180  89.  Die  Societät  an  die  Stadt  Cölln  an  der  Spree  (10.  Mai  1707).

Ich  habe  von  1700  an  umb  des  Publici  willen,  ein  ziemliches  Theil  der  Zeit,
und  nicht  wenig  Fleifs  hierauf  gewendet,  und  dabei  vielleicht  ein  Grofses  an
meinem  Interesse  versäumt.  Es  gereuet  mich  aber  Alles  nicht,  weil  ich  einen
gutlien  Auflsgang  init  Gottes  Hülfe  verinuthe,  und  mich  mit  der  Hoffnung  tröste,
es  werde  wenigst  mein  guther  Will  und  Fleils  allergdst.  äufgenoınmen,  und  dessen
wohlgemeyntes  Ziel  durch  Königl.  Autorität  erreichet  werden.

Solche  Gnade  werde  auch  abwesend  darinn  spühren,  wenn  E.  Königliche
Mt,  wie  Sie  bey  der  Fundation,  und  dabey  gegebenen  Instruction  allergndst  resolviret
  gehabt,  so  wohl  die  Gelehrten  als  auch  die  Künstler  und  ÖObservatores  in
Curiosis  als  Mathesi,  Opticis,  Mechanicis,  Physicis,  Historieis  an  die  Societät  nach
Gelegenheit  zuweisen,  als  auch  sie  und  ihre  Membra  zu  magis  seriis  zuziehen,  als
bev  Bauwesen,  Feldmessen,  Wasserwage,  Eintrocknung  des  Landes,  Einrichtung
von  Maals,  Wag  und  Gewicht,  Anstalt  gegen  Feuer-  und  \Vasserschaden,  auch
andere  Begebenheiten  daran  gelegen,  wie  der  König  in  Frankreich  ınit  seiner  Academie
  Royale  so  wohl  in  maxime  seriis  als  magis  curiosis  zu  thun  pfleget.  Durch
welchen  Weg  die  Societät  Gelegenheit  erlangen  würde,  sowohl  E.  Mt  und  dem
Publico  als  auch  ihrem  Fundo  und  Proposito  befser  zu  statten  zu  koınmen,  mithin
auch  mehr  wackere  Leute  an  sich  und  auffzuziehen.  Welches  alles  zu  verlangteın
Zweck  durch  die  Krafft  eines  oder  andern  Königlichen  Worths  leicht  zu  erhalten.

Ich  wünsche,  dafs  der  allmächtige  Gott  Ew.  Mt  zu  ganz  Europa,  der  evanwelischen
  Religion,  und  dero  Lande,  auch  insonderheit  der  Wissenschaften  Bestem
und  Flor,  bei  langem  Leben  und  guther  Gesundheit  eine  fernere  beglückte  Regierung
  verleihen  wolle.  Und  ich  verbleibe  Lebenszeit  usw.

89.

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  148).

Die  Societät  an  Bürgermeister  und  Rath  zu  Cölln  an  der  Spree.
ı0.  Mai  1707.
[Krorr,  Die  Werke  von  Leiexiz.  10.  Bd.  S.  gııf.]

Nachdem  Königl.  Mjt.  unser  allergdst.  Herr  Dero  Societät  der  Wilsenschafften
ein  Privilegiun  zu  Cultur  der  Maulbeer-Bäume  ertheilet,  und  dabey  deroselben
in  Gnaden  verstattet,  an  Wällen,  Strafsen  und  in  andern  Locis  publicis,  wo  es
olıne  Schaden  von  männiglich  geschehen  kan,  dergleichen  Bäume  zu  pilantzen  wie
aus  beygeseztem  Extract  privilegii  zu  ersehen,

Und  sich  nun  findet,  dafs  allhier  vor  dem  Köppenichischen  Thore  zwischen
der  Land-Stralse  und  der  Spree  ein  solcher  Orth,  der  nicht  im  Geringsten  genutzet,
  auch  nicht  einst  zu  Weide  und  Hut  gebrauchet  wird,  sonderm  ganz  öde
und  wüste  lieget,  hingegen  durch  die  vorhabende  Cultur  zu  Zierde  und  Nutzen,
auch  Nahrung  der  Stadt  gereichen  würde,  welches  gleichwohl  auch  einige  Kosten
erfordern  dürfte:

So  gehet  der  Societät  geziemendes  Suchen  dahin,  dafs  die  Herrn  Bürgermeister
  und  Rath  derselben  hierinnen  förderlichst  zu  willfahren,  und  den  benanten
Plaz  einzuräumen  belieben  wollen,  damit  der  Kgl.  allergdst.  Intention  nachgelebet
und  der  allgemeine  Nuz  befördert  werde,  welches  man  an  Seiten  der  Societät  zu
rühmen  und  danknehmig  zu  erkennen  nicht  ermangeln  wird.

(gez.)  G.  W.v.  Leibniz.

Praesident  der  Königl.  Societät  der  Wilsenschafften.

!  Concepte  zu  ähnlichen  Schreiben  an  die  Amtmänner  in  Köpenick  und  Potsdam
(10.  März  1707)  befinden  sich  im  Archiv  der  Akademie  von  Leissızens  Hand.