252  148.  Cnr.  Worrr's  Berufung  an  die  zu  gründende  Akademie  (1740).

und  aus  deın  Stande,  Ihro  Maj.  dem  Könige  und  dem  Publico  nützliche  Dienste
zu  thun,  kommen,  wenn  ich  mich  bey  ıneinen  jetzigen  Jahren  wider  mein  Naturel
ganz  eine  andere  Lebensart  angewölnte,  und  da  es  unmöglich  ist,  dafs  die  von
Sr.  Maj.  intendirte  Acadeınie  der  Wissenschaften  so  bald  in  einen  erwünschten
Stand  sich  bringen  lässet,  so  lange  müssig  liegen  sollte.  Sollten  höchstgedachte
Ihro  Maj.  allergnädigst  belieben,  ıneine  wenige  Einsicht  bey  deren  Einrichtung  zu
gebrauchen,  so  könnte  Solches  von  Halle  aus  so  gut  als  in  Berlin  geschehen,  und
auf  erhaltenen  Befehl  würde  ohnedem  mich  auch  persöhnlich  daselbst  einfinden
müssen.  Dieser  für  den  König  geschriebene,  ostensible  Brief  schliesst  mit  den
bestimmten  Worten:  »Ich  zweitle  also  nicht,  dafs  Ihro  Maj.  der  König  mich  nach
Halle  zu  rufen  allergnädigst  geruhen  werden,«  u.  s.  w.

Auf  einem  nur  für  Reınseck's  Augen  bestimmten,  beigelegten  Zettel  spricht
sich  aber  Woırr  über  des  Königs  akademische  Pläne  also  ans:

»Ich  getraue  ınich  durch  Demonstrationes  (!)  zu  erweisen  (welches  blos  in
Vertrauen  schreibe),  dafs  S.  Maj.  Dero  ruhmwürdigste  Intention  mit  der  Academie
des  sciences  nicht  erreichen  werden.  Die  bisher  vocirte  Personen  sind  mir  gar
wohl  bekannt,  und  weils  ich  eine  jede  nach  ihrem  Wehrt  zu  aestüniren;  man  kann
sie  auch  wohl  bey  einer,  nach  dem  Pariser  Fufs  eingerichteten  Academie  des  sciences
gebrauchen,  um  die  Societät  der  Wissenschaften  in  gleiches  Ansehen  mit  andern  zu
setzen.  Allein  da  er  seine  Academiciens  zum  Dociren  gebrauchen  will,  damit  die
Menschen  vernünftig  werden  und  vernünftige  Principia  fassen,  werden  höchstdieselben
durch  die  bereits  vocirten  und  andre  dergleichen  Personen  ihren  Zweck  nimmermehr
  erreichen,  und  ınag  ich  mich  wegen  des  Erfolgs  nicht  weiter  expliciren,
wobey  ich  viel  von  meiner  Ehre  hazardiren  dürfte  und  ınanche  unruhige  Stunde
haben  würde.«  Doch  erklärt  er  sich  bereit,  wenn  der  König  darauf  bestehen  würde,
nach  Berlin  —  als  einfacher  Academicien  —  zu  kommen,  wenn  er  3000  Thlr.  erhalte.
  »Wenn  Ew.  Hochw.  vermeineten,  dals  man  es  als  eine  Providenz  Gottes  ansehen
  könnte,  defsen  verborgne  Wege  wir  nicht  allemal  voraus  sehen  können,  so
will  ich  mich  auch  in  diesem  Stück  überwinden  und  können  Ew.  Hochw.  die  Vocation
als  auf  ihre  Verantwortung  ausfertigen  lassen..«

Es  war  nicht  leicht  für  REınpeck,  den  König  von  Worrr's  Stimmungen  und
Wünschen  in  Kenntniss  zu  setzen.  Er  that  es  in  der  geschicktesten  Weise  und
als  ein  ehrlicher  Makler  (Büscuıne  1  S.  83ff.)  am  27.  Juli,  noch  bevor  er  die
Schreiben  Worrr's  voın  27.  Juli  und  3.  August  erhalten  hatte!.  »Der  R.  R.  hat
sich  abermals  erkläret,  dafs  in  Ew.  K.  M.  Dienste  er  gerne  treten  wollte;  nur  hat
er  von  der  zu  stiftenden  Academie  royale,  und  was  er  bey  derselben  für  eine
Personage  abgeben  sollte,  noch  gar  keinen  rechten  Concept.  Er  stehet  in  den
Gedanken,  es  würde  ihm  noch  ein  andrer  Academicien  vorgesetzt  werden,  er  kann
sich  in  das  Prädicat  Academicien  nicht  finden.-  Hierauf  führt  Reiınweck  aus,  dass
Worrr  auch  das  Gehalt  von  2000  Thlr.  als  Verschlechterung  beurtheile  und  richtet
dann  an  den  König  folgende  Fragen:

I.  »Ob  Ew.  K.  Maj.  Meinung  sey,  dafs  er  hier  bey  der  Academie  royale  noch
unter  einem  andern,  als  unter  Ew.  K.  Maj.  stehen  solle?«

2.  »Wenn  dieses  nicht,  ob  Ew.  K.  Maj.  ihm  nicht  ausser  dem  Prädicat  eines
Geh.  Ratlıs  auch  den  Titul  entweder  eines  premier  Professeurs  oder  Vice  -  Präsidenten
oder  auch  Directeurs  de  l’Academie  royale  beylegen  wollten?

3.  »Ob  Ew.  K.  Maj.  ihn  nicht  von  allen  Privat-Informationen,  dazu  er  gar
keine  Lust  hat,  allergnädigst  dispensiren,  und  dagegen  Freiheit  geben  wollen,
publice  gegen  Erlegung  eines  Honorarii,  zu  dociren,  was  und  so  viel  ihm  beliebet?-!

  Das  Schreiben  Woı.rr’s,  auf  dem  Reixgeek’s  Bericht  an  den  König  fusst,  fehlt  uns,
s.  die  vorige  Anmerkung.