146  665.  Leisniz,  Propagatio  fidei  per  scientias  (November  1701).

selbst  dienliche  Vorschläge  gethan,  auch  Hofnung  zu  nachdrücklicher  Mithülfle  und
Beystand  gezeiget.

Alfs  auch  dieser  Köuigl.  Societät  bestalte  Praeses  bereits  vor  einigen  Jahren
seine  Gedancken  auff  diesen  Zwek  der  ehristlichgelehrten  Missionen,  sonderlich  nach
dem  grofsen  Reich  Tschina,  gerichtet,  auch  zu  dem  Ende  mit  denen  dahin  gehenden
  italienischen  und  französischen  Missionariis,  damit  er  befsere  Nachricht  erlangen
möchte,  Briefe  gewechselt,  mithin  aufs  solchen  Correspondenzen  die  Novissima
Sinica  herausgeben,  in  deren  Vorrede  er  sonderlich  denen  Evangelischen  diels
grolse  Werck  eifrigst  recommendiret;  so  sind  delsen  Gedancken  absonderlich  in
England  von  dem  Primate  Regni,  fürnehmen  Episcopis,  und  andern  Theologis  sehr
eebillixet  worden;  es  ist  auch  endtlich  erfolget,  dafs  dieses  Jahr  eine  neue  englische
Königl.  Societas  propagandae  fidei  durch  ein  Königliches  Patent  aufgerichtet  worden,
welches  von  einem  Capellano  Regni,  so  deren  Glied,  gedachtem  Praesidi  in  einam
Schreiben  mit  Beziehung  auff  gedachte  Novissima  Sinica  zuwesendet  worden.

Weil  nun  die  Sach  dergestalt  gottlob  im  Fermeuto  und  wleichwohl  die  Anrerung
  und  das  Exempel  von  uns  nacher  England  kommen,  und  sichs  sehr  wohl
füxet,  dafs  bev  der  nenen  Königl.  Societät  zu  Berlin  nieht  nur  die  Objeeta  der
beyden  Königl.  französischen  Academien  (nehmlich  der  Wilsenschaft  und  der  Sprach).
sondern  auch  der  beiden  Köniel.  engl.  Societäten  (nehmlich  der  Seienzen  und  der
Glaubensbeförderung)  zusammen  gefalset  werden,  und  in  der  That  nichts  Christlöblicheres,
  nichts  Gott  und  Menschen  Angenehmeres  geschehen  kan;  und  sonderlich
das  (Juaerite  primum  regnum  dei  et  caetera  adjieientur  vobis,  uns  billig  für  Augen
schwebet,.  so  hat  man  an  Seiten  der  Societät  bey  diesen  Umbständen  dafür  gehalten.
  dafs  bev  Königlicher  Mayt.,  als  deren  christfürstliche  hohe,  ja  heroische
Neigungen  bekand,  die  delsfals  thuende  Anregung  und  olınmalsgebliche  Vorschläge
zu  allergnädigstem  Wohlgefallen  gereichen  würden.

Zu  welchem  komt,  was  bereits  mehrialilen  hiebey  überleget  worden,  dafs
die  Gelegenheit  der  Lande.  so  wohl  als  die  Macht  des  Königes  und  Sr.  Mt.  guthes
Vernehmen  mit  dem  moscovitischen  Tzar,  und  auch  wohl  selbst  dem  König  in
Persien,  sonderlich  aber  der  in  dero  Cronlande  fast  einzig  und  allein  fallende,  in
ganz  Orient  bevorab  aber  in  Tschina  so  hoch  geschätzte  Bernstein,  und  andere
Ursachen  hierzu  vortrefliche  Beqnemlichkeit  dargeben,  und  nicht  zu  zweifeln,  dals
wenn  dermahleins  Leute  mit  Recommendation  des  der  Welt  den  Bernstein  allein
mittleilenden  Königs,  in  Tschina  erscheinen  würden,  diefs  selbst  bey  dem  dasigen
gegen  die  Europäer  so  geneigten,  und  so  wilsensbegierigen  Monarchen  von  grofsem
Gewicht  sevn  würde.  Und  indem  aus  England  von  Seiten  der  See  vermittelst  der
nun  sich  vereinigenden  bevden  ostindischen  Compasnien  der  Eingang  gesuchet
würde,  so  köndten  die  brandenbe.  Missionarii  dureh  die  Moscau  zur  Landseite
nach  Persien.  Indien  und  Tschina  kommen  und  einer  dem  andern  die  Hände  bieten.

Ob  nun  schon  diese  Missiones  auch  Türkev,  Persien  und  Indien  nicht  ganz
aulser  Augen  zu  sezen,  so  wäre  doch  hauptsächlich  bey  der  Societät  das  Absehen
durch  Moscau,  wie  gedacht,  nacher  Tschina  zu  richten,  weil  daselbst  viel  zu
erlangen,  auch  alda  ein  fürtrefflicher  Monarch  und  weise  Leute,  die  Scienzen  und
Furopäer  hochgeachtet,  und  die  Erndte  des  IHerrn  reiff;  man  auch  nur  zwever
Sprachen  Anfangs  nöthig  hat:  nehmlich  der  slavonischen  unterwegens  (welche  so
vielen  Königl.  Unterthanen  bekand)  und  der  Mantschou-Tartaren  an  der  Stelle:
und  vor  die  literal-slavonische  oder  bey  den  gelehrten  Rufsen  gebräuchliche  Sprache
Dietionaria  in  Arbeit;  und  der  tschinesische  Monarch  selbst  seine  tartarische  auf
dergleichen  Art,  laut  aus  Tschina  an  den  Praesidem  eingelauffenen  Schreibens,
bestens  falsen  lälset.  Und  ist  bekand.  dals  wenige,  aber  an  Gelehrsamkeit,  Verstand
und  Tugend  vortrefliche  Personen  in  Tschina  mehr  ausrichten  können,  als  anderswo
ganze  Regimenter  der  Missionarien.  Wie  man  dann  sagen  kan,  dals  die  Jesuiter