250  148.  Cur.  Wouırr’s  Berufung  an  die  zu  gründende  Akademie  (1740).

mir  meine  Ideen  aufkläre  (so  aber  in  privatissimis,  die  ich  deswegen  längst  abandonniret,
  nach  meinem  Naturel  sich  nicht  will  thun  lassen),  dieselbe  conservire  und
familiär  mache,  so  bin  in  dem  Stande,  ıneine  Bücher  wie  einen  Brief  gleich  aus  der
Feder  in  Connexion  hinzuschreiben  [es  folgt  eine  hochmüthige  Bemerkung  über
L£iısnızens  Methode,  seine  Bücher  zu  schreiben,  die  ınit  den  Worten  schlielst:  »Leibniz
gestund  auch  gegen  mich,  es  fehlete  ihın  an  der  Deutlichkeit,  weil  er  durch  Dociren
sich  nicht  Alles  so  klar  und  geläufig  gemacht  hätte-].  Ich  möchte  wohl  wünschen,
dafs  S.  K.  Maj.  hiervon  einige  Information  haben  möchten,  ehe  Sie  allergnädigst
resolvirten,  damit  nicht  etwas  unternommen  würde,  dadurch  Dieselben  ihre  allergnädigste
  Intention  nicht  erreichten,  oder  welches  mir  auch  gar  zu  einiger  Ungnade
ausschlagen,  oder  auch  meiner  Conservation  und  Vollführung  meiner  Arbeit  hinderlich
sein  könnte.«

Am  19.  Juni  berichtete  RrEınp£ck  gewissenhaft  auf  Grund  dieses  Schreibens
an  den  König  (Büscnıns  1  S.67ff.).  Dieser  resolvirte  (Bd.I  S.69.  vergl.  CEuvres
T.  27,  3  p.  186)  am  ıg9.  oder  2o.  Juni  trotzdem:

»Ich  habe  aus  Eurem  Schreiben  vernommen,  wie  der  Regierungs-Rath  Wolff
Meine  Dienste  annehmen  will,  welches  Mir  lieb  ist.  Ich  bin  entschlossen,  ihn  in
Berlin  zum  Aufnehmen  der  Societät  der  Wissenschaften  zu  placiren,  und  kann  er
daselbst  gleichfalls  seine  Lectiones  halten,  weil  es  ihın  an  Zuhörern  nicht  fehlen
wird.  Ich  will  ihm  auch  ein  Tractaınent  von  2000  Thalern  geben,  wobei  er  sein
gutes  Auskominen  und  zugleich  mehrere  Bequemlichkeiten  als  zu  Marburg  haben
dürfte.  Ihr  könnt  ihm  davon  Nachricht  geben  und  Ich  bin

Euer  wohlaffectionirter  König.«

[Nachschrift,  eigenhändig]:  Wenn  der  Wolff  hier  kommen  wird,  so  hat  es
keine  Schwierigkeit,  denn  unsere  Akademie  muls  nicht  zur  Parade,  sondern  zur
Instruction  sein.«

Dieses  königliche  Schreiben  sandte  REınseck  am  2ı.  Juni  an  WoLrr  und  fügte
von  sich  aus  hinzu  (Büscumns  1  S.70f.):  »Ich  sähe  nun  um  sehr  vieler  wichtigen
Ursachen  willen  von  Herzen  gern,  dals  Sie  hier  zu  uns  nach  Berlin  zu  kommen
sich  entschliessen  möchten.  Es  wird  Ihnen  hier  an  Gelegenheit  Collegia  zu  halten
nicht  fehlen,  zumal  da,  wie  ich  von  dem  Herrn  Eller  [dem  Leibarzt]  vernommen,
S.  K.  Maj.  Ihre  eigentliche  Intention  nunmehro  dahin  geäussert  haben,  dafs  Sie  hier
eine  Academie  royale  aufrichten,  und  in  derselben  von  auswärtigen  geschickten
Männern  alle  Partes  Philos.  dociren  lassen  wollen,  damit  Junge  von  Adel  und
Andere  was  Rechtschaffenes  lernen  könnten.  Zu  dem  Ende  wollen  S.  Maj.  ein
grosses  Palais  mit  einem  ÖObservatorio  bauen  lassen,  wozu  schon  ein  bequeiner
und  der  Lage  nach  sehr  angenelimer  Platz  erwählet,  und  an  die  Cammer  Ördre
ergangen  ist,  die  gehörigen  Bau-  Materialien  herbey  zu  schaffen.  Von  dieser  Academie
  aber  wollen  S.  K.  Maj.  selbst  Präses  seyn,  damit  die  Schande,  welche  durch
den  einigen  Hofnarren  bisher  gegebenen  Titul  eines  Präsidis...  ausgetilget  werde.
Wie  dann  auch  einige  Jahre  her  die  Societät  der  Wissenschaften,  unter  der  Rubric
für  die  Königl.  Hofnarren,  einige  100  Rtthlr.  aus  ihren  Fonds  hat  hergeben  müssen«.
Es  folgen  noch  einige  Bemerkungen  über  den  Charakter,  den  Worrr  erhalten  soll,
Gehalt  und  Umzugskosten.  Reıngeck  erklärt  in  freundlichster  Weise,  das  Alles
müsse  erst  befriedigend  erledigt  sein,  bevor  ıman  von  ihm,  Worrr,  eine  definitive,
bejahende  Antwort  erwarten  könne.

Worrr  betont  in  seinem  Antwortsschreiben  v.  29.  Juni  (Büscuıng  1  S.  72  ff.)
aufs  Neue  seine  günstige  pecuniäre  Lage  in  Marburg  und  den  hohen  Rang,  den
er  hier  bekleide.  Er  weist  weiter  darauf  hin,  dass  er  nun  38  Jahre  docire  und
überall  nicht  nur  für  den  geborenen  Universitätsprofessor  gelte,  sondern  auch  für
einen  Mann.  der  Universitäten  in  Aufnahme  zu  bringen  geschickt  sei.  Er  wünscht