184  93.  Zum  Ozrvex’schen  Handel  (1709).

93.

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  152  ff.).
Zum  OrıvEen'schen  Handel  (August  bis  October  1709).

Im  Geheimen  Staatsarchiv  und  in  dem  Akademischen  Archiv  (Fasc.:  »Revenuen«
und  »Leisxız«)  werden  die  Acten  über  den  Oeıvex’schen  Handel  aufbewahrt.  Die
erste  Eingabe  OrLvex’s  an  den  König  stammt  vom  16.  August  1709  (Original  im
Akademischen  Archiv).  Hier  wird  der  geheimnnissvolle  Mann  in  Scene  gesetzt,  der
einen  ausgezeichneten  Plan  wisse,  um  die  Revenuen  zu  verinehren  —  »davon  alle
Membra  vergnüglich  könnten  salarirt  werden«  —;  dann  wird  die  Rechnung  aufgestellt,
nach  welcher  die  Kalender  in  den  acht  Jahren  69840  Thlr.  hätten  einbringen  müssen
(»Dieser  Schatz  liegt  in  der  Kalender-Cassa  als  ein  aureum  vellus,  davon  die  Frage:
“ad  quid  perditio  haec’«),  und  schliesslich  wird  verlangt,  der  König  solle  den
Hofprediger  und  Cux£Eau  beauftragen,  ilın,  OELVEN,  zu  berufen,  damit  er  seinen  Plan.
die  Revenuen  aus  den  Kalendern  zu  vermelren,  ihnen  vorlege;  denn  die  »wunderhare,
sehr  disreputirliche  Conduite  dieses  eigemmnächtigen  Kalenderwesens«  müsse  völlix
ungestaltet  werden.

Es  war  die  Zeit,  wo  man  an  den  Höfen  noch  an  die  Kunst,  Gold  zu  machen.
glaubte.  Die  erste  Antwort  des  Conciliums  an  vox  ILGEXn  vom  22.  August  1709
genügte  bei  Hofe  nicht,  obgleich  sie  bereits  mit  einer  ausführlichen  Tabelle  der
Einnahmen  und  Ausgaben  belegt  war.

Einnahmen  und  Ausgaben  standen  sich  also  gegenüber,  wobei  der  Überschuss
jedes  Jahres  fortlaufend  in  den  Einnahmen  der  folgenden  Jahre  gebucht  ist  (die
Groschen  und  Pfennige  sind  weggelassen):

or  65T  mm  1702  +  6739  1703  +  6551
—  6750  Kapital]  —  5929  —  5183
1704  +  7652  1705  +  6697  1706  +  7173
—  6592  —  5189  —  sııS
1707  +  79832  1708  +  9767
—  5099  -.

Für  jedes  Jahr  sind  die  Einzelposten  genau  mitgetheilt  (für  1701  lauten  sie:
A.  Einnahme:  Kalenderverdienst  6348  Thlr..  aufgenommenes  Capital  1000  Thlr.,  für
Stempel  128,  Insgeinein  38;  B.  Ausgaben:  Druckerlohn  1834,  Ankauf  von  Kalendern
32,  Factoren  419,  für  zurückgekommene  Kalender  2290,  Stempel  51,  Besoldungen
1385,  Prämien,  Verehrungen  20,  Bücher  27,  abgelegte  Capitalien  und  Zinsen  100,
Fracht  und  Briefporto  259,  Schreiberei  14,  Insgemein  256).  Das  Concilium  bemerkte
  gegen  OELVEN:

»Und  wie  hieraus  des  anmafslichen  Angebers  blinde  Unwissenheit  in  diesem
Geschäft  und  der  Ungrund  seines  Anbringens  offenbar  zu  tage  lieget,  also  lälst
sich  darob  nicht  leicht  anders  schlielsen.  denn  ein  gefalseter  Vorsatz,  bei  S.  K.  Ma).
und  Dero  hohen  Ministerio  die  Societät  auf  eine  so  unziemliche  und  unbefuzte
Weise  zu  verunglimpfen,  welches  die  überall  gebrauchte  injuriosa  et  contumeliosa
dieta  et  facta  noch  mehr  verrahten.  Wir  mögen  aber  Ew.  Ex.  hierbei  gehorsamst
nicht  verhalten,  wie  alle  solche  Animositaeten,  so  er  nicht  erst  nu,  sondern  sehon
zu  mehrmahlen  blicken  lalsen,  vornehmlich  daher  rühren,  dafs  er  vormals  auf  eine
Pension  oder  Gratification  ex  fundo  Soeietatis  stark  gedrungen,  welcher  er  doch  sich
eben  so  wenig  fähig  gemacht,  als  vermöge  der  Legum  Fundationis  ihm  dergleichen
eingegangen  [sic]  werden  mögen.  Und  ist  solcher  Verdruls  merklich  angewachsen.
nachdem  er  gleich  anderen,  mit  seinen  in  Druck  auskommenden  Schriften  an  die
der  Societaet  allergnädigst  anbefohlene  Censur  verwiesen  worden,  welche  ihm  desto