148.  Cur.  Worrr’s  Berufung  an  die  zu  gründende  Akadeınie  (1740).  253

4.  »Ob  Ew.  K.  Maj.  die  Pension  von  2000  Thlr.  nicht  etwan  wenigstens  auf
3000  Thir.  erhöhen  wollten?«

5.  »Und  da  sein  Transport  wegen  seiner  Bibliothec  und  Instrumenten  leicht  auf
1000  Thlr.  zu  stehen  kommen  dürfte;  was  Ew.  K.  Maj.  dieserwegen  resolviren  mögen?«

Diesen  Fragen  schickt  aber  Reınzeck  folgenden  »anderweitigen  allerunterthänigsten
  Vorschlag«  unmittelbar  nach:

»Hr.  Wolf  will  gerne  wieder  naclı  Halle,  weil  er  daselbst  den  meisten  Nutzen
schaffen  zu  können  vermeinet.  Wenn  Ew.  K.  Maj.  ihm  nun  daselbst  die  offerirte
Pension  und  den  Titul  eines  Geh.  Rath  und  Vice-Canzlers  geben,  so  glaube  ich,
dafs  er  je  eher  je  lieber  hingehen  würde.  Wenn  er  denn  erst  da  wäre,  und  es
würde  hernach  die  Academie  royale  hier  zum  Stande  gebracht,  so  könnte  Ew.  K.
Maj.  ihn  ınit  Erweisung  einiger  neuen  Douceurs  leicht  hier  haben,  und  er  würde
einen  ganzen  Schwarin  von  vornehmen  und  bemittelten  Studiosis  hierher  mitbringen.
Daher  entsteht  die  allerunterthänigste  Anfrage:  Was  Ew.  K.  Maj.  etwan  wegen  dieses
Puncts  allergnädigst  resolviren  ınögten?«

Dieser  kluge  Vorschlag  fand  den  Beifall  des  Königs  um  so  leichter,  als  der
Monarch  selbst  einsehen  musste,  dass  zunächst  Einer  mit  der  Einrichtung  der  Akademie
  zu  betrauen  sei,  Mauperttıs  oder  WorLrr;  Matvepertvis  aber  war  schon  gewonnen.
  So  gab  er  in  den  ersten  Tagen  des  August  Reınseck  folgenden  grossmüthigen
  und  liebenswürdigen  Bescheid  (Büscnıns  1  S.  85):

»Nachdem  ich  aus  eurer  Vorstellung  vom  27.  v.  M.  mit  mehrern  ersehen  habe,
was  vor  Erläuterungen  der  R.  R.  Wolf  über  den  ihm  zugedachten  Posten  eines
Academicien  von  der  zu  stiftenden  Academie  royale  zu  haben  verlanget  hat,  so
gebe  ich  euch  darauf  in  Antwort,  wie  dafs  alle  dessen  Bedenklichkeiten  von  selbsten
wegfallen  werden,  so  bald  er  von  der  eigentlichen  Einrichtung  solcher  Academie
informiret  sein  wird.  Da  aber  die  Sache  noch  zur  Zeit  nicht  so  weit  gekommen
ist,  dafs  ihın  davon  eine  detaillirte  Explication  gegeben  werden  könnte,  so  habe
ich  inzwischen  meine  Intention  mit  ihn  dahin  gerichtet,  dals  ich  denselben  vorerst
wieder  nach  Halle  vociren,  und  ihm  dabey  das  Prädicat  vom  Geh.  Rath  und  Vice-Canzler
  der  Universität  nebst  eineın  Gehalt  von  2000  Thlr.  jährlich  geben  will...
Wenn  hiernächst  alsdann  die  Academie  royale  zu  Stande  gebracht  sein  wird,  werde
mich  seiner  gewils  erinnern  und  es  dergestalt  mit  ihm  halten,  dafs  er  hoffentlich
seine  Zufriedenheit  dabey  finden  soll.  Ihr  habt  ihm  also  dieses  Alles  zu  eröfnen,
damit  er  sich  finaliter  erklären  könne«  u.  s.  w.

Woırr  hatte  nun,  was  er  begehrte.  Am  10.  August  richtete  er  sein  Dankschreiben
  an  den  König;  an  demselben  Tage  schrieb  er  Reınzeck  (Büscnıns  1  S.  86  ff.),
wenn  der  König  die  Schwierigkeiten  erfahren  werde,  dero  höchst  rühmenswürdige
Intention  bei  der  Academie  royale  zu  erreichen,  werde  er  ihn  selbst  lieber  in  Halle
als  in  Berlin  sehen.  Aber  noch  in  der  Vocation  Worrr's  nach  Halle  (12.  August,
BüöscninG  1  S.88f.)  stehen  die  Worte:  »Wobey  S.K.M.  sich  vorbehalten,  ihn  demnächst
  mit  anständigen  Conditionen  nach  Berlin  zu  ziehen  und  daselbst  zu  placiren«.
Welche  Schwierirkeiten  es  dann  noch  hatte,  Worrr  aus  dem  hessischen  Staatsdienst
  herauszuziehen,  kann  man  bei  Büscnixe  1  S.  89  ff.  nachlesen.

Zu  der  vom  Könige  geplanten  neuen  Akademie  konnte  Worrr  kein  Zutrauen
fassen.  Von  den  Ausländern,  die  Frirnkıch  heranzog,  dachte  er  gering,  theils  aus
sehr  ungerechtfertigtem  Hochmuth  —  denn  er  hielt  sich  selbst  für  den  grössten
Gelehrten  und  beurtheilte  alle  wissenschaftlichen  Methoden  gegenüber  der  seinigen
als  inferior  —,  theils  auch  aus  guten  Gründen.  Im  August  1740  schrieb  er  an  den
Grafen  MaxrerrreL  (Böscnins  I  S.  100):  »Aus  Ew.  Exec.  gnädigen  Schreiben  v.
23.  Aug.  habe  ungern  ersehen,  dals  Höchstdieselbe  der  Meinung  sind,  es  werde
Algarottii  um  den  König  verbleiben.  Es  thut  mir  leid,  dafs  man  Ihro  Maj.
einen  Mann  von  dergleichen  calibre  recommendiret«.  Und  am  23.  November  1740