120.  Die  Societät,  das  Theatrum  Anatomicum  und  die  medicinische  Akademie.  225

aufzuhelfen,  und  ihre  Verbefserung  zu  bevordern,  geschrieben,  daher  ihren  Fleifs
melir  auf  die  Sachen  als  auf  die  Worte  gerichtet  zu  haben  bemerket  werden.

Unter  denen  aus  dem  nachfolgenden  Jarhundert,  will  die  Wahl  und  Unterschied
  noch  vorsichtiger  anzustellen  sein,  da  zwar  eine  gröfsere  Menge  guter
Schreiber  aufgestanden,  aber  auch  durch  die  ingemein  angemalste  Freiheit  sowol
des  Schreibens  als  der  Schreibart,  ja  sogar  eines  aberklugen  Meisterns  so  viel  Unkraut
  erwachsen,  dafs  darunter  der  gute  Same  beinahe  ersticket  wäre.  Und  nachdem
  verschiedene,  so  der  Sprache  aufzuhelfen  gemeinet,  dieselbe  stat  der  gesuchten
Verbefserung  verunstaltet,  wo  nicht  gar  verderbet,  andere  aber,  so  zwar  nicht  übel
geschrieben,  auf  die  Sprache  nicht  vornemlich  gesehen,’  so  fehlet  den  Einen  und  den
Andern,  wals  sie  einer  sichern  Nachfolge  würdig  machen  könte,  und  dörften  in  der
grolsen  Menge  nur  Wenige  den  Beifall  als  unwidersprechliche  Meister  erworben  haben.

Wenn  ınan  aber  diesen  Vorzug  vor  allen  denen  sonderlich  älteren  Reichssazungen,
  Handlungen,  Abschieden  und  andern  Actis  publicis  billig  beileget,  so  ist
ferner  unter  denen  einzelnen  Buchstellen  Luthero  der  erste  Plaz  vorlängst  zuerkannt
worden,  den  er  auch  ınit  allem  Recht  behaubtet.  Welche  aber  diejenigen  sein
sollen,  so  ihm  bei-  und  nachgesezet  werden  mögen,  darüber  will  man  gerne  deın
Urteil  und  Zeugnifs  dererjenigen,  so  durch  genauere  Kennils  und  geübtere  Erfahrung
hiezu  geschickter  sind  Raum  geben.

Wie  in  der  Übersezung  derer  zu  der  Sprachlehre  gehörigen  Kunstwörter
Schottel  das  Eis  gebrochen,  ist  man  der  Meinung,  dafs  solche  beibehalten,  und
dadurch  mehrers  in  Übung  gebracht  werden,  weil  doch  die,  so  in  der  gelehrten
Sprache  üblich,  in  unsrer  nicht  so  leicht,  wie  in  denen,  so  jene  zu  ihrer  Zeugemutter
haben,  umgeforınet  werden  können.

Dafs  der  Imperativus  in  den  Zeitwörtern  die  Wurzel  sei,  ist  bei  den  Spraclılehrern
  eine  ausgemachte  Sache.  Ob  nun  wol  derselbe  nicht  allezeit  so  wie  der
Infinitivrus  bekannt,  noch  mit  deinselben  eines  Lauts,  und  daher  im  Aufsuchen  einige
Schwürigkeit  zu  besorgen  scheinet,  so  will  doch  die  vorgenommene  Grundordnung
nicht  leiden,  dafs  er  von  dem  ihm  gehörigen  Ort  verrücket  werde.

Hingegen  soll  zu  leichter  Anweisung  des  Infinitivi  so  wol  als  aller  andern
abgeleiteten  und  gedoppelten  Wörter  ein  besonderes  Register  derselben  nach  ihrer
eisenen  Buchstabordnung  gefertiget,  und  dem  Werk  beigefüget  werden.

Wenn  auch  an  einer  beständigen,  vollkommenen  und  durchgehenden  Schreibrichtigkeit
  noch  zur  Zeit  ein  und  anderes  ermangelt,  wie  die  in  den  besten  Schriften
unserer  Zeit  zu  bemerkende  Ungleichheit  auch  wol  unterlaufende  Fehler  genugsamm
zu  Tage  liegen;  So  wird  vor  allen  Dingen  dahin  gesehen  werden  mülsen,  dafs  dieselbe
  nach  deın  Urteil  und  Gutbefinden  der  spracherfahrensten  Meister  auf  einen
gewilsen  Grund  gebracht  und  demselben  genau  gefolget  werde,  damit  das  Werk
auch  in  diesem  nötigen  Stück  als  eine  zuverläfsige  Richtschnur  gelten  und  angenommen

  werden  möge.

120.

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  194).

Auszüge  aus  den  Acten,  betreffend  das  Verhältniss  der  Societät  zum
Theatrum  Anatomicum  und  zur  Academia  Medico-Chirurgica.
[Die  Auszüge  sind  um  das  Jahr  1780  gemacht  worden  und  befinden  sich  im  Akademischen  Archiv.]
Aus  den  Actis  gezogene  Data.  ı1.Vol.actor.  betreff.  die  Lectiones
Professor.  auf  dem  Theatro  Anatom.
Ist  vom  König  verordnet,  dafs  der  Hopfengarten  nebst  dem  Gärtner  dem
Prof.  Botan.  Ludolff  zu’  seiner  Disposition  zu  übergeben  sey  (K.  Regleınent  über
die  Lectiones  d.  d.  2.  Dec.  1723.  act.  3).

Geschichte  der  Akademie.  II.  15