O8  46.  Leisxız,  Entwurf  eines  Bücher-Commissariats  für  die  Societät  (Juli  170).

Missiones  zu  entlegenen  und  noch  in  Finsternils  sitzenden  Völckern  mehr  und  mehr
gebracht,  auch  allda  durch  Gottes  Seegen  und  Gedeihen  eingeführet,  wepflanzet  und
ausgebreitet  werden  möge,  damit  der  christlichen  Liebe  und  Schuldigkeit  ein  Genügen
gethan,  mitbin  auch  der  ohnbegründete  Vorwurff,  als  ol»  die  Evangelischen  sich  der
Bekehrung  der  Heyden  nicht  genugsam  annähmen,  desto  befser  abgelehnet  werde.

Zu  welchem  Ende  dann  nöthig,  verständigen  und  wohlsgesinnten  Personen
die  Sorge  des  Wercks  aufzutragen,  taugliche  Subjecta,  zumahl  unter  der  Juzend,
zu  den  Missionibus  aulszusondern,  und  solche  Anstalt  zu  machen,  dafs  dieselbige
förderlichst  als  rechtschaffene  Rüstzeuge  mit  apostolischen  Tugenden  ausgezieret
und  bequem  werden  mögen,  vermittelst  eines  vernünftigen  Betragens,  unsträflichen
Wandels,  liebreichen  christlichen  Bezeigens,  auch  zureichender  Kundschafft  fremder
Sprachen.  sonderlich  aber  derjenigen  Künste  und  Wissenschafften,  mit  denen  man
sich  bey  Barbaren  selbst  werth  und  angenehm  machen  kan,  der  göttlichen  Wahrheit
  die  Bahne  zu  brechen  und  die  Gemüther  ihrem  Gott  zu  gewinnen.  Welches
Absehen  Wir  sonderlich  bev  Fundirung  Unser  Societaet  der  Scienzen  gehabt  und
in  der  ihr  gegebenen  Instruction  sie  mit  dieses  Wercks  Besorgung  beladen,  wie
man  dann  auch  dabey  auf  dienliche  Anstalt  zu  dencken  nicht  ermangelt.

Weilen  aber  hiezu  Kosten  erfordert  werden,  und  Unsere  ordinari  Einkünffte,
auch  gemeine  Unterthanen  bey  diesen  schwehren  Zeiten  mit  Besorgung  des  Landesschuzes
  und  anderer  unumbgänglicher  Nothwendirkeiten  nicht  wenig  beladen,  so
können  wir  nicht  umbhin.  finden  Uns  auch  schuldig  und  berechtigt  zu  dergleichen
gottgefälligem  Werck,  so  keiner  milden  Sach  an  Nuzen  und  Wichtigkeit  leicht
etwas  nachgiebet,  diejenigen  Mittel  und  Einkommnen,  so  sonst  zu  milden  Sachen
gestifftet  und  verwendet  werden  sollen,  wo  dieselbigen  Sachen  ein  solches  erleiden
und  entbehren  mögen,  in  etwas  zu  Hülff  zu  nehmen.

Und  verlangen  demnach  gnädigst  hiemit,  befehlende,  dafs  Unsere  Regierungen,
Consistoria,  Stifter,  Conventen,  Collegia,  Pralaten,  Superintendenten,  Inspectoren
und  Andere,  die  mit  Besorgung  milder  Sachen  einigermalsen  beschäfftiget,  mit
ihrem  guthen  Rath,  Bedencken,  Vorschlägen  und  Bericht,  sonderlich  in  den  Dingen,
so  ihnen  bekand,  bey  Uns  oder  Denen,  so  Unsretwegen  ihnen  vorgesezet,  hierauf
förderlichst  einkonmmen,  was  andere  ilınen  Nachgesezzete  Dienliches  anbracht,  an
Uns  berichten,  und  hierinn  ihrem  Amt,  Gewilsen,  Pilicht  und  Schuldigkeit,  sowohl
als  diesem  Unser  Befehl  ein  Genügen  thun.  Da  auch  sonst  Jemand  einige  guthe
Expedientien  dielsfals  zeigen  köndte,  werden  wir  Solches  wohl  aufnehmen  und  was
zu  Gottes  und  der  Kirchen  Dienst.  und  diesen  Vorhaben  Guthes  beygezogen  werden
wird.  in  Gnaden  vermercken.  Und  gleich  wie  Wir  dabey  ein  aufrichtiges  von
Eigennuz  entferntes  Abschen  führen,  also  wollen  Wir  Uns  zu  allen  Denen,  die  es
angzehet.  eines  Gleichmälsigen  versehen,  auf!  unverhofletes  wiedriges  Bezeigen  aber
Unser  Mifsfallen  spühren  zu  lassen  wilsen.  Gegeben  u.  s.  w.

46.

(Verzl.  Geschichte  der  Akademie  S.  gr).

L£eiıssız,  Entwurf  des  Auftrages  eines  Bücher-Commissariates  u.s.w
für  die  Societät  der  Wissenschaften  (Juli  1700).
[Concept  von  Leissizens  Hand  im  Akademischen  Archiv;  bereits  gedruckt  nach  einer  etwas
verschiedenen  Abschrift  in  Hannover  von  Krorr,  Die  Werke  von  Leissız.  10.  Bd.  S.  319  fi.]
P.  P.

Wie  selr  Wir  Uns  den  Flohr  und  das  Aufnehmen  nüzlicher  und  erbaulicher
Studien  angelegen  seyn  Jalsen,  damit  die  Jugend  wohl  erzogen,  die  reine  Wahrheit
in  der  Kirche  Gottes,  auch  bey  hohen  und  andern  Schuhlen  gebührend  gelehret,
die  Irrthümer  hingegen  wiederleget,  auch  sonst  allerhand  guthe  Wilsenschaften