140  655.  Königliche  Ordre,  betreffend  medicinische  Observationen.

auch  umb  gemeinen  Nutzens  willen  dergleichen  bemercken,  und  sonderlich  dem
Publico,  ihrer  Schuldigkeit  und  Gewilsen  nach,  mit  demjenigen  an  Hand  gehen,
so  zu  der  Menschen  Heil  und  Erhaltung  gereichen  kan,  wie  dann  durch  solche
auffrichtige  Communicationen  gleichsam  ein  aerarium  commune  scientiae  naturalis
auffgerichtet  und  wänniglich  dadurch  geliolffen  würde.

Schliefslichen  und  6.,  wäre  dienlich,  dals  velut  pro  basi  sequentinm  observationum
  hin  und  wieder  in  den  Landen  und  Städten  situs  loci,  natura  soli  et
ayuarum,  item  genus  vitae  et  qualitates  habitatorum  nach  dem  Exempel  defsen,  so
an  ein  und  andern  Orth  von  gelehrten  Medicis  bereits  geschehn,  bekand  gemacht
würde,  als  zum  Exempel,  ob  der  Orth  hoch  oder  niedrig  gelegen,  was  für  plagis
er  entgegen  gesezet,  was  vor  Flüfse,  Seen  und  Walser  er  habe;  ob  das  Walser
sumpfigt,  schwehr,  oder  leicht,  aus  Felsen,  Triebsand  oder  Morästen  tliefse;  ob  es
salzig,  oder  vitriolisch  sey,  auch  was  es  sonst  an  salibus,  sedimentis  terrestribus,
oder  ramentis  metallicis  mit  sich  führe;  ob  das  Erdreich  fett,  salpetrich,  felsicht,
sandisch,  leimich  etc.  sey;  was  für  Efsen  und  Trincken  des  Orths  gebräuchlich,
wie  der  Wein  und  das  Bier  beschaffen,  wie  das  leztere  gebrauet  werde,  und  ob
es  diuretisch;  wie  sich  die  Leute  ernehren,  und  was  für  Gewerbe  sie  am  meisten
treiben;  lezlichen  wie  ihre  Gesundheit  gemeiniglich  bewand,  und  sonderlich  ob  und
was  für  morbi  et  indispositiones  locales,  vel  certe  in  loco  frequentiores,  sowohl
bey  Kindern  als  erwachsenen  Leuten  sich  spühren  lafsen.

655.

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  128).

Entwurf  einer  Königlichen  Ordre  zur  vorstehenden  Denkschrift.
[Krorr,  Die  Werke  von  Lrissız.  10.  Bd.  S.  350  ff.)

Friedrich  etc.  Nachdem  Wir  Uns  zeit  Unser  Regirung  angelegen  seyn  lalsen.
wie  die  von  Gott  Uns  anvertraute  Unterthanen  nicht  nur  gegen  Ungerechtigkeit
und  Gewalt  geschüzet,  sondern  auch  in  dero  Nahrung  gebelsert  und  gegen  Unglücksfälle,
  soviel  thunlich  gesichert  werden  möchten,  So  sind  Wir  unter  andern  auch
jederzeit  dahin  bedacht  gewesen,  wie  vor  deroselben  Gesundheit,  als  welche  nächst
Gottesfurcht  und  Tugend  das  höchste  menschliche  Guth  ist,  gesorget  und  selbige
durch  guthe  Anstalten  mit  Gottes  Hülffe  erhalten  werden  möchte;  wie  Wir  dann
solches  mittelst  der  gegen  die  in  der  Nachbarschafft  grassirende  Contagien  angewendten
  Sorgfalt,  so  auch  durch  Gottes  Seegen  noch  zur  Zeit  nicht  ohne  Würckung
gewesen,  unter  andern  bezeiget  haben.  Sind  auch  sonderlich  geneigt,  die  Untersuchung
  der  Natur,  daran  die  Erkentnils  der  Krankheiten  und  Genefsmittel  hänget,
ferner  nach  Mügliskeit  befördern  zu  lafsen,

Wann  Uns  dann  von  wegen  Unser  Societät  der  Wifsenschafften  allerunterthäniest
  vorbracht  worden,  dafs  zwar  die  Menschen  bisher  die  historiam  civilemn
zienlich,  die  naturalem  aber  wenig  in  Obacht  genommen,  daher  solche  Annales
physiei  annoch  fehleten,  darin,  von  Jahren  zu  Jahren,  die  natürliche  Beschafienheiten
  des  Jahres  aufgezeichnet,  die  Witterung  der  Jahreszeiten,  auch  sonderbare
Veränderungen  und  Unterscheide,  die  bey  Pflanzen,  Thieren  und  Menschen  sich
herfürthun,  bemercket,  sonderlich  der  Zustand  der  menschlichen  Cörper,  die  vor
andern  regirende  Krankheiten  samt  deren  Laufl,  wie  nicht  weniger  auch  die  daran
hengende  intensio  et  remissio  ander  Beschwehrungen  und  Zufälle,  darinn  etwas
Vielen  Gemeines  erscheinet,  mithin  die  beständige  oder  veränderliche  Würckung
der  Genels-mittel,  und  was  sonst  bey  Beobachtung  der  Natur,  vornehmlich  aber
bey  den  menschlichen  Leibern  Merckwürdiges  vorkomınt,  fleifsig  und  umbständig
beschrieben  würde.  dadurch  mit  der  Zeit  ein  Schaz  von  Observationen  zusammen-