282  1705.  Heusnorrz,  Entdeckungsgeschichte  des  Prineips  der  kleinsten  Action.

Ceci,  Monsieur,  n’est  donc  point  mon  affaire;  je  n'y  suis  implique  que  comme
Membre  de  l’Acadeniie.  C'est  l’affaire  de  la  Compagnie,  qui  assurement  est  en  droit
d’exiger  de  Vous  de  produire  l’Original  d’une  Lettre  qui  interesse  ses  Membres,
on  de  juger  a  cet  egard  de  Vötre  impuissance:  et  elle  veut  bien  attendre  encore
un  ınois  cette  production.  |

J’ai  Yhonneur  etc.
Maupertuis.

1702.

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  333).

H.  vox  Herunorrz,  Rede  über  die  Entdeckungsgeschichte

des  Princips  der  kleinsten  Action.
|Ungedruckt.]!

Mir  ist  der  ehrenvolle  Auftrag  zu  Theil  xeworden,  den  wissenschaftlichen
Vortrag  in  dieser  Sitzung  zu  halten.  Nach  den  Statuten  sollte  dazu  einer  der  Vorträge
  aus  den  ordentlichen  Sitzungen  der  Akademie  dienen.  Indessen  würde  ich
fürchten  die  Geduld  dieser,  doch  überwiegend  aus  Nicht  -  Mathematikern  bestehenden
Versammlung  zu  sehr  in  Anspruch  nehmen  zu  müssen,  wenn  ich  dieser  Vorschrift
wortgetreu  nachkommen  wollte.  Deshalb  bitte  ich  um  die  Erlaubnifs,  meine  Aufgabe
  etwas  anders  fassen  zu  dürfen.

Während  der  letzten  Jahre  haben  sich  ıneine  Arbeiten  auf  die  Anwendungen,
den  Sinn  und  den  Gültigkeitsbereich  eines  grofsen  allgemeinen  Naturgesetzes  bezogen,
  welches,  im  vorigen  Jahrhundert  zuerst  gefunden,  allmälig  an  Wichtigkeit
und  in  seinem  Geltungsbereiche  gewachsen  ist,  nämlich  das  sogenannte  Princip
der  kleinsten  Action.  Meine  Untersuchungen  führten  mich  dazu,  die  alte
Litteratur  durchzusehen,  wobei  ich  eine  der  seltsamsten  Geschichten  kennen  lernte
für  die  Art,  wie  eine  bedeutende  Wahrheit  entdeckt  werden  kann.  Da  uns  diese
Geschichte  zugleich  in  die  Zeit  des  grofsen  Königs  zurückführt.  dessen  Andenken
die  heutige  Feier  gewidıinet  ist,  und  unter  sehr  lebhafter  Theilnahme  desselben  sich
abgespielt  hat,  möchte  ich  Ihnen  hauptsächlich  diese  Entdeckungsgeschichte  vortragen,
  und  von  den  Ergebnissen  meiner  sachlichen  Untersuchungen  nur  so  viel
hinzufügen,  als  zur  Beurtheilung  der  Sachlage  erforderlich  ist.

Allgemeingültige  Gesetze  der  Mechanik  waren  schon  zu  Newton’s  Zeiten  so
weit  entdeckt.  dafs  aus  ihnen  die  ganze  Lehre  von  den  Bewegungen  der  wägbaren
Körper  hergeleitet  werden  konnte.  Ich  rechne  dahin  das  allgemeine  Gesetz  des
Gleichgewichts,  welches  unter  dem  Namen  des  Prineips  der  virtuellen  Geschwindigkeiten
  bekannt  ist,  das  Gesetz  der  Trägheit  alles  schweren  Stoffes,  das  Gesetz  der
Gleichheit  von  Action  und  Reaction  und  Newton’s  Bewegungsgesetze,  deren  physikalischer
  Sinn  wesentlich  darin  liegt,  dafs  sie  die  gegenseitige  Unabhängigkeit  der  Beschleunigungen,
  welche  die  Bewegung  einer  trägen  Masse  gleichzeitig  aus  verschiedenen
Ursachen  erleiden  kann,  von  einander  aussprechen.  Diese  Gesetze  genügten,  un
daraus  das  bewunderungswürdige  System  der  ınodernen  Astronomie  zu  entwickeln
an  welche  sich  die  übrigen  Theile  der  Dynamik  anschlossen.

Aber  neben  dieser  Mechanik  der  wägbaren  Körper  kannte  die  Physik  noch
eine  Reihe  andrer  Vorgänge  und  Wirkungen,  die  sich  nicht  so  einfach  unter

I  Diese  Rede,  deren  Abdruck  Frau  vox  Hersmortz  gütigst  gestattet  hat,  fand  sich
in  dem  litterarischen  Nachlass  des  Hrn.  vox  Heınuorrz  mit  dem  Vermerk:  »Nicht  gedruckt.
weil  nachträglich  erfahren,  dafs  schon  behandelt“.  Gemeint  ist  die  Vorlesung  von  Anorr  MAYER
über  dieses  Thema  (s.  Bd.  I  dieser  »Geschichte«  S.  334).  Dass  die  Rede,  die  am  27.  Januar
1887  in  der  öffentlichen  Sitzung  der  Akademie  gehalten  worden  ist,  nun  doch  noch  im  Druck
erscheint,  bedarf  keiner  Rechtfertigung.