176  87.  Geschichte  des  Ankaufs  des  Societäts-  Grundstücks  (1707/8).

solle,  in  welchem  nicht  allein  die  Leute  der  Societät  bequem  seyn,  und  eine
Druckerei,  auch  wohl  ein  unterirdisches  Laboratorium  und  dergleichen  den  nöthigeu
Gelafs  finden,  sondern  auch  einige  Zimmer  über  bleiben  mögen,  in  welchen  Fremde
und  andere  Standes  -  Persohnen  bey  der  Besichtigung  geführet  oder  mit  Experimentis
unterhalten  werden  können...
Cöllen  d.  28.  April  1707.
An  die  hiesige  Ambts  -  Caınmer.«

Hierauf  schloss  die  Societät  unverzüglich  den  Vorcontract  mit  dem  Besitzer
ab.  Allein  die  Amtskammer  weigerte  sich,  der  Anordnung  Folge  zu  leisten;  denn
erstlich  war  das  Geld  überhaupt  knapp,  zweitens  nalım  sie  es  »vor  eine  Oflension,
dafs  der  Bauschreiber  ohne  ihr  Vorwilsen  sich  unterstanden,  in  Handlung  zu  treten
und  den  Kauf  zu  schlielsen,  und  will  ınan  ihın  delswegen  stark  zu  Leibe«  (Seer.-Lrıpex.
  Nr.  56  vom  31.  Mai  1707).  L.eısxız  wandte  sich  mit  einer  Beschwerde  von
Hannover  aus  an  Hrn.  vox  Trrrauv.  Dieser  antwortete  (der  Brief  wird  in  deın  Briefwechsel
  ınit  Cuxeau  zu  Hannover  aufbewahrt)  am  25.  Juni  1707:  »Je  ne  vois  pas,
pourquoi  la  Chainbre  des  finances,  alias  Amptskammer,  differre  d’executer  les  ordres
du  Roy,  en  trainant  de  faire  le  pavement  des  2100  escus;  il  faut  qu’elle  ave  des
raisons,  que  nous  autres  ignorons«;  er  werde  sich  informiren.  Die  Kammer  ıinachıte
am  15.  Juli  eine  Gegenvorstellung  bei  dem  Könige;  sie  erklärte,  sie  sei  mit  Ausgaben
überhäuft  und  könne  das  Geld  nicht  aufbringen.  Darauf  liess  der  König  erwidern,  sie
solle  die  Summe  einstweilen  aufnehmen  und  auf  den  Etat  des  nächsten  Jahres  setzen
(beide  Actenstücke  im  Akademischen  Archiv,  vergl.  Secr.-LEıgs.  Nr.60  vom  23.Juli);
die  Societät  erbot  sich  in  einer  Eingabe  an  den  König  die  Zinsen  der  aufgenommenen
Summe  zu  zalılen  (17.  October;  Akademisches  Archiv,  und  den  Brief  von  Kırcn  an
Leinsız  vom  3.  September).  Dennoch  rückte  die  Sache  nicht  vom  Fleck;  im  November
schien  gar  keine  Hoffnung  mehr  darauf  zu  sein,  da  das  Geld  in  der  Finanzkammer
so  knapp  war,  dass  sie  selbst  Zahlungsanweisungen  auf  50  Tlılr.  »in  causis  favorabilibus«
  zurückwies  (Seer.  -  LEısx.  Nr.  63  vom  26.  November)  !.  Auch  eine  persönliche
Verhandlung  des  Secretars  und  Cuxrau's  ınit  dein  Präsidenten  der  Kammer,  Hrn.
vox  GÖRNE,  fruchtete  nichts:  »Selbst  wenn  die  Summe  in  den  Etat  gesetzt  wird.
kann  ich  nicht  versprechen,  dafs  darum  die  Zahlung  erfolgt«  (a.  a.  O.  Nr.  66  vom
4.  Februar  1708).  Bereits  dachte  ınan  wieder  an  den  Eckpavillon;  wandte  sich  aber
doch  noch  einmal  in  einer  Eingabe  vom  15.  Februar  an  den  Grafen  von  WARTENBERG
verwies  auf  die  zweimal  erfolgte  Zusicherung  des  Königs  und  schlug  vor,  die

ı  Hierzu  ist  der  Brief  der  Fran  Kıren  vom  4.  November  1707  an  Leiıexız  zu  vergleichen
  (Hannov.  Bibl.):  »Es  gehet  wie  Ew.  Exec.  bei  Ihrem  Abschied  sagten,  dats
wohl  Alles  liegen  würde,  wenn  Sie  würden  weg  seyn.  Im  Observatorio  wird  zwar  etwas
gebauet  mit  Boden-Spünden  und  Gipsen,  aber  man  kan  die  K.  Gnade,  so  Sie  ausgewircket
(nemlich  das  behandelte  Haufs  zu  bezahlen)  noch  nicht  erhalten.  Herr  Hofrath  Chuno  ist
zwar  sehr  geschäftig  deiswegen  und  giebt  auch  noch  gute  Vertröstung,  davon  Sie  schon
Nachricht  haben  werden.  Allein  ich  habe  neulich  mit  dem  Herrn  Secretario  Jablonski  geredet,
  welcher  sagte:  es  würde  nichts  daraufs  werden,  dafs  das  Hauis  von  der  Ambts-  Kammer
würde  bezahlet  werden;  denn  sie  sei  lädirt,  weil  die  Behandlung  des  Hauses  derselben  hätte
erst  sollen  aufiretragen  werden,  nun  hiefse  es:  wer  es  behandelt,  möchte  es  auch  bezahlen.
Wir  zweifeln  also  selbst,  dafs  dieser  Kauff  werde  fortgehen,  es  sey  denn  dais  Ew.  Exe.
selbst  einmal  möchten  herkommen:  denn  obwol  der  Verkäufler  gar  unwillig  ist  und  spricht,
dafs  er  nun  nicht  schuldig  sey,  den  Kauff  länger  zu  halten,  so  mercken  wir  doch,  dais  er
es  gerne  sähe.  wann  der  Kauff  nur  noch  fort  ginge,  indem  er  sein  ander  Haufs  ohne  Mieths-Leute
  noch  stehen  läfset,  darvor  ihm  zwar  Herr  Hoflvath  Chuno  die  Miethe  bis  Ostern  versprochen
  hat.  Nun  weils  nicht,  ob  die  Veränderung  am  Hofe  [Günstlinge  waren  gestürzt,
unter  ihnen  Hamrarıı]  hierzu  schädlicher  oder  nützlicher  ist.  AMlüfsen  also  mit  Geduld  erwarten,
  ob  es  das  Glück  noch  fügen  will,  nahe  beym  Observatorio  zu  wolnen«.