109.  Erzählung  von  der  Stiftung  und  Einsetzung  der  Societät  (1711).  205

Jedoch.  da  Feur  und  Schwert  die  Mauren  niederreissen,
Und  Phoebus  anderwerts  die  Saiten  auflgehenckt,

So  sieht  man  halberstaunt,  dafs  doch  dein  Held,  o  Preussen,
Bey  Krieg  und  Waffen  auch  an  Ruh  und  Musen  denckt.

Er  schlägt,  er  jagt  den  Feind  mit  dem  geschärfften  Degen

Und  läfst  zugleich  den  Grund  zu  Pallas  Teinpel  legen.

So  war  Augustus  auch.  Sein  abgeschicktes  Schwert
War,  wo  es  kam  und  traff,  gleich  aller  Feinde  Schrecken.
Doch,  wenn  er  Feinde  schlug,  ward  Phoebus  auch  ernährt;
‘Man  sah  bey  Fried’  und  Krieg  die  Musentafel  decken.
So  hoch  sein  Degen  stieg,  so  hoch  stieg  auch  die  Krafft,
So  hoch  stieg  auch  der  Glantz  von  jeder  Wissenschafft.

Und  dieses  ist  die  Art  von  allen  grossen  Helden.
Wer  nur  auf  Schlachten  sinnt  und  Weilsheit  unterdrückt,
Mufs  leiden,  dafs  von  ihm  auch  einst  die  Bücher  melden,
Dals  er  sich  in  das  Feld,  nicht  auf  den  Tron  geschickt.
Wer  auf  die  Klinge  trotzt,  pocht  nur  auf  Stahl  und  Eisen:
Der  Fürsten  grölste  Macht  ist  der  Verstand  der  Weisen.

Jauchtz  denn  ihr  Musen,  jauchtz,  dafs  bey  der  dicken  Nacht,
Die  so  viel  Reiche  trifft,  euch  hier  die  Sonne  scheinet.

Was  Londen  und  Paris  zu  Wunderwercken  ınacht,
Was  jede  Grofses  schrieb,  wird  nun  allhier  vereinet.

Ihr  forschet  die  Natur,  ihr  untersucht  den  Graufs

Des  klugen  Alterthums,  ihr  legt  die  Sprachen  aus.

Ach!  fragt  denn  die  Natur,  ob  nicht  ein  Stein  zu  finden,
Der  Unsrem  Friderich  die  Jahre  mehren  kan!

Laufft  die  Geschichte  durch  und  müht  euch  zu  ergründen,
Ob  je  ein  Held  so  viel  als  dieser  Held  gethan!

Und  wenn  ihr  Sprachen  wolt  in  Kunst  und  Regeln  bringen,

So  lalst  in  jeder  auch  sein  wahres  Lob  erklingen!

B.  Neukirch.

109.

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  174).

Kurtze  Erzehlung  von  der  Stifft-  und  Einsetzung  der  Königlichen
Preulsischen  Societaet  der  Wissenschafften.
IIm  Druck  erschienen  zur  Octobermesse  1711.]

Gleichwie  alle  menschliche  Dinge  ingemein  nicht  besser  als  durch  gemeinsame
  Hülffe  gefördert  werden,  also  hat  es  besonders  auch  an  deın  gelehrten  Wesen
sich  geäussert,  dafs  solches  durch  vertrauliche  Zusammentuhung  vieler,  so  sich  zu
einem  gemeinen  Zweck  vereiniget,  mercklich  emporgekommen.  Die  Welschen  haben
hieiit  vor  geraumer  Zeit  einen  löblichen  Anfang  gemacht  und  durch  ihre  sogenannte
Academien,  sonderlich  die  tlorentinische,  neben  andern  angenehmen  Künsten
vornemlich  ihre  Landessprache  zu  einer  nicht  geringen  Liebligkeit  gebracht.  Ihnen
sind  mit  gleichmäfsigem  Absehen  zu  unser  Väter  Zeiten  die  Frantzosen  gefolget,
indem  sie  die  also  benahmte  Academie  frangoise  oder  frantzösische  Sprach-