665.  Leissiz,  Propagatio  fidei  per  scientias  (November  1701).  147

alle  ihre  Progressus  in  Tschina  dreven  trefllichen  Matliematicis  und  sonst  lobwürdigen
  Personen,  dem  Riccio,  dem  Adam  Schall,  und  dem  Verbiest  zu  dancken
haben,  welche  die  Monarchen  selbst,  an  denen  alles  hanget,  gewonnen.

Nun  ist  kein  Zweifel  dals  es  die  Evangelischen  den  päbstischen  Missionariis
zuvor  thun  können,  dieweil  unsere  reine  von  dem  Aberglauben  entfernte  Religion
der  natürlichen  Theologie  und  wahren  Ideae  von  Gott  ungleich  mehr  gemäls,  also
beynemer  verständige  Gemüther  zu  vergnügen,  und  was  die  Seientien  belanget,
ist  bekand,  dals  die  päbstischen  Missionarii  gefährlicher  Maximen  in  Verdacht
gehalten  werden,  und  auch  deswegen  aus  Japan  vertrieben  worden.  Es  hat  auch
der  tschinesische  Monarch  bereits  den  Moseovitern  nicht  weniger  als  drei  Päbstlern
die  Übung  ihres  Glaubens  verstattet,  also  dals  er  den  Brandenburgern  und  Engländern
  aufser  Zweifel  ein  Gleichmäflsiges  verwilligen  würde,  wie  dann  auch  sonst
bekand,  dafs  er  denen  Jesuitern  einzig  allein  wegen  der  europäischen  Wilsenschaften
  günstige,  und  er  also  sich  der  Ankunft  Mehrerer  freuen  würde.  umb
welcher  Ursach  willen  er  auch  den  Moscovitern  so  wohl  begegnen  lalsen,  wie  auls
der  Jesuiter  eigenen  Relationen  zu  sehen.

Zu  diesem  Zweck  nun  der  Missionen,  et  ad  propagandam  per  scientias  fidem,
wäre  nöthig  Anstalt  zu  machen,  dals  an  Tugend  und  Verstand  bewehrte,  mit
ohngemeiner  Fähigkeit  begabte,  ınit  dem  Geist  Gottes  aulsgerüstete  junge  Leute
nächst  der  Gottesgelehrtheit,  in  der  Mathematie,  sonderlich  arte  observandi  astra,
und  Medico-Chirurgieis,  als  vor  welchen  Wilsenschaften  ganz  Orient  sich  neiget,
eründtlich  unterwiesen,  und  zu  etwas  Vortrefflichem  angeführet,  dabenebenst  auch
in  den  erforderten  Sprachen  in  etwas  geübet  würden.  Zu  welchen  wohl  ausgewelhlten
  Discentibus  auch  verschiedene  und  zwar  an  Tugend  und  Wilsenschaflt
vortreflliche  Docentes  verordnet  würden,  da  dann,  wo  möglich.  zu  behuf  der
Sprachen  einige  aufszusuchen,  so  auls  den  Landen  bürtig,  oder  wenigst  eine  zulängliche
  Zeit  alda  gewesen.  Überdiefs  würden  ungemeine  Inventa,  Instrumenta,
Compositiones,  et  arcana  vel  rara  naturae  et  artis  anzuschaffen  sevn.  sich  gehörigen
Orths  beliebt  zu  machen,  und  würden  dergestalt  qualificirte  Missionarii  unter
Königl.  Protection.  versehen  mit  diesem  Apparatu,  und  Instinctionen  der  Societät,
in  die  entfernte  Lande  sich  erheben,  und  mit  Gottes  Ilülfl  groisen  Nuzen  schaffen
können.

Weil  auch  alda  mit  den  Reformirten  die  eigentlich  sogenannte  Evangelische
aulser  Zweifel  ohne  Unterscheid  zu  gebrauchen,  und  deswegen  aller  Collision  bey
Zeiten  vor  zu  kommen,  wird  auch  dazu  dienlich  seyn,  das  grolse  Werck  des
guthen  Vernehmens  beyder  Theile  wenigst  dahin  vor  der  Hand  zu  befördern,  dals
ein  Theil  bey  dem  andern  in  casu  necessitatis,  ohne  einige  erfordernde  Retractation,
die  heiligen  Sacramenta  empfangen  könne;  und  also  an  frembden  Orthen  keine
zertheilte  Gemeine  nöthig  sein  möge.  Und  ist  nicht  zu  zweifeln,  dals  andere
protestirende  Potenzen,  Fürsten  und  Städte  hin  und  wieder  bevtreten.  in  den
Königl.  Seminarien  ihre  Alumnos  pro  Missionibus  unterweisen  lalsen  würden,  zumahlen
  olmedem  Königl.  Mt  sich  vor  andern  in  Teutschland  des  protestirenden
Wesens  und  Corporis  Evangelici  annehmen.

Es  würde  auch  das  Negotium  Missionum  mit  denen  Commereien  sich  trefllich
combiniren  lalsen.  zumahlen  ohnedem  die  Seienzen,  mit  den  Künsten  und
Manufacturen.  und  Untersuchung  der  Naturalien  jedes  Orths  sehr  genau  verbunden;
insonderheit  ist  vorkommen,  dafs  dienlich,  slavonische  Druckereyen  anzustellen,
zumahlen  zu  deren  Schadlofshaltung  eine  gewilse  Person,  so  vom  Tzar  dielsfalls
ein  Privilegium  in  Holland  auf  die  slavonische  Bibeln  erhalten,  bevzutreten  böthig,
damit  viel  Nuz  zu  schaffen,  dafern  durch  den  Königl.  Ministrum  bevm  Tzar  die
Manntenenz  und  Extension  des  Privilegii  erhalten  würde.

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