109.  Erzählung  von  der  Stiftung  und  Einsetzung  der  Societät  (1711).  209

Noch  dennoch  hat  man  nicht  unterlassen,  soviel  vor  der  Hand  möglich  gewesen,
dem  Vornelimen  nachzusetzen.  Wie  denn  eine  ansehnliche  Zahl  vornehmer  Gelehrten
in  und  ausserhalb  Teutschlandes  dieser  Gesellschafft  beyzutreten  ihnen  gefallen
lassen,  wie  aus  dem  hinten  befindlichen  Verzeichnis  zu  ersehen.  Einige  derselben
haben  auch  vortreffliche  Proben  ihres  Fleisses  dargeleget  und  etwas  beygetragen,
daraus  unlängst  ein  Versuch  unter  dem  Titel  der  Miscellaneorum  Societatis  Scientiarum
  ad  incrementumn  scientiarımn  das  Licht  gesehen,  welcher,  nachdem  daraus
das  wahre  Absehen  der  Societaet  erhellet,  zu  einer  Anleit-  und  Ermunterung  dienen
kan  denjenigen,  so  ihren  eigenen  Ruhm  und  den  gemeinen  Nutzen  zu  befördern
Lust  und  Vermögen  bey  sich  befinden.

So  haben  auch  Se.  Königl.  Majestät  Dero  Königliche  Milde  nicht  gesparet
und  unter  andern  der  Gesellschafft  ertheilten  Wolthaten  zu  Erkauffung  eines
Hoffs  und  Wohnungen  zu  ihrem  Gebrauch  und  Besitz  Befehl  ertheilet,  anderer
Bexnadigungen  und  Privilegien  zu  geschweigen.

Nachdem  nun  endlich  vorgedachter  Bau  durch  allermildesten  Vorschub  des
allergnädigsten  Urhebers  vollführet  und  in  brauchbaren  Stand  gesetzet  worden,  also
nichts  mehr  übrig  gewesen,  als  die  letzte  Hand  an  das  Werck  zu  legen  und  die
Gesellschafft  in  ordentlichen  Gang  derer  ihr  vorgeschriebenen  Verrichtungen
zu  bringen,  so  haben  Se.  Königl.  Majestät  nicht  nur  als  Stiffter,  sondern  auch
als  oberster  Beschirmer,  wie  Sie  also  sich  selbst  zu  nennen  beliebet,  allergnädigst
geruhet,  dieses  Geschäfft  mit  Dero  jährlichem  Krönungsfest  genau  zu  verbinden
und  Dero  würcklichem  Geheimen  Staatsraht,  Schlofshauptmann,  Lehns-Directori  und
Consistorial-  Praesidenten,  des  Herrn  von  Printzen,  Excell.,  als  der  Societaet
allergnädigst  verordneten  höchstansehnlichen  Protectori  die  Ausrichtung  aufzutragen.

Deme  zufolge,  nachdem  vorher  die  hie  anwesenden  Glieder  sich  zusammengethan,
  in  die  verordnete  vier  Classes  oder  Abtheile:  das  physical-medicinische,
das  mathematische,  das  der  Teutschen  Sprach-  und  Geschichtforschung  und  das
der  übrigen,  sonderlich  Morgenländischen  Wissenschafft-  und  Sprachkunde  gewidınete,
vertheilet,  auch  bey  einem  jeden  nach  der  Königlichen  Verordnung  einen  Director
oder  Worthalter,  neinlich  bey  dein  ersten  den  Königlichen  Geheimen  Ralıt  und
ersten  Leib-  Medicum,  Herrn  Krug  von  Nida,  bey  dem  zweiten  den  Königlichen
Raht  und  Archivariumn  Herrn  Clıuno,  bey  dem  dritten  den  auch  Königlichen  Rahıt
und  Bibliothecarium  Herrn  Schott  und  bey  dem  vierten  den  Königlichen  ersten
Hofprediger  Herrn  D.  Jablonski,  aus  diesen  aber  ferner  den  Vice-Praesidem
erwehlet  haben  aın  vergangenen  19.  Januar.  dieses  ı711.  Jahres,  als  den  Tag
nach  der  Königlichen  Krönungsfeyer,  da  an  dem  Morgen  die  gewöhnliche  Versaınmlung
  der  Ritter  des  Königl.  Ordens  des  schwartzen  Adlers  und  Aufnelimung
einiger  neuen  Ritter  vorgegangen,  hochdachte  Se.  Excell.  Nachmittage  um  drey
Uhr  sich  nach  dem  Observatorio  oder  Schauburg  erhoben,  alwo  sie  von  denen
versammleten  hie  anwesenden  Mitgliedern  bey  dem  Aussteigen  eınpfangen  und  die
Stiegen  hinauf  in  den  Saal  geführet  worden,  welcher  nach  Gelegenheit  hiezu  geziemend
  aufgeschickt  sich  befunden.

Se.  Excell.  nahmen  Dero  Ort  hinter  der  mitten  im  Gemach  stehenden  Tafel,
alwo  vor  dieselben  ein  Sessel  gestellet  und  vor  ihnen  auf  der  Tafel  die  Schlüssel
zu  denen  der  Gesellschafft  gewidineten  Gebäuden  nebst  denen  verordneten  Sieseln
  geleget  gewesen,  welche  Sie  mit  einer  zierlichen  Rede  dem  Vice-Praesidi  der
Soeietaet,  weil  der  Pracses,  vorgedachter  Herr  von  Leibnitz,  wegen  seiner  anderweiten
  Geschäflte  nicht  zugegen  seyn  können,  überreichet,  dieselbe  hiemit  sowohl
in  den  Besitz  sotllaner  Gebäude,  als  in  den  Antritt  der  ihr  aufzegebenen  Arbeit
feverlich  zu  setzen  und  anzuweisen.

Der  Vice-Praeses,  voritzo  der  auch  vorgedachte  Ilerr  D.  Jablonski,  so  zur
Rechten  des  Gemachs  an  der  Wand  und  nach  ihm  die  Mitglieder  zu  beeden  Seiten

Geschichte  der  Akademie.  II.  14