665.  Leisniz,  Propagatio  fidei  per  scientias  (November  1701).  145

de  iisdem  sacris  participiren  köndten.  Und  zu  dem  Ende  die  Negotiation  auff  den
bekandten  Fufs,  doch  in  arcano,  fortzustellen,  bifs  wenigst  in  hunc  casum  etwas  Zulängliches
  geschlofsen.

Weil  aber  zu  einem  so  grolsen  Werck  keine  geringe  Kosten  erfordert  werden,
so  sind  unterschiedene  Vorschläge  ins  Mittel  kommen,  einen  gewifsen  Fundum  dazu
aufzufinden.  Sonderlich  wäre  thunlich,  dafs  von  den  successionibus  der  lachenden
Erben  etwas  ad  causam  tam  piam  gehoben.  auch  lege  publica  eingeführet  würde,
dafs  bey  jedem  Vermächtnils  ein  legatum  ad  pias  causas  sub  certo  modo  et  sub
certa  peena  nicht  vergefsen  werden  dürfte.  Von  welchen  beyden  Capitibus  ein
Theil  zu  dem  Aerarium  fliefsen,  und  das  andere  ad  negotium  propagandae  fidei  et
missiones  zu  wiedmen.  Man  köndte  auch  etwas  finden,  entweder  bey  den  Ecclesiis,
zumahl  denen  so  verinöglich,  wie  in  Preufsen  zu  einem  andern  Zweck  geschicht,
oder  ex  gratiis,  zumahl  Ecclesiasticis,  darunter  die  Praebenden,  so  offt  ein  Praebendarius
  zur  Possession  gelanget,  als  welche  zumahl  vor  Alters  ad  res  pias  destiniret
  gewesen,  oder  auch  wohl  dabeneben  durch  eine  freywillige  Samlung,  zumahl
bey  denen  Tauffen,  welcher  Actus  ohnedem  gewiedmet,  das  Reich  Christi  zu  vermehren,
  ander  Wege,  so  einem  mächtigen  König  nicht  fehlen  können,  zu  geschweigen,
weil  keine  geringe  Kosten  nöthig  und  ein  oder  ander  Weg  allein  nicht  zureichen
dürffte.

Was  nun  in  dergleichen  ordinariis  vel  extraordinariis  zu  den  Missionibus  destiniret,
  würde  die  Königliche  Societät  absonderlich  zu  berechnen  und  einzig  und
allein  zu  diesem  Scopo  anzuwenden  nicht  ermangeln,  und  sich  dieses  Wercks  als
ihrer  Haupt-Sach  anzunehmen  haben,  weilen  die  Arcana  naturae  et  artis  nicht
beiser  als  dergestalt  zur  Ehre  Gottes  und  der  Menschen  Heil  angewendet  werden
köndten.  Der  unsterblichen  Glori  des  Fundatoris  und  des  Anwachses  der  dem  menschlichen
  Leben  dienlichen  Wilsenschafften,  so  mit  darauls  fliefset,  zu  geschweigen.

Und  stünde  demnach  schliefslichen  Königlicher  Majestät  anheim,  in  Gnaden
zu  resolviren,  wie  zu  dem  nöthigen  Fundo  Anstalt  auszufinden  und  die  Mensurae
Irenicae  hierbey  zu  nehmen,  auch  wie  etwa  dero  nacher  Moscau  destinirte  Resident
und  andere  dielsfals  förderlichst  zu  instruiren.

665.

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  127  f.).

Leissiz,  Zweite  kürzere  Ausführung  der  vorstehenden  Denkschrift.
[Kıorr,  Die  Werke  von  Leiesız.  10.  Bd.  S.  361  ff.)

In  der  General-Instruction  welche  S.  Königliche  Majestät  der  neu  fundirten
Societät  der  Scienzen  vorm  Jahr  ertheilet,  sind  bald  nach  deın  Eingang  diese  Worth
enthalten:  Und  weil  Wir  Uns  der  gemeinen  Angelegenheit  der  evangelischen
  Kirchen  allezeit  höchlich  angenommen,  so  haben  Wir  auch
Unser  Absehen  dahin  gerichtet,  wie  mittelst  der  Scienzen  bey  ungläubigen
  oder  sonst  in  Irrthum  steckenden  Völckern  die  Bahne  bereitet
  werde,  damit  an  deren  Bekehrung  zur  reinen  christlichen  Lehre,
unter  Gottes  Seegen  fruchtbarlich  gearbeitet,  und  denen  Evangelischen
  keine  Nachläfsigkeit  darinn  aufgebürdet  werden  könne.

Als  nun  hin  und  wieder  erschollen.  dals  Propagatio  Fidei  per  Scientias  eines
der  Haupt-Absehen  bey  Fundirung  dieser  neuen  Königl.  Societät  gewesen,  haben
viele  theils  fürnehime,  gelehrte,  und  wohlgesinnte  Personen  in  und  aufser  Landes
eine  sonderbare  Freude  darüber  bezeiget,  Königl.  Mt.  so  christliche  und  zugleich
rolsmüthige  Gedancken  hoch  gerühmet,  sich  wegen  des  Fortgangs  erkundiget,

Geschichte  der  Akadeınie.  II.  10