63.  C.  Nevsans  an  Leissız.  64.  Das  Observatorium  (7.  Februar  1701).  137

63.

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  120f.).

Auszug  aus  einem  Schreiben  des  Inspectors  und  Predigers  Casrar
Nevsann  in  Breslau  vom  Jahre  1689,  wahrscheinlich  an  Leısnız.
[Das  Schreiben  wurde  unter  Leiexizens  Papieren  von  Karr  aufgefunden  und  ist  in  seiner
-Sammlung-  S.  2f.  von  ihm  veröflentlicht  worden;  es  wird  hier  abgedruckt,  erstens  weil
J.einsız  durch  diesen  Brief  Nrumann  schätzen  gelernt  und  ihn  der  Societät  als  Mitglied  vorgeschlagen
  hat,  zweitens  weil  der  Brief  für  die  Entstehungsgeschichte  der  Bevölkerungsstatistik
  von  hohem  Werthe  ist.]

Als  neline  ich  mir  endlich  die  Freyheit,  einige  Abschrift  von  den  bisher  gemachten
  Reflexionibus  über  Leben  und  Tod  bey  denen  in  Brefslau  Gebolhrenen  und
Gestorbenen  zu  überreichen,  wiewohl  das  gegenwärtige  zu  Ende  laufende  89®te  Jahr
noch  nicht  hat  können  beygefüget  werden.  Noch  zur  Zeit  kann  man  freylich  nicht
sehen,  was  eigentlich  der  Nutzen  davon  seyn  werde.  Sollte  aber  Gott  das  Leben
so  lange  fristen,  dals  man  die  Rechnungen  etzlicher  Jahre  zusammen  bringen  könnte,
oder  auch  jemand  in  einer  andern  Stadt  dergleichen  Observationes  machen,  und
communieiren  wollte,  so  würden  alsdann  schöne  Anmerkungen  göttlicher  Providenz
über  unser  Leben  und  Tod,  Erhaltung  und  Vermehrung  der  Welt  und  dergleichen
mehr  können  gemacht,  auch  vielerley  Aberglaube  desto  besser  aus  der  Erfahrung
widerleget  werden.  Ich  beklage  sehr  oft,  dafs  itzund  fast  die  ganze  gelehrte  Welt
in  regno  Naturae  sich  auf  Experimenta  leget  und  Observationes  schreibet,  aber
kein  Mensch  dergleichen  in  regno  gratiae  oder  in  der  Theologie  zu  thun  gedenket,
da  wir  doch  auch  in  dieser  Regierung  unseres  Gottes,  wenn  man  nur  wollte  Achtung
geben  auf  das  Werk  seiner  Hände,  alle  Augenblicke  würde  Gelegenheit  finden,
mit  Petro  zu  sprechen:  »Nun  erfahre  ich  in  der  Wahrheit«,  und  also  unser  ganzes
Christenthuin  mit  lauter  Experiinentis  würden  darthun  können.  Es  ist  dieses  eine
Arbeit,  in  welcher  ich  schon  oft  einen  Anfang  zu  machen  mir  vorgenommen  habe,
aber  auch  allemal  gewünschet,  dafs  etliche  solche  Freunde  seyn  möchten,  unter
welchen  ein  jedweder  ein  gewisses  Antheil  dieser  Arbeit  besonders  vor  sich  nehmen
möchte.

64.

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  122).

Aus  der  Königlichen  Ordre,  betreffend  den  Mittel-  und  Eckpavillon
des  Stallgebäudes,  vom  7.  Februar  1701.
[Concept  im  Geh.  Staatsarchiv;  Original  im  Akademischen  Archiv  »Baulichkeiten«  ;  in  dem
Concept  ist  »7.  Febr.  1701«  Correetur  des  ursprünglichen  Datums  »9.  Dec.  1700.  und  ebenso
ist  -S.  Churf.  Durchl.  z.  Brandenburg-  in  »S.  K.  Maj.  in  Preufsen-  corrigirt.]

»Seine  K.  Maj.  in  Preufsen  ...  erinnern  sich  gnädigst,  dals  Sie  der  von  Deroselben
  ohnlängst  fundirten  Societät  der  Wissenschafften  nicht  allein  den  mittelsten
Pavillon  der  hintern  Seiten  des  neven  Stalles  auf  der  Dorotheenstatt  zum  Observatorio
  und  andern  Gebrauch  gnädigst  versprochen,  sondern  auch  einen  dabey  stehenden
Eck-Pavillon  zur  Wohnung  des  Astronomi  destinirt  und  theils  in  der  Fundation
theils  in  desselben  Bestallung  dergestalt  verschrieben  haben,  dals  so  lange  dieser
Pavillon  nicht  eingeräumet  werden  könnte,  ihm  anderwärts  freyes  Logement  verschaffet
  werden  soll.  Nu  lassen  es  allerhöchstgedachte  S.  K.  M.  bey  der  deshalb
einmahl  genommenen  Resolution  in  (Grnaden  bewenden,  dafs  nämlich  der  mittelste
Pavillon  dem  gemachten  Anfang  nach  zum  Observatorio  forderlichst  aufgeführet  werden