338  188.  A.v.HumpoLor,  Aufsatz  über  die  Reorganisation  der  Akademie  (107).

188.

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  571).

Aus  ALEXANDER  von  Uunmsoıopr's  Aufsatz  über  die  in  der  Akademie
der  Wissenschaften  vorzunehmenden  Veränderungen
(2.  Noveinber  1807).
[Original  von  HunsoLpr’s  Hand,  sowie  ein  Auszug  von  Biester  im  Akademischen  Archiv;
es  sind  Gedanken,  die  er  auf  Ersuchen  Hırr’s  und  Kırın’s  zu  den  von  ihnen  geäusserten
Reorganisationsideen  niedergeschrieben  hat:  nur  die  Einleitung,  die  geringeres  Interesse  bietet,
ist  fortgelassen.]

....So  wenig  Vertrauen  ich  also  selbst  in  meinen  Ratlı  über  das  Einzelne
setze,  so  bin  ich  doch  von  dem  Gedanken  innigst  durchdrungen,  dafs  eine  gute
Verfassung  wichtiger  ist  als  das  durch  Geldaufwand  zu  bewirkende  momentane
Zusammentreiben  berühmter  Männer.  Eine  gute  Verfassung  entfernt  von  selbst  alle
Mittelmäfsigkeit,  sie  ladet  die  Besseren  freundlicher  ein  als  pecuniärer  Gewinn,  sie
giebt  den  Kräften  freies  Spiel,  sie  macht  den  Ruhm  einer  Akademie  unabhängig
von  der  zufälligen  Coexistenz  einzelner  Individuen.  Ich  freue  mich,  das  Bedürfnils
  einer  Organisation  allgemein  gefühlt  und  die  schädliche  Idee  entfernt  zu  sehen,
als  komme  es  nur  darauf  an,  dafs  eine  Akademie  von  einen  vom  Könige  ernannten
oder  selbstgewählten  perpetuirlichen  Präsidenten,  gleich  einem  Finanzcollegium,  in
Ordnung  gebracht  und  gehalten  würde.

Da  es  ein  nothwendiges  Übel  kleiner  oder  vielmehr  minder  zahlreicher  Akadeimieen
  bleibt,  sich  stets  in  pleno  und  nicht  klassenweise  zu  versammeln.  so  ist
die  Vervielfältigung  in  Klassen  weniger  wichtig.  Man  inöchte  Naturbeschreibende
Disciplinen  von  Physik  und  Chemie  und  diese  von  der  matliematischen  Klasse
trennen.  Soll  aber  jede  Klasse  einen  eigenen  Secretär  haben,  so  wird  dadurch
wiederum  eine  mindere  Anzahl  von  Klassen  wünschenswerth.

ı.  Physisch-Matliematische  Klasse.

2.  Historisch-Philologische  Klasse.

3.  Philosophische  Klasse  (in  sie  alles  Ästhetische,  Philosophie  der  Sprache,
hauptsächlich  Landessprache...  .)

4.  Klasse  der  schönen  Künste.

Könnte  nicht  die  Kunstakademie  als  4.  Klasse  auftreten,  um  eine  Akademie
der  Wissenschaften  und  Künste  als  ein  schönes  Ganzes  aufzustellen?  Aber
die  4.  Klasse  würde  nur  bei  öffentlichen  Sitzungen  mit  den  drei  vorher  genannten
  vereinigt  sein.  Sie  hätte  einen  eigenen  temporären  Präsidenten  und  ihre
eigene  Verfassung.

Ich  bin  ganz  mit  Hrn.  Klein  über  das  einverstanden,  was  er  gegen  die  allzu
strenge  Absonderung  des  akademischen  und  Geschäftslebens,  der  Theorie  und  Praxis
entwickelt  hat.  Die  Geschichte  der  Wissenschaften  lehrt,  dafs  die  wichtigsten  Werke
von  Männern  geliefert  worden  sind,  welche  vom  Staate  nicht  dazu  besoldet  waren.
den  Wissenschaften  ausschliefslich  zu  leben.  Dazu  sehe  ich  in  den  Unterabitheilungen
  der  ordentlichen  und  aufserordentlichen  Mitglieder  [NB.  Hırır  hatte  solche  vorgeschlagen]
  Keime  einer  gesellixen  Ungleichheit,  welche  wissenschaftlichen  Vereinen
schadet.  Warum  sollen  die  ordentlichen  Mitglieder  einen  höheren  Senat  in  der  Akademie
  bilden,  von  dem  der  minder  Besoldete,  z.  B.  Lagrange,  als  Geschäftsmann
(Senator)  ausgeschlossen  ist?  [Hussorpr  denkt  an  Paris].  In  der  Gleichheit,  welche
im  National-Institut  unter  allen  einheimischen  Mitgliedern  herrscht,  liegt  viel
schönes.  Ja  selbst  die  gleiche  und  geringe  Besoldung  aller  Mitglieder  drückt

darauf  hin,  dafs  der  Ruhm  in  der  Genossenschaft,  nicht  an  der  pecuniären  Belolhnung
  liewe.