172.  FrieoricH  II.  über  den  Streit  Vorrame’s  und  Maturerteis’.  303

»Der  seltsame  Streit  zwischen  dem  Präsidenten  der  Akademie  zu  Berlin  und
dem  Rath  und  Prof.  König  in  Holland  wird  bei  Ihnen  auch  wohl  nicht  unbekannt
  sein,  da  er  aller  Orten  ein  so  grofses  Aufsehen  macht.  Doch  wollte  ich
wünschen,  dals  er  niemalen  wäre  angereget  worden,  da  insonderheit  sich  einige
darein  geinenget,  die  nur  auf  eine  Prostitution  ihre  Absicht  gerichtet,  und  mir  ist
insonderheit  nicht  lieb,  dals  Hr.  Euler  sich  dabei  gleichfalls  so  vergehet.  Ich  wollte,
dais  die  Gelehrten  doch  die  Moral  besser  lernten  und  dieselbe  practicirten.  Ich
vermeine  dazu  in  meinem  Werke  genug  Unterricht  gegeben  zu  haben;  allein  man
siehet  die  Wissenschaften  noch  nicht  mit  solchen  Augen  an,  dafs  man  erkennte,
was  zur  Glückseligkeit  des  menschlichen  Geschlechts  am  nöthigsten  wäre.«

112.
(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  330).

Frirpricna's  Il.  Erzählung  betreffend  den  Streit  zwischen  VoLraırE
und  MaAuperteiıs  (nach  pe  Cırr’s  Bericht).
[B:scuorr,  Gespräche  Frıienorich’s  des  Grossen  mit  H.  ne  Carr  u.  s.w.  Leipzig  1885.  S.71  .]

...Da  ich  gerade  bei  Voltaire  bin,  will  ich  Ihnen  seinen  Streit  mit  Maupertuis
  erzählen.  Während  eines  meiner  Soupers  war  Voltaire  unendlich  liebenswürdig;
  er  überbot  sich  selbst  in  reizenden  Erzählungen,  während  Maupertuis
stumm  wie  ein  Fisch  war.  Als  das  Souper  vorüber  war,  gingen  Voltaire,  Maupertuis,
d’Argens  und  zwei  Officiere  in  meineın  Garten  spazieren;  der  Marquis  und  die
Öffieiere  sagten  zu  Voltaire:  »Wie  entzückend  Sie  heute  bei  dem  Souper  waren,
wie  Justig  Sie  uns  unterhalten  haben;  nicht  wahr,  Hr.  v.  Maupertuis?«  »Nein  mich
hat  er  zu  Tode  gelangweilt.  »Das  überrascht  mich  nicht,«  sagte  Voltaire,  »Sie
sind  auch  ein  Mensch  zum  Laugweilen.«e  Hine  lites,  mein  Lieber,  hince  Akakia.

Der  Spitzbube  hatte  mir  feierlich  versprochen,  dafs  er  diese  Schmähschrift,
in  der  übrigens  viel  Geist,  viel  Wahrheit  und  viel  guter  Witz  steckte,  nicht  würde
drucken  lassen,  ja  er  hatte  mir  dieses  Versprechen  sogar  schriftlich  gegeben,  und
was  thut  der  Schlingel?  Er  schickt  sie  ruhig  zum  Drucker.

Gereizt  über  diese  Hinterlist,  fortgerissen  von  einer  Aufwallung  des  Zornes,
lies  ich  die  Schmähschrift  verbrennen;  als  der  Act  vollzogen  war,  that  es  mir
leid,  wie  es  mir  überhaupt  nachlıer  leid  gethan  hat,  dafs  ich  mich  in  die  litterarischen
  und  akademischen  Zänkereien  jener  beiden  Narren  eingemischt  habe.
Um  das  geschehene  Unheil  wieder  einigermassen  gut  zu  machen  und  Voltaire  zu
beschwichtigen,  schickte  ich  ihm  den  Abbe  des  Prades  auf  den  Hals,  mit  dem
Auftrag,  ihm  Verbindlichkeiten  zu  sagen  und  mir  Bericht  darüber  abzustatten,  in
welcher  Weise  er  sie  aufgenommen  habe.  Der  Abbe  tritt  ein.  Voltaire  geht  mit
wiüthender  \Miene  auf  ihn  los,  die  Miene  wird  noch  wüthender,  als  der  Abbe  ihm
die  Complimente  vom  Könige  ausrichtet.  »Wie  kann  er  verbrennen  lassen,  was
ich  schreibe!  Wie  koınınt  er  dazu,  ınir  dieses  Bürschlein  vorzuziehen,  diesen  Lappländer,
  den  Maupertuis,  ınir,  der  ich  mit  dem  Könige  von  Frankreich,  meinem
Herrn,  so  gut  stand,  dem  ich  dummerweise  diesen  Vandalen-König  vorgezogen
habe,  in  dessen  Auftrage  Sie  kommen.  So  ein  Schuft!  Der  Erzherzog  Joseph
wird  mich  rächen.  Der  Abbe  kam  nach  diesem  schönen  Auftritt  zu  mir  und  erzählte
  mir  alles  haarklein  wieder;  ich  lachte  aus  vollem  Herzen.  Tags  darauf
schickte  ich  den  Abbe  von  Neuen  hin,  um  mich  nach  dem  Befinden  meines  Treulosen
  erkundigen  zu  lassen,  der  es  wulste  oder  es  sich  dachte.  dals  der  Abbe
noch  einmal  kominen  würde.  Was  that  da  der  Verfasser  der  Merope?  Er  lälst
ein  Bad  herrichten,  läfst  Suppenkräuter  hineinwerfen  und  schreit,  als  der  Abbe