140.  Buppeus,  Leseordnung  der  Societät  (1738).  241

schafften  gewesen,  dennoch  bishero  noch  sehr  wenig  geschehen  das  der  Intention
des  Allerdurchlauchtigsten  Stifters  gemäls  gewesen  wäre,  obgleich  nicht  zu  läugnen,
dafs  sich  wircklich  grund  -gelehrte  und  wackere  Männer  in  derselben  befinden.  Absonderlich
  hat  ınan  von  ınehr  als  funfzehen  Jahren  her  [vielmehr  seit  35  Jahren;
Fıssuann  scheint  hier  einer  Quelle  aus  der  Zeit  um  1716  zu  folgen]  die  Besorgung
des  Kalenders  das  Haupt-Geschäffte  der  Societät  seyn  lassen.  Die  nun,  so  zu
Berlin  den  Lauff  des  Gestirns  observiren  und  zur  Verfertigung  des  Kalenders  bestellet,
  sind  Mitglieder  der  Societät  und  legen  hernach  den  Kalender  der  gantzen
Societät  zur  Approbation  vor,  so  viel  sich  nemlich  davon  zu  Berlin  anwesend  befindet.
  Allein  diese  haben  die  Zeit  und  Gelegenheit  nicht,  das  Firmament  noch
einmal  zu  beleuchten,  und  also  erfolget  die  Approbation  gemeiniglich  ohne  viele
Weitläufftigkeiten.  Allein  es  solte  sich  die  Societät  freylich  auch  noch  um  gantz
andere  Sachen  bekümimnern  und  trachten,  sich  dadurch,  gleich  der  zu  London  und
zu  Paris,  in  aller  Welt  Augen  herrlich  zu  machen.  Denn  die  Kalender  werden  an
andern,  und  zwar  an  verschiedenen  kleinen  Orten,  ebenfalls  sehr  wohl  besorget,
olıne  dafs  sie  einer  so  vortrefflichen  Societät  zur  Approbation  vorgeleget  werden.
Jedoch  hat  es  vielleicht  bishero  an  solchen  Mitteln  gefehlet,  wodurch  vortreffliche
Köpffe  und  herrliche  Ingenia  aufgereitzet  werden,  sich  zı.  appliciren  und  etwas  zu
erfinden,  das  dem  Publico  zum  Besten  gereichen  könne.  Solchem  Mangel  nun  kan
gar  leichtlich  abgeholffen  werden,  wenn  Ihro  Maj.  der  König  etwa  allergnädisst
geruhen,  einen  Beytrag  zu  thun,  dafs  Praeinia  und  Belohnungen  auf  herrliche,
gute  und  nützliche  Erfindungen  können  gesetzet  werden.  Es  fället  zwar  der  Beytrag
  des  Kalender-  Wesens  in  allen  Königl.  Preufs.  Landen  der  Societät  zum  Profit
anheim.  Allein  es  sind,  zu  gleicher  Zeit,  acht  Chirurgi,  aus  denen  alleınal  die  vacanten
  Regiments-Feldscheerer-Stellen  bey  der  Königl.  Preufs.  Armee  besetzet  werden,
mit  auf  die  Kalender-Revenuis  assigniret,  und  diese  nur  allein  nehmen  jährlich,
wo  ich  nicht  irre,  1800  Thlr.  weg.  Jedoch  grosse  Herren  können  alles  animiren
und  viel  Gutes  stifften,  wenn  sie  sich  liberal  gegen  gute  und  herrliche  Ingenia  erzeigen,
  mithin  den  Fleils  belohnen.  Nebst  den  schon  besagten  sehr  schön  gebundenen
  Büchern  haben  Ihro  Maj.  der  König  der  Societät  auch  300  Stück  von  raren
Naturalien  geschencket,  und  wenn  nunmehro  die  Societät,  durch  ihren  Fleifs  sich
in  der  Gnade  und  Gunst  des  Königs  zu  erhalten,  ja  sich  immer  fester  darinnen  zu
setzen  suche,  wird  sie  gewilslich  sehr  wohl  dabey  fahren,  und  vor  das  Publicuın
kann  viel  Gutes  daraus  erwachsen.

140.

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  235).

Vorschlag  des  Hofraths  Buppoevs,  betreffend  die  Leseordnung  in  der
Societät  (medicinisch-physikalische  Klasse)  vom  ı.  Mai  1738.
(Akademisches  Archiv.]

Herr  HofRath  Buddeus
träget  vor,  wie  zwar  seither'o  in  den  Versammlungen  gegenwärtigen  Departements
er  so  wol  als  die  andren  Herren  Mitglieder  zuweilen  einige  zu  Papier  gebrachte
Anmerkungen,  so  zu  der  Physik  oder  zu  den  verschiedenen  Theilen  der  ınedicinischen
  Wissenschaft  gehören,  ordentlich  vorgelesen,  es  sey  aber  zum  öÖftern  geschehen,
  dafs  da  Einer  sich  auf  den  Ändern  verlalsen,  Keiner  zum  Vortrag  etwas
mit  sich  gebracht  und  daher  die  Zeit  der  Versammlungen  ohne  besondern  Nutzen
verstrichen,  indem  man  sich  nur  über  einer  und  andern  Materie  nach  vorgefallener
Gelegenheit  olıne  behörige  Vorbereitung  und  Ordnung  unterredet.

Dieses  hätte  ihn  nun  veranlafset,  auf  einen  Vorschlag  zu  denken,  dadurch
die  Versammlungen  allezeit  weit  nützlicher  und  angenehmer  werden  könnten.  Er

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