66a.  Leissez,  Propagatio  fidei  per  seientias  (November  1701).  143

Solche  Subjecta  zu  wege  zu  bringen,  wären  Docentes  nöthig,  so  in  diesen
Dingen  excelliren,  theils  auch,  was  die  Sprachen  betrifft,  selbst  wo  es  möglich  in
den  entfernten  Landen  gewesen  oder  gar  daraus  bürtig.  In  Mathesi  aber  und
Natura  müsten  die  Docentes  so  vortreflich  seyn,  dafs  man  durch  unsere  Leute  es
den  Jesuitern  und  andern  römischen  Missionariis  bevorthun  könne.  Woran  nicht
zu  zweifeln,  dieweilen  diese  durch  ihre  sclavische  Inquisition  nicht  nur  das  verum
systena  mundi  (nehmlich  das  in  Preufsen  entstandene  Copernicanım)  zu  verhehlen,
  sondern  auch  der  wahren  Philosophi  sowohl  als  der  reinen  Lehre  sich  zu
wiedersezen  gezwungen  werden,  und  unsere  evangelische  Wahrheit  nicht  weniger
der  recht  erleuchteten  Vernunfft,  als  unsere  Wilsenschafft  den  observationibus  et
experimentis  sich  gemäls  befindet,  überdiefs  die  Lehre  der  Päbstler  an  vielen
Orthen  der  hohen  Landesobrigkeit  verdächtig,  und  sie  deswegen  aus  Japan  vertrieben
  worden,  auch  anjezo  bekandter  Malsen  selbst  wegen  der  chinesischen
Missionen  unter  einander  zerfallen,  welches  uns  wohl  zu  statten  komunet.

Ferner  müsten  die  Missionarii  mit  einigeın  apparatu  ohngemeiner  inventorum,
  instrumentorum,  compositionum,  et  arcanorum  vel  rariorum  naturae  et
artis  versehn  werden,  uwmnb  sich  gehöhrigen  Orths  beliebt  zu  machen.  Und  würden
dergestalt  qualifieirte  Missionarii  mit  diesen  Subsidiis,  unter  Königlicher  Protection,
nach  der  von  der  Societät  habenden  Iustruction  durch  Gottes  Hülff  grolsen  Nuzen
schaffen  können,

Wobey  sonderlich  zu  bedencken,  dafs  hbierinn  etliche  wenige  an  Tugend  und
Wilsenschafft  vortrefliche  Leute  mehr  aufsrichten  können,  als  ganze  Trouppen
anderer  von  geimeiner  Sorte,  wie  die  Erfahrung  bezeiget,  indem  zum  Exempel  die
Jesuiter  insonderheit  alle  ihre  Prorressus  in  China  dem  Riccio,  dem  Adam  Schall
und  dem  Verbiest  zu  dancken  haben.

Des  Königs  der  Preulsen  Recommendation  auch  würde  überaus  grofsen  Nachdruck
  haben,  sobald  nur  diels  bey  denen  orientalischen  Königen  erschallen  würde,
dais  die  Leute  von  demselben  König  recommendiret  wären,  der  aufs  seinen  Ü'ronlanden
  allein  der  Welt  den  bev  ilınen  so  hochgeschäzten  Bernstein  mittheilet.

Nun  würden  zwar  die  Missiones  nach  Türckev,  Persien  und  Indien  nicht
aulser  Augen  zu  sezen,  sondern  unter  der  Jland  Vorbereitungen  auch  dazu  zu
machen  seyn;  alleine  vor  der  Hand  und  das  Nächste,  auch  Thunlichste  scheinen
die  Missiones  durch  die  Moscau  nacher  China.  Denn  in  Moscau  haben  Königl.
Majestät  und  die  Ihrige  vom  Tzar  alle  Gewogenheit  zu  erwarten.  In  China  ist
ein  vortreflicher  die  Europäer  und  die  Scieuzen  liebender  Monarch  und  weise  Leute.
Mau  braucht  auch.  bifs  dahin  zu  kommen,  keine  andere  als  die  slavonische  Sprach,
und  dann  an  der  Stelle  die  Mantchou-Tatarische  zu  Anfangs,  als  welche  in  China
dominiret  und  ungleich  leichter  ist  als  die  chinesische  selbst.  So  thun  auch  Ihre
Majestät  hierinn  ganz  etwas  Neues,  so  Niemand  so  wohl  thun  kan  als  Sie,  dieweil
  Sie,  durch  Moscau  zu  Lande  dahin  handeln  zu  lalsen,  vom  Tzar  die  Erlaubnifs
haben,  und  bekand,  dals  zwar  wohl  in  Türckev,  Persien  und  Indien,  niemahls
aber  in  China,  zumahl  von  der  Landseite,  evangelische  Missionarii  kommen.  So
ist  auch  in  C'hina  ein  Grolses  zu  erlernen.  und  gleichsam  ein  Tausch  von  Wilsenschafften
  zu  treffen,  mehr  als  bey  andern  Völckern,  und  überdiefs  würde  ein  überaufs
vortheilhafftes  Commereium  von  dannen  anhero  angestellet  werden  können,  wozu
der  alda  so  beliebte  Berustein  selbst  ein  Grofses  thun  imüste.

Es  zeigen  sich  auch  dazu  diese  besondere  Leichtigkeiten,  dafs  jezo  Leute
vorhanden,  so  an  einem  Dietionario  slavonico  literali  arbeiten,  welches  den  Missionariis
  Evangelieis  in  Muscovien  hoch  nöthig;  und  dafs  (laut  eines  aus  China
an  den  Praesidem  dieser  Königlichen  Societät  eingelauffenen  Schreibens)  der  Monarch
  daselbst  ein  Mantschou-Tartarisches  schr  ausführliches  Dietionarium  verfertigen
  lälset.