84  34.  D.  E.  JasLonskı’s  Brief  an  Leisxiz  (21.  April  1700).

gestern  wiedergegeben,  damit  der  Stylus  gemäfs  der  teutschliebenden  Intention  des
gnädigsten  Fundatoris  eingerichtet  werde,  welches  mir  in  soweit  sonderlich  lieb,
weil  hierdurch  die  Ausfertigung  so  lang  verschoben  wird,  bis  M.  H.  Herr  Geheimter
Rath  sothane  Edicta  selbst  wird  gesehen  haben.  Wegen  des  Fuhrzeddels  hat  der
Herr  von  Wedel  gestern  übernommen,  die  Vorsorge  zu  thun,  heute  aber  mich
wissen  lassen,  dals  wegen  plötzlicher  Unpälslichkeit  des  Ober-Cammerherrn  die
Sache  nicht  bewerckstelligt  werden  können,  doch  würde  er  sorgen,  dals  es  gegen
die  nächste  Post  geschehe.  Davon  also  mit  nächstem  die  Ehre  haben  werde,  M.
H.  Herrn  Geheimbten  Rath  gehorsamste  Nachricht  abzustatten.

M.  H.  Herrn  Geheimten  Raths  Gedancken  wegen  Wiederauflegung  der  Centurien
  sind  so  solid  und  richtig,  dafs  sie  nicht  mögen  verbessert  werden.  Man
möchte  dieses  sonst  grosse  und  mühsame  Werck  nennen  Rudimentum  historiae
ecclesiasticae.  Gewils  ists,  dafs  dieses  Studium  damahls  gar  nicht  ausgearbeitet
gewesen  und  haben  diese  wackere  Leute  das  Eis  brechen  müssen,  dabey  aber  das
Unglück  gehabt,  dafs  sie  des  allerbesten  Subsidii,  der  criticae  historicae,  die  ihnen
doch  die  Fackel  vortragen  sollen,  beraubet  gewesen.  Deun  das  gewisseste  Mittel,
sowohl  libros  genuinos  a  suppositiis  zu  unterscheiden,  als  auch  sensum  genuinorum
zu  eruiren,  ist  die  Gegeneinanderhaltung  librorum,  locorum  und  styli.  Weil  aber
das  Magdeburgische  Werck  fünf  Chefs  gehabt  (wiewohl  sich  nur  vier  bey  der
Dedicatio  unterschreiben)  und  diese  noch  zehn  andere  unter  sich,  welche  partitis
operis  die  Autores  gelesen,  exerziret,  digeriret  etc.,  ist  leicht  zu  erachten,  dafs  bey
solchen  Collectaneis  historicis  die  wahre  Solidität  nicht  möge  angetroffen  werden,
sonderlich  da  die  Historie  und  Chronologie  noch  im  Finstern  lag,  daraus  sie  nach
und  nach  gezogen  werden  müssen.  Baronius  hatte  grossen  Vortheil,  erstlich  der
Zeit,  weil  damahls  schon  ein  Vieles  entdecket,  hernach,  weil  Alles  durch  seinen
Kopf  allein  gieng,  da  er  Alles  wohl  gegen  einander  halten  können,  und  dennoch
bemercken  seine  eigene  Glaubensbrüder  an  ihm  nicht  nur  Errores  chronologicos,
sondern  auch  reales  und  antilogias  etc.

So  ist  auch  meine  Meynung,  dafs  die  Historie  nicht  besser  als  per  annales
geführet  werden  könne,  allermassen  wann,  wie  die  Kirche  meines  Vaterlandes
verlanget,  ich  eine  Historia  ecclesiarum  Slavonicarum  verfertigen  sollte,  ich  dabey
gewils  bleiben  würde.  Doch  von  dergleichen  werde  die  Ehre  haben  (so  Gott
will),  M.  H.  Herrn  bald  zu  sprechen,  welchen  inzwischen  in  göttl.  treue  Obhut
empfehle,  als

Meines  hochgeehrtesten  Hın.  Geheimbt.  Raths

P.S.  Wenn  auch  Mühe  und  Kosten  Gebeth-  und  Dienst-ergebenster
an  eine  Historie  solten  gewendet  werden,  Diener
wäre  gut,  dafs  sie,  wo  nicht  bifs  auf  D.  E.  Jablonski.
unsere  Zeiten,  doch  bifs  auf  die  Zeit  der
Reformation  fortgesetzet  würde.

34.

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  85).

Des  Hofpredigers  Jasronskı  Brief  an  Leıznız  vom  21.  April  1700.
[KArrens  Sammlung  S.  188  f.]

Hochedler  Herr,
insonders  hochgeehrter  Herr  Geheimbter  Rath,
Hochgeschätzter  Gönner,
Mit  wenigem  melde  gehorsamst,  dafs  theils  wegen  Abwesenheit  des  Hofes
in  und  um  Oranienburg,  theils  wegen  der  grossen  Schwürigkeiten,  welche  finde,
es  mit  denen  Fuhrzeddeln  hat,  damit  nicht  zum  Zweck  kommen  können;  es  über