206  199.  Erzählung  von  der  Stiftung  und  Einsetzung  der  Societät  (1711).

gesellschafft  unter  dem  vorigen  Könige  Ludwigen  dem  XII.  aufzerichtet  und
damit  nicht  geringeren  Nutzen,  denn  jene  geschaffet.  Bald  hernach  hat  in  Enzelland
  sich  eine  Gesellschafft  gelehrter  Leute  zusammengethan,  welche  ihnen  einen
höheren  Zweck  vorgesetzet  und  die  Verborgenheiten  der  Natur  nebst  den  Geleimnissen
  der  mathematischen  oder  Mefskünste  zu  erforschen  vorgenommen  und  in
folgender  Zeit  vermittelst  Königlicher  Begnadigungen  unter  dem  Nahmen  der  Könielichen
  Engländischen  Gesellschafft  durch  schöne  Erfahr-  und  Entdeckungen
der  Welt  bekannt  worden.  Dergleichen  ist  in  Franckreich  durch  eine  löbliche
Ruhmbegierde  des  Königes  mit  grossen  Nutz  des  gelelirten  Wesens  in  der  Academie
  Roiale  des  Sciences  oder  Königlichen  Gesellschafft  der  Wissenschaften
  nicht  allein  zu  Werck  gerichtet,  sondern  auch  in  eine  nähere  beständige
  Verfassung  bracht  worden,  wozu  mit  der  Zeit  auch  eine  Academie  des
Medailles  et  Inscriptions  oder  eigne  Versammung  [sic]  wegen  sinnreicher
Denkmüntzen  und  TUberschrifften  kommen,  welche  anjetzo  sich  fast  auf
alle  zierliche  Gelehrsamkeit  erstrecket,  der  Academien  der  Baukunst,  auch  der
Mahler,  Bildhauer  und  anderer  Künstler  nicht  zu  gedencken.

Unser  Teutschland  hat  diesem  allem  nicht  müfsig  zugesehen,  sondern  theils
durch  die  fruchtbringende  Gesellschafft,  (welche  noch  älter  als  die  frantzosische
  Academie  selbst)  seiner  Landessprache,  theils  durch  die  Kayserliche  Leopoldinische
  Gesellschafft  der  begierigen  Naturforscher  dem  Erkänntnifs
der  natürlichen  Dinge  und  der  heilsamen  Artzneykunst  aufzuhelffen  und  sie  zu
mehrer  Vollkommenheit  zu  erheben  getrachtet,  wie  dann  der  rühmliche  Fleifs  derer,
so  dazu  Hand  angeleget,  nicht  vergebens  gewesen,  sondern  ınit  jedermanns  Vergnügen
  in  Schrifften  zu  Tage  liege.  Was  nun  bey  allen  obigen  absonderlich
Nützliches  und  zu  Beforderung  der  vortreflichsten  und  angenehmsten  Wissenschafften
  Zuträgliches  anzutreffen,  solches  findet  sich  gleichsam  wie  in  einem  Lei)
oder  künstlicheım  Gerüst  miteinander  vereinbahret  bey  der  von  Seiner  Könixlichen
  Majestät  Friderich,  dem  ersten  christlichen  Könige  in  Preussen,  in
Dero  Hauptsitz  Berlin  gestiffteten  Societaet  oder  Gesellschafft  der  Wissenschafften.
  Dieser  Fürst,  der  vor  seiner  Königlichen  Erhöhung  schon  Königliche
Gedancken  geheget,  hat  seine  Regierung  durch  so  viele  Denckwürdigkeiten  in  Kriegsund
  Friedeszeiten  vor  andern  dermassen  ausgenommen,  dafs  man  billig  geschickteren
  Federn  überläfst,  dieselben  in  ihrem  gehörigen  Licht  der  itzigen  und  nachkommenden
  Welt  für  Augen  zu  stellen.  Allein  wird  doch  soviel  erlaubet  sevn,
derjenigen  kürtzlich  hie  zu  gedencken,  die  zu  Einporhebung  der  Gelehrsarnkeit
und  Künste  vornemlich  abgezielet.  Denn  da  finden  sich  erstlich  vor  die  Liebhaber
der  Mahlerev-,  Bildhauerey-,  Bau-  und  zugehöriger  Künste,  die  Academie
derselbigen,  so  in  hiesiger  Hauptstadt  im  Jahr  1691  [sic]  angeleget;  ferner  für  die
Unterweisung  der  Standes-  und  Adelichen  Jugend  in  denen  ihr  vornemlich  ziemenden
Wissenschafiten,  auch  Geimüths-  und  Leibesübungen  die  Königliche  Fürsten-  und
Ritter-Academie  in  eben  diesem  Königlichen  Sitz  im  Jahr  1705.  gestiftet;  noch
für  diejenigen,  so  in  den  höheren  Wissenschafften  aufzusteigen  und  dadurch  zum
Dienst  der  Kirchen,  des  Staats  oder  des  gemeinen  Lebens  sich  anzuschicken  verlangen,
  die  bald  in  ihrem  Anfang  so  hochberühmte  Friederichs  Hohe  Schule
zu  Halle,  die  ihre  feyerliche  Einsetzung  im  Jahr  1694.  begangen.  Alle  diese
Stifftungen  sind  mit  geschickten  Lehrern  und  Meistern  in  allen  ihren  unterschiedlichen
  Wissenschafften,  Künsten  und  Ubungen,  nicht  minder  mit  reichen  Einkommen.
ansehnlichen  Gebäuden  und  allem  dem,  so  nieht  nur  zur  Nohtdurfft.  sondern  auch
zur  Zierde  und  zum  Ansehen  dienen  kan,  dermassen  versorget  und  wol  versehen,
dals  sie  als  unlangbare  Denckmahle  von  der  bedächtigen  Vorsorge  und  grolsmühtizen
  Mildirkeit  des  Hohen  Urhebers  herrlich  zeugen  und  auf  die  späte  Nachwelt
  zeagen  werden.