178  87.  Geschichte  des  Ankaufs  des  Societäts-Grundstücks  (17078).

Wir  aber  gedachtes  Haufs  vor  die  Societät  der  Wissenschafften  aufs  der  Uhrsache
erkauffen  [zu]  lafsen  in  Ghaden  gut  gefunden  haben,  damit  dieselbe  von  dem  ilır
concedirten  Eck-Pavillon  des  Stalles  hiegegen  abstehen  und  die  nun  7  gantze  Jahr
zwischen  der  Societät  und  denen  Befehlshabern  des  Stalles  geschwebte  Differentz  !
endlich  cessiren  möchte,  dabeneben  es  auch  an  dem,  dafs  ohne  dieses  Expediens
der  eine  Pavillon  mit  grofsen  Kosten  zur  Wohnung  des  Astronomi  aus  denen  Caınmer-Gefällen
  hätte  aptiret  werden  müssen,  so  bleiben  Wir  dabey,  dafs  solche  Haufskauff-Gelder
  aufs  Unsern  hiesigen  Cammer-Gefällen  gezahlet  werden  sollen.  Wie
Wir  aber  selbst  leicht  urtheilen,  dafs  bey  denen  anderen  vielen  Aufsgaben  es  die
Cammer  in  etwas  incommodiren  möchte,  diese  Summe  der  2100  Thlr.  auff  einmahıl
oder  in  einem  Jahr  abzuführen,  also  haben  Wir  auf  den  von  Seiten  der  gedachten
Societät  gethanen  Vorschlag,  dafs  nemlich  diese  Kaufgelder  in  drey  Jahren  und
Etate  vertheilet  werden  möchten,  weil  dabey  die  Caınmer-Etate  nicht  sonderlich
beladen  werden,  in  Gnaden  aggreiret,  und  befehlen  euch  dahero  hiemit  allergnädigst
und  dabey  ernstlich,  nicht  allein  solche  Kauff’-Summe  der  2100  Thlr.  in  den  diefsjährigen,
  auch  ohne  erwartet  weiterer  Verordnung  in  die  beyde  nechstfolgende
Cammer-  Etate,  und  zwar  in  jeden  ınit  700  Thlr.  zu  Aufsgabe  anzusetzen,  sondern
auch  dahin  besorget  zu  seyn,  dafs  die  in  jedem  Jahr  und  Etat  angesetzte  Posten
an  den  Secretarium  Societatis  Jablonski  gegen  defsen  Quitung  gezahlet  werden,
damit  dieser  diejenige  Gelder,  so  mit  Unserem  allergnädigsten  Special-  Consens
die  Societät  inzwischen  zu  diesen  Haulskauff  negociren  und  bey  der  Tradition
des  Hauses  in  ihre  Hände  dem  Verkäuffer  aber  baar  und  auff  einen  Bret  aufszahlen
ımufs,  nach  und  nach  davon  wieder  abführen  könne  und  also  die  Interessen,  so  die
Societät  von  solchen  auffgenommenen  Geldern  inzwischen  bezahlen  ınuls,  zu  Ende
solcher  drey  Jahr  ohnfehlbar  cessiren  ınögen.

Ihr  habet  auch  mehrgedachter  Societät  einen  Schein  aufszustellen,  dafs  ilır
dieser  Unserer  allergnädigsten  Verordnung  richtig  und  zu  rechter  Zeit  allerunterthänigst
  nachkommen  werdet,  damit  jene  sich  dieses  Scheins  bey  Negocirung  der
Gelder  nach  Befinden  bedienen  könne.  Und  Wir  seynd  euch  in  Gnaden  gewogen.
Gegeben  zu  Cöln  d.  9.  Martii  1708.

Friederich.
Gr.  v.  Wartenberg.

Am  ıs.  April,  ohne  die  schriftliche  Zusicherung  der  Kammer  abzuwarten
—  es  war  der  zweite  \erstoss  gegen  die  bureaukratischen  Ordnungen,  den  man
machte,  aber  es  war  periculum  in  mora  (s.  Secr.-Leıirx.  Nr.  71  vom  7.  April)  —,
wurde  der  Kaufcontract  mit  Nicoraı  wirklich  abgeschlossen  (Original  im  Akademischen
Archiv),  und  gleich  darauf  zog  Kırcn  ein  (s.  seinen  Brief  an  LEısnız  vom  29.  April;
er  ist  Cux£eau  besonders  dankbar);  einige  100  Thlr.  zahlte  die  Societät  selbst  sofort
aus  ihren  Mitteln  ab,  um  nicht  zuviel  Zinsen  bezahlen  zu  müssen  (s.  die  Societäts-Rechnungen
  im  Akademischen  Archiv  und  Friscuens  Briefwechsel  mit  Leissız  Nr.  10
vom  18.  Juni  1708).  Aber  die  Kammer  gedachte  noch  nicht  nachzugeben;  sie  war
auf's  Neue  verletzt.  Die  Verhandlungen  (die  erste  Rate  auszuzahlen  und  der  Societät
die  schriftliche  Zusicherung  zu  geben)  zogen  sich  bis  zum  Ende  des  Jahres  1708.
obgleich  der  Posten  in  den  Etat  aufgenommen  war,  und  obgleich  vox  Trrrau  für
die  Societät  bei  der  Kammer  und  beim  Grafen  vox  WARTENBERG  auf's  Neue  eintrat
(Seer.-Lrıss.  Nr.  71-82).  Dazu  kam,  dass  die  »Confusion«  in  den  Königlichen  Kassen
das  höchste  Maass  erreicht  hatte  (a.  a.0O.Nr.  82),  die  Ausgaben  die  Einnahmen  un

ı  Diese  Differenz  wird  wohl  zur  Verzögerung  des  Baues  sehr  wesentlich  mitgewirkt
haben.  Ausserdem  baute  die  Stallverwaltung  den  Eckpavillon  wohl  mit  Absicht  so,  dass
die  Societät  ihn  in  dieser  Verfassung  gar  nicht  brauchen  konnte.