146.  Frieorica  Il.  an  den  Minister  Viereck  (11.  Juni  1740).  247

Die  Anzahl  der  Mitglieder,  so  in  Anno  1712  in  ııo  bestanden,  hat  zwar
mehr  zu  als  abgenommen,  indem  deren  anjetzt  161  gezehltet  werden;  in  der  Qualitact
aber  dürfte  vornemlich  bey  den  Einheimischen  wohl  ein  Verlust  zu  rechnen  seyn.

Dafs  übrigens  die  Anlockung  geschickter  Männer  und  die  so  nöhtige  Aemulation
  und  Anfrischung  durch  solenne  Zusammenkünfte  und  Praeinia  nicht  befordert
werden  können,  wird  sowohl  denen  von  Zeit  zu  Zeit  eingeschrenckten  Revenuön,
worunter  die  kostbare  Unterhaltung  des  Observatorii  und  Hopfen  -  Garten  zu  rechnen,
als  den  vielen  Neben-Verrichtungen  der  Vorgesetzten,  wie  auch  der  Societaet  öffters
  zugestolsene  Ungunst  zuzuschreiben  seyn.  ...

Was  nun  den  Fond  der  Societät  betrifft,  so  bestehet  selbiger  vornehmlich
in  der  Einnahme  aus  den  privilegirten  Kalendern,  und  werden  Ew.  K.  Maj.  selbige
sowohl  als  die  Ausgabe  aus  dem  in  anno  1727  von  des  höchstseel.  Königs  Maj.
allergnädigst  confirinirten,  hierbey  komınenden  Original-Etat  sich  vortragen  zu
lassen  allergnädigst  geruhen,  wobey  dennoch  zu  erinnern  ist,  dals  selbiger  sich
nach  der  Zeit  sowohl  in  der  Einnahme  wegen  des  abgenommenen  Debits  der  Kalender
  als  in  der  Ausgabe  wegen  einiger  auf  allergnädigsten  K.  Befehl  zugesetzter
Besoldungen  alteriret,  wannenhero  eine  kurtze  Nachweisung  der  jetzigen  Beschaflenheit
  von  Einnahme  und  Ausgabe  besonders  allerunterthänigst  überreichen  wollen.

Übrigens  ist  Ew.  K.  M.  höchst  berühmte  gnädige  Intention  vor  die  Aufnahme
der  Wissenschafften  so  bekant  und  weltkundig,  dafs  derselben  das  Wort  zu  reden
oder  einige  ohnmalsgebliche  allerunterthänigste  Vorschläge  zu  thun,  eine  Verwegenheit
  seyn  würde,  wie  dann  auch  meine  bisherige  Verwaltung,  welche  aller  treuen
Intention  ungeachtet,  bey  denen  zumahlen  fast  übermäfsigen  andern  Verrichtungen,
nicht  anders  als  gantz  unzureichlich  seyn  können,  zu  Ew.  K.  M.  Füssen  legen  und
Alles  Dero  allerhöchsten  anderwärtigen  Verfügung  allerunterthänigst  unterwerfen
wollen.  Den  9.  Juni  1740.

Viereck.

NB.  Das  Concept  trägt  den  Vermerk  von  Vırrecr’s  Hand:  -Selbigen  Abends  auf

Rheinberg  gesand«.

146.

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  250).

Frıieprıca  Il.  an  den  Minister  von  VıEREcK  (Iı.  Juni  1740).

[Concept  im  Geheimen  Staatsarchiv;  Original  im  Akademischen  Archiv,
Abschrift  in  den  Sitzungs  -  Protokollen.]

Mein  lieber  Etats-Minister  von  Viereck,  Nachdem  Ich  den  Inhalt  Eures
Berichtes  von  der  Einrichtung  und  Fonds  der  Societät  derer  Wissenschafften  nebst
dem  Etat  über  die  Einnahme  und  Ausgabe  bey  solcher  ersehen  habe,  so  habe  ich
darauf  resolviret,  dals  in  letzterem  von  nun  an  die  odiöse  Ausgabe  »Vor  die  sänıtlichen
  Königlichen  Narren-  cessiren,  dahingegen  die  davor  ausgesetzt  gewesene
jährliche  200  Thlr.  der  bekandte  Professor  der  Mathematique  in  Berlin,  Naude,
hinwiederum  haben  soll.  Ich  werde  auch  noch  ferner  vor  obgedachte  Societät  alle
Vorsorge  tragen  und  derselben  von  Meine  Hulde  und  Protection  reelle  Marque  zu

geben  nicht  ermangeln.
Ich  bin

Euer  wohlaffectionirter  König
Friederich.
Ruppin,  d.  ıı.  Junii  1740.

NB.  Aın  6.  Juli  1740  verfügte  der  König,  dass  GrABEN  vox  Stein  sein  Tractament  für
den  Juni  noch  ausgezalılt  erhalten  solle,  weiter  aber  nicht.