06.  Leissizens  Brief  au  den  Hofprediger  Japroxskı  (30.  August  1700).  123

56.

(Verel.  Geschichte  der  Akademie  S.  103).

Leirsizens  Brief  an  den  Hofprediger  JanLoxskı  vom  30.  August  1700.
[Karrens  Sammlung  S.  206  ff.)

Hochwürdiger  etc.
insonders  hochgeehrter  Herr,

Nachdem  ich  allhier  Gott  Lob  angelanget,  habe  ich  forderlichst  zurücksehreiben
und  mich  wegen  aller  genossenen  vielfältigen  Gütigkeit  gegen  meinen  hochgeehrten
Herrn  Hofprediger  bedancken  sollen.  Das  Päcklein  an  Herrn  D.  Fabrieium  ist
richtig  geliefert  worden,  und  wird  er  selbst  schon  antworten.  Herrn  Hertzog
Anton  Ulrichs  Durchl.  applaudiren  sehr  dem  Vornehmen  wegen  Auszierung  der
teutschen  Sprache.  Wenn  Leute  gefunden  werden  könnten,  die  nach  Herr
Grauens  Vorschlag  in  Teutsch  dociren  wollen,  würde  es  gut  und  solch  Vorhaben
zu  befördern  seyn.  Ich  habe  meinen  kleinen  Aufsatz  von  der  teutschen  Sprache
wieder  zurückzufordern  vergessen,  werde  ilm  nach  meines  hochgeehrten  Herrn
lofpredigers  guter  Gelegenheit  wieder  zurückbekommen  und  bin  willens,  ihn
nunmehr,  doch  vielleicht  mit  einer  kleinen  Anderung,  in  Druck  zu  geben,  damit
auch  Andere  aufgemuntert  werden.  Von  einigen  der  Societät  Sachen  habe  ich
ausführlich  an  Herrn  Hofrath  Cunoen  geschrieben  und  ein  Schreiben  an  Herrn
Reynestenmeister  von  Wedel  sub  sigillo  volante  bevgeschlossen,  worauf  mich,
die  Wiederholung  zu  vermeiden,  beziehe.  Ich  weils  nicht,  ob  ich  erwelnt  habe,
dals  der  junge  Herr  Spener,  so  kürtzlich  von  der  Reise  wiederkommen  und  bey
mir  gewesen,  mir  sehr  wohl  angestanden  und  viel  schöne  Curiositäten  gesammelt;
stelle  anheim,  ob  man  (doch  dissimulando,  dafs  es  von  mir  an  Hand  gegeben)  es
unvermerekt  dahin  richten  möchte,  dafs  er  der  Societät  davon  Bericht  erstatte
und  ein  oder  anders  nach  Gelegenheit  ecommunieire;  unter  andern  eine  neue  Uromantiam
  eines  berühmten  Chymici  in  Ilolland,  le  Mort  genannt,  so  er  im  Ms.  hat,
und  dergleichen.  Durch  solch  Exempel  würden  Andere  mehr  angefrischet  werden.
Er  hoffet  sonst,  bald  nach  Giessen  zu  schen  und  allda  Professor  zu  werden.

Herr  D.  Fabricius  und  Herr  Abt  Schinid  werden  bevde  in  unsere  Societät
treten.  Sie  sind  curiös  gewesen  zu  wissen.  ob  in  Irenicis  einige  Passus  geschehen,
ich  habe  ihnen  zum  Progressu  Hoflinung  gemacht.  Herr  Fabricins  wird  die  Herren
Prälaten  zu  Huysburg  und  Honnersleben,  und  Herr  D.  Schmid  den  Herrn
Abt  zu  Berisen  zu  unserer  Societät  zu  ziehen  suchen.  Wenn  der  Societät  Siegel
fertig  und  der  Herr  Secretarius  bey  der  Hand.  wird  man  Literas  receptionis  an
den  Herrin  D.  Fabricium,  Ilerrn  D.  Schmid.  Abt  zu  Marienthal.  Herrn  Probst
Müller  in  Magdeburg,  llerrn  Professor  von  Hard,  Probst  zu  Marienberg,
auch  an  Herrn  Vignole,  frantzösischen  Prediger  inBrandenburg,  abgehen  lassen
können.  Denn  diese  Alle  habe  ich  anseworben.  Sollte  Herr  D.  Calixtus  abgehen,
wird  Herr  Fabricius  vermuthlich  Abt  zu  KönigsInther  werden.  Man  müste  sich
einer  gewissen  Formul  pro  literis  rece  tionis..  so  hernach  mutatis  mutandis  bevzubelialten,
  ve  ergleichen.  A  propos  von  dem  llerrn  D.  Calixto,  so  lässet  derselbe
sein  irenisch  vel  quasi  Buch  drucken.  Herr  Bentheim  soll  ihm  auch  antworten
wollen.  Sie  möchten  mit  einander  die  Mühe  wohl  sparen.  Es  ist  ein  Gerücht
kurtz  vor  meiner  Abreise  erschollen,  ob  dürfte  der  Hr.  Churprintz  forderlichst  zum
Könige  von  Engelland  nach  Loh  gehen.  Weil  nun  der  Herr  Graf  von  Dona
zweifelsohne  mitgehen  würde,  könnte  vermuthlich  in  Irenieis  etwas  Gutes  zugleich
incaminiret  werden.  Ich  möchte  wünschen.  dafs  ein  Theologus  von  zulänglichen
Meritis,  und  dem  man  etwas  vertrauen  könnte.  mit  ilın  ginge,  So  könnte  etwa
ein  tüchtiger  Grund  geleget  werden.  Ich  nehme  die  Freyheit  an  den  Herrn  Grafen