216  116.  Leiwniz,  Denkschrift  an  den  Staatsminister  vox  Irsex  (14.  Mai  1711).

aufs  der  Hof-Cammer  anhand  zellen.  Wäre  auch  jedem  Membro,  so  etwa  für  sich
käme  zu  requiriren,  etwas  zu  verstatten  seyn.  Unter  der  Hand  können  Labores
de  longue  main  vorgenommen  und  unter  die  Membra  distribuiret  werden,  als
Observationes  Astronomicz,  Experimenta  nature  et  artis,  die  Klaborirung  des
teutschen  vollständigen  Wörterbuches,  item  Auffziehung  wackerer  junger  Leute.

Die  Media  betreffend,  so  bestehets  sowohl  in  industria  nostra.  als  in  mediis
externis.  Industria  nostra  wird  seyn,  wie  die  Glieder  zu  animiren.  Zu  diesem
Ende  gebe  ich  E.E.  zu  bedencken,  ob  mir  erlaubt  extraordinarios  conventus  zu
Zeiten  anzuordnen.  sowohl  directorum  et  classium,  auch  wohl  einen  Conventunmn
extraordinarium  aller  4  Classen,  ob  nicht  bey  den  Conventibus  classium  dahin  zu
sehen,  dals  es  nicht  auff  blolse  Discurse  hinauslauffe,  sondern  man  etwas  ad
protocollum  gebe,  und  dabey  etwa  einige  Experimenta  oder  Observationes  oder
Meditationes  utiles  communicire,  auch  ein  und  anders  zu  untersuchen  oder  zu  tlun
übernelime.  In  Historieis  wolte  ich  gern,  dafs  die  Antiquitates  familie  Zolleran«
gründlich  untersuchet  und  zugesehen  würde,  wie  weit  durch  richtige  Probationes
hinauf!  zu  steigen.  Wäre  auch  auff  Mittel  zu  gedencken,  wie  die  Membra  zu
encouragiren,  und  ob  nicht  K.M.  einige  Distincetiones  den  Membris  verleihen
wolten,  als  etwa  ratione  honorumn  vel  privilegiorum.  Unter  andern.  ob  nicht  die
Membra  societatis  von  dein  Gebote  Bücher  zu  corrigiren  aus  Königl.  Bibliothee,
zu  eximiren.  Ich  mufs  auch  bey  der  Gelegenheit  noch  Mr.  de  la  Crose  erwelinen,
dafs  er  einer  der  gelelrtesten  Leute,  die  wir  jezo  haben.  Er  ist  erböthixr  den
Indicem  Manuscriptorum  Bibliotheez  zu  machen,  dazu  er  auch  am  bequeimsten;
im  Übrigen  wündschet  er  a  laboribus  ordinariis,  die  auch  Andere  wohl  thun  können,
dispensiret  zu  werden.

Was  die  media  externa  betriflt,  so  ist  bekand,  dafs  noch  zur  Zeit  die  Calender
Alles  bestreiten  mülsen.  Ich  habe  aber  endtlich  es  dahin  gebracht,  dafs  das  Seiden--
  Werck  in  Stand  kommen.  und  verhoffentlich  bald  Überschufs  geben  werde.  Nur
habe  E.  E.  neulichst  durch  H.  Fischer  ersuchen  lafsen,  es  dahin  zu  richten.  dafs
uns,  den  Privilegien  gemäls,  die  mit  Maulbeeren  besteckten  Pläze  in  des  Königs
Garten  angewiesen  werden.  Weil  auch  unser  Werck  recht  pia  causa  wegen  der
Scienzen  sowohl  als  Mission,  so  halte  ich  dafür,  dafs  es  guth  wäre.  wenn  die
Societät  die  Direction  der  Stipendien  in  des  Königs  Landen  habe.  Gebe  anlıeim,
ob  nicht  Mittel  auszufinden,  wie  salvis  fundationibus  die  Societät  zu  deren  guten
(iebrauch  an  Hand  gehen  könne.  Feuersprützen.

116.

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  180).

Lrıinsız,  Kurzes  wohl  gemeyntes  Bedencken  vom  Abgang  der  Studien
und  wie  denenselben  zu  helffen  (14.  Mav  ızı1).  Auf  Begehren  des  H.
v.  Iren  k.  Pr.  Staatsministers  ex  tempore  entworffen.

[|Krorr,  Die  Werke  von  Leissiz.  10.  Bd.  S.435  ff.]

Man  befindet  anjezo  nur  alzu  viel,  dafs  es  sehr  an  jungen  Leuten  fehle,  so
zur  wahren  KErudition  gelangen,  oder  auch  nur  den  Weg  dazu  gehen  und  Lust
dazu  haben.  Sie  vermeynen  insgemein,  die  Wilsenschafft  sey  nicht  de  pane  lucrando,
wie  sie  sprechen,  und  haben  auch  darin  zu  Zeiten  Recht,  dieweil  sie  sehen,  dafs
man  bey  Beförderung  wenig  darauff  achtet.  Suchen  also  sofort  durch  allerhand
Wege  sich  in  Ämter  aufzudringen,  der  Hofnung.  dafs  das  Amt  den  Man  machen
werde,  so  aber  sehr  oft  fehlet.

Nun  ist  nicht  ohne,  dals  eine  Person,  so  mit  ingenio,  judicio,  Beredsamkeit
und  guthen  Sitten  begabt,  auch  bey  mittelmälsiger  Gelehrsamkeit,  demjenigen,  so