturalien  fast  nichts  in  China  mehr  gesuchet  und  geschätzet  wird
als  der  Agtstein.  Gleich  als  ob  Gott  gewollt,  dafs  Churf.  Durchlaucht  auch  diels
natürliche  Vorrecht  dazu  haben  sollten.

Ja  noch  mehr  zu  sagen,  wer  weils,  ob  Gott  nicht  eben  deswegen  die  pietistischen,
  sonst  fast  ärgerliche  Streitigkeiten  unter  den  Evangelischen  zugelassen,
auf  dafs  recht  fromme  und  wohlgesinnte  Geistliche,  die  unter  Churf.  Durchlaucht
Schutz  gefunden,  Dero  bey  Handen  seyn  möchten,  dieses  capitale  Werck  fidei
purioris  propagand&amp;  befser  zu  befördern,  und  die  Aufnahme  des  wahren  Christenthumes
  bey  uns  und  aufserhalb,  mit  dem  Wachsthum  realer  Wissenschaften  und
gemeinen  Nutzens,  als  funiculo  triplici  indissolubili  zu  verknüpfen.

Gleichwie  nun  dieses  so  weit  sich  erstreckende  treffliche  und  grofse  Absehen
annoch  sehr  geheim  zu  halten,  also  wäre  gleichwol  das  bevorstehende  Reglement
der  Churf.  Wissenschafts  -Societät  also  zo  fassen,  dals  dieses  Alles  mit  der  Zeit  dabey
  statt  haben,  und  das,  so  Anfangs  geschieht,  zu  dem  so  künftig  geschehen  soll,
bequemlich  leiten  könne.  Wozu  Gott  (dessen  Ehre  man  über  Alles  zu  suchen  hat)
sein  Gedeyhen  geben  und  Churf.  Durchlaucht  hohes  Geinüth  zu  heroischen,  christlöblichen
  Unternehmungen  ferner  entzünden,  auch  zu  deren  glücklicher  Ausführung
Sie  bev  langem  vollkommenen  höchsten  Wolstand  erhalten  wolle.

31.

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  85).

Leıisxız,  Brief  an  den  Kurfürsten  GEeors  Lupwiıc  vom  28.  März  1700.
[Kropr,  Die  Werke  von  Leıisxiz.  8.  Bd.  S.  150f.]

Monseigneur.  I  semble  que  l’honneur  qu’on  ın'a  fait  en  France  de  me  donner
place  a  l’Academie  Royale  des  sciences  qu’on  y  a  renouvellee,  m’attire  un  autre
que  voicy.  C’est  que  Mgr  l’Electeur  de  Brandebourg,  resolu  de  fonder  une  semblable
  societe  et  de  faire  bastir  un  observatoire,  me  fait  escerire  pour  faire  un  petit
tour  a  Berlin  &amp;  fin  de  donner  mes  avis,  et  veut  mesıne  m’en  confier  la  direction,
mais  de  loin,  et  sans  que  je  m’y  arreste,  ce  qu’on  suppose  ne  pouvoir  pas  deplaire
  aV.A.E.  car  il  semble  qu’une  telle  demande  yui  m’est  avantageuse,  ne
deshonnore  pas  la  cour  de  V.  A.  E.

Geschichte  der  Akademie.  II.  6