37.  Das  Kalender-Patent  (10.  Mai  1700).  81

Demnach  weilen  Churfürstl.  Durchl.  entschlossen,  dem  Beyspiel  grofser,  in
den  Historien  hochgelobter  Potentaten  zu  folgen,  bey  Evangelischer  Christenheit
aber  und  im  Reich  Teutscher  Nation  vermittelst  hoher  Anstalt  zu  Vermehrung
wichtiger  Wifsenschafften  und  sonderlich  der  Sternkunst  Anderen  ein  trefliches  Beyspiel
  zu  geben,  und  deswegen  in  der  Residenz  ein  Observatorium  oder  Sterngebäude
aufzurichten  bereits  gewissen  Befehl  ertheilet,  so  stünde  dahin,  ob  hochgedachte
S.  Churfürstl.  Durchl.  sich  nicht  nach  diesem  Vorschlag,  dadurch  man  ohne  grofse
Weitläuffigkeit  zu  ernstlichen  Observationibus  gelangen  kan,  und  wozu  Sie  vor
andern  Teutschen  Evangelischen  Fürsten  Gelegenheit  haben,  gefallen  lafsen  möchte.
Auf  welchen  Fall  dahin  stünde,  was  bey  denen  Dom-  und  anderen  hohen  Kirchen
zu  Magdeburg,  Halberstadt,  Minden,  Brandenburg,  etc.  füglich  zu  thun  seyn  ınöchte.

Weilen  aber  solche  Kirchen  zwar  dergestalt  vortreffliche  Observatoria  dargeben,
doch  gleichwohl  die  Dächer-Pfeiler  und  andern  Hindernifsen  zumahl  bey  denen
Kirchen  sich  ereignen,  so  annoch  würcklich  zum  Gottesdienst  gebrauchet  werden,
so  ist  mir  bey  gefallen,  ob  nicht  eine  verwüstete  Kirche  sich  finden  möchte,  welche
zu  astronomischen  Gebrauch  ohne  Hinderung  von  manniglich  desto  besser  und
eigentlicher  einzurichten  bequem  wäre.  Als  ich  nun  auf  der  Hehr-Reise  mit  solchen
Gedancken  umbgangen,  hat  sich”etwas  gezeiget,  so  nicht  wohl  besser  zu  haben,
und  vermittelst  dessen  durch  geringe  Kosten  ein  Werck  zu  erhalten,  welches  an
Ansehen,  Ruff  und  Nuzen  seines  Gleichen  dieses  Schlags  in  Europa,  ja  in  der
Welt  bishehr  nicht  gehabt  hätte.

Es  ist  nehmlich  bekand,  dafs  auff  dem  so  genannten  Marienberg  vor  der
uhralten  Margräf.  u.  Bischöflichen  Residenz-Stadt  und  Stammhaus  Brandenburg,
so  der  Marck  und  endtlich  der  Chur  den  Nahmen  geben,  eine  nunmehr  verlafsene,
doch  noch  in  guthem  Stand  sich  befindende  hohe  Kirche  liege,  welche  von
Weiten  gesehen  wird  und  über  Stadt  und  alles  umbliegendes  Land  weit  hinaus
siehet,  also  einen  so  freyen  Horizont  hat,  als  immer  gewünschet  werden  kan,
da  sonst  die  Kirchen  in  den  Städten  von  Häusern  umbgeben  und  zwar  oben  (wenn
sie  hoch  genug)  frey  seyn,  zur  Seiten  aber  den  Himmel  nicht  wohl  entdecken
können.

Ich  habe  aber  diese  Kirche  bey  der  Besichtigung  von  einer  hierzu  vortrefflich

bequeinen
[Hier  bricht  das  Manuscript  ab.]

37.

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  87).

Kalender-Patent  vom  ı0.Mai  1700.
[Gedruckt  bei  Myrıus,  Constit.  March.  VI,  2,  z.]

Wir  Friderich  der  Dritte,  u.  s.w.

Nachdem  aus  Landes  -  väterlicher  Vorsorge  Wir  allezeit  dahin  bedacht  gewesen,
wie  in  Unserm  Churfürstenthum  und  Landen  nicht  nur  die  Handlung  und  Gewerbe,
sondern  auch  nützliche  gute  Künste  und  Wissenschafften  zum  Besten  des  gemeinen
Wesens  und  deren  Einwohner  mehr  und  mehr  gepflantzet  und  in  Aufnahmen  gebracht
  werden  möchten,  Wir  auch  zu  solchem  Ende  sowohl  in  dem  einen  als  dem
andern  verschiedene  nützliche  Etablissements  zu  stifften  keine  Gelegenheit  vorbey
gelassen,  und  es  dann  auch  durch  des  Höchsten  Gnade  vor  weniger  Zeit  dahin  gediehen,
  dafs  durch  einen  unter  denen  Evangelischen  Reichs-  Ständen  gefasseten  einmüthigen
  Schlufs,  das  Calender-Wesen  auf  einen  verbesserten  Fufs  gerichtet  und
daneben  dahin  abgeziehlet  worden,  wie  künftig  die  Zeit-  Rechnung  nach  dem  Astro-