86  36.  Lxienizens  Denkschrift,  das  Observatorium  betreffend  (Frühjahr  1700).

einem  Stock  noch  erhöhet,  oben  mit  Metall  oder  guthen  gepichten  Holz  beleget,
mit  einer  Gallerie  umbgeben,  mit  kleinen  versatilen  Breter-häufslein  in  den  Ecken
zu  Placir-  und  Conservirung  der  grofsen  Instrumenten  versehen  und  mit  aufgerichteten
  und  aptirten  Mastbäumen  zy  Handhabung  der  Tuborum,  auch  einer  beweglichen
  Stube  von  Bretern  aptirt  werden,  damit  man  sich  des  Plazes  commode
gebrauchen  könne,  und  soll  deswegen  ein  Rifs  gegeben  werden.  Die  Logements
dürffen  nur  zwey  seyn,  eines  zu  den  Conventibus,  das  andere  zu  der  Bibliothec
und  Instrumenten.  Die  auff  den  Pavillon  noch  aufzusezende  Etage  köndte  dazu
gebraucht  werden.  Der  Observator  aber  würde  in  eben  dem  Pavillon  das  nidrige
Estage  bewohnen  können.

Es  wird  dabey  gefüget,  dafs  man  den  Baumeister  bereits  darüber  vernommen;
der  hat  dazu  6  bils  700  Thlr..  gefordert.  Man  werde  aber  gern  auff  1000  gehen!.
Es  wäre  guth  geworden,  wenn  man  das  spatium  des  gedachten  Pavillons  gemeldet.
Doch  scheinet  wohl,  dafs  der  Plaz  nicht  grofs  seyn  werde,  weil  der  Observator
allein  das  ganze  untere  Stockwerck  einnehmen  wird.  Ob  nun  das  Stockwerck
darüber  nicht  mercklich  per  projecta  oder  inventaria  (?)  zu  vergrössern  wäre  ....
Umbständen  ....  zu  überlegen.  Dafs  der  Grund  guth  seyn  werde,  ist  zu  hoffen.

Hr.  Weigel  ..  sel.  hatte  zu  Jena  bey  seinem  Observatorio  allerhand  feine
Einfälle  gehabt;  ich  möchte  Gelegenheit  zu  einem  Stiegen-  Thurmbau  wünschen,  so
pro  scientia  obscura  dienen  köndte,  darinn  ein  guthes  Theil  des  Himmels  gleichsam
als  in  ...  auf  einem  polaren  Stucco  zu  präsentiren,  welches  allerhand  Ntzen
haben  köndte  ......  der  vorkommenden  Apparenzen  haben  köndte.  Solches
Thürmlein  wäre  am  Altan  in  Form  einer  Cupola  und  so  niedrig  seyn,  dals  es  denen
Tubis  ...  auff  der  Plattform  aufgerichtet  ihren  Prospect  nicht  benehme.

36.

(Geschichte  der  Akademie  S.  85.  87).

Unvollendete  eigenhändige  Denkschrift  Leısnızens  (wegen  eines
Observatoriums  in  Brandenburg)  vom  Ende  April  oder  Anfang  Mai
1700  (in  der  Abschrift  ist  Mai  ausgestrichen  und  April  gesetzt).
[Akademisches  Archiv.]

Es  hat  ehemahlen  ein  hochberühmter  teutscher  Stern-Kundiger  Keplerus  einen
treflichen  Vorschlag  gethan,  wie  die  Geistlichkeit  ihre  hohe  Kirchen  neben  dem
Gottesdienst  auch  zu  Beobachtung  der  Wunder  Gottes,  so  sich  an  dem  sichtbaren
Himmel  sonderlich  zeigen,  brauchen  könne,  und  weiset  er  an,  wie  zum  Exempel
das  Bildnifs  der  Sonnen,  welches  zu  einem  Loch  oben  in  die  Kirche  gebührend  einfallet,
  sich  unten  dergestalt  vergrölsere,  dals  ınan  die  so  genannte  Maculas  solares,
so  erst  in  diesem  ietzt  zu  End  lauffenden  Jahrhundert  durch  die  Fern-Gläser  entdecket
  worden,  mit  blofseın  Auge  kan  zu  sehen  bekommen,  und  sie  also  fürlängst
würde  haben  entdecken  können,  wenn  man  Acht  hierauf  gegeben  und  dieses  Mittels
sich  bedient  hätte,  zu  geschweige,  was  anietzo  mit  diesem  Weg  auszurichten,  wenn
die  in  behöriger  Form  ausgeschliffene  Gläser  noch  dazu  kommen  .....  [Es  wird
nun  von  der  Adaptirung  des  Domes  in  Bologna  erzählt,  wo  auf  dein  Fufsboden
eine  Mittagslinie  von  Messing  gezogen  und  eingetheilt  sei,  auf  die  die  Sonne  durch
ein  Loch  falle;  auch  noch  andere  Linien  auf  dem  Fufsboden  unter  solchen  Umständen
  zu  zielen,  sei  nützlich,  nicht  nur  für  die  Sonnen-,  sondern  auch  für  die
Mond-  und  Stern-Kunde,  besonders  könne  so  die  Parallaxie  orbis  annui  und  die
Kugelgestalt  der  Erde  gegen  Roms  Behauptung  erwiesen  werden.]

!  Siehe  D.  E.  Jastoxskr’s  Schreiben  an  Leisenız  vom  23.  März  1700  (oben  S.71).