55.  Leisxizens  Gutachten  über  Grau’s  Vorschläge  (August  1700).  121

scheinlich  mangelhaften  Kenntniss  des  Deutschen  und  seiner  Flüchtigkeit  sehr  wohl
verborgen  bleiben  konnten.

Die  französische  Fassung  des  Patents  für  Lrirsız  im  Akademischen
Archiv  lautet:

»...  Pour  ses  soins  et  pour  marque  de  la  consideration  particuliere
que  Nous  avons  pour  lui  aussi  bien  que  pour  sa  propre  satisfaction  nous
l’avons  non  seulement  declare  Conseiller  Prive  de  la  Justice  et  pour  cet
effet  fait  expedier  une  Patente;  mais  nous  voulons  aussi  lui  fixer  une
pension  convenable  et  suffisante  qui  sera  prise  des  fonds  de  la  societe
des  qu’ils  auront  ete  regles,  afin  qu’il  soit  par  la  pleinement  dedommage
de  toutes  les  depenses  qu'il  a  fait  ou  fera  encore  pour  Nötre  Bien  ou
pour  celui  de  la  Societe  et  du  Public.«

Die  hier  gegebenen  Ausführungen  sind  die  Antwort  auf  Krorr's  Verdächtigungen
Forsiev's.  Dieser  ist  etwas  leichtfertig  zu  Werk  gegangen,  aber  doch  nicht  so
leichtfertig.  wie  Hr.  Kropr.  der  den  Verdacht  wissentlicher  Fälschung  gegen  den
Seeretar  der  Akademie  erhoben  hat,  obgleich  eben  das  Werk,  dem  er  die  vermeintliche
  Grundlage  für  solch  einen  Verdacht  entnommen  hat,  die  sicherste  Widerlegxung
  enthält;  denn  die  von  Kropr  vermisste  Fassung  des  Patents  —  die  Forxuer
angeblich  unterschlagen  hat  —  findet  sich  in  Forser's  Werk,  freilich  nicht  unter
den  Actenstücken,  aber  im  Texte  seiner  geschichtlichen  Darstellung.

95.
(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  103).

Concept  von  LeEızxızens  Hand  vom  Anfang  August  des  Jalres  1700
überden  VorschlagvonGrar,  wissenschaftliche  Vorträge  in  deutscher
Sprache  einzurichten.

[Akademisches  Archiv.]

Nachdem  von  wegen  Churfürstl.  Durchl.  meine  wenige  Gedancken  begehret
worden  über  Hrn.  Christian  Gottfried  Grauen  !,  so  sich  schreibet  vormahligen
Predigern  und  bisherigen  Professoren  zu  Herborn,  Vorschläge,  wie  die  Wissenschafften
  in  teutscher  Sprach  zu  lehren,  und  mir  zu  deın  Ende  sein  über  diese
Materi  herausgegebenes  Buch  von  ihm  selbst  zugestellete  worden,  mich  aber  bedüncket,
  dafs  sein  ietziges  Absehn  in  einer  kurzen  Schrifft  verfalset  zu  haben
nöthig,  hat  er  dieselbige  entworffen  und  mir  ebenmäfsig  eingehändiget.  Aus  dem
Buch  nun,  so  wohl  als  aus  der  Schrifft,  ersehe,  dals  seine  Meynung  sey,  es  solle
eine  von  ihm  mit  folgenden  Worthen  beschriebene  hochteutsch  -  gegründete

!  Der  Mann  heisst  Cnrıstiax  GortLies;  sein  Buch  ist  betitelt:  «Die  unmafsgeblichneu-angegebene
  hoch  -teutsche  Grund-  und  hoche  Landes-Unterrichtung,  darinnen  durch
eine  neue  Lehr-Art  dargethan  wird,  wie  nicht  allein  die  allgemeine  angehende  Landes-Jugend
  von  dem  gten  Jahr  an  bifs  zu  Ausgang  des  ız2ten  in  allerley  vernünftigen  Gründen
der  Künste  und  Wissenschafften,  auch  wahrer  christlicher  Furcht  Gottes,  sondern  auch  die
ferner  aufwachsende  bifs  zu  Ausgang  des  2oten  Jahrs,  neben  dem  Lauff  anderer  lateinischen
Classen  und  hochen  Schulen  zu  der  4  Haupt-Sprachen  und  hohen  Haupt-  Wissenschafften
reicher  und  genugsamer  Erkänntnifs,  in  der  regierenden  Fürsten  -Sprache  so  auszuführen  seyn,
dafs  dem  gantzen  Lande  ungewöhnlich  viele  und  grosse  Seelen-  und  Leibes-Nutzen  mit  wenigern
Lern-  und  Lebens-Kosten  glücklich  und  gesegnet  können  zugewendet  werden,  zu  hoher  Erwegung
  und  gnädigster  Beförderung  an  das  teutsche  Licht  gelegt  von  Curiıstian  GOTTLIEB
Grat,  der  Welt-Weisheit  Protessore  und  des  göttl.  \Vortes  Predigern,  Herborn  1695..
Vergl.  den  Brief  von  Leıissız  an  D.  E.  Jautoxskı  vom  30.  August  1700  und  das  Schreiben
von  diesem  an  jenen  vom  15.  Januar  1701  (Karrens  Sammlung  S.  206.  237).