189.  W.v.  HussoLor,  Rede  beim  Eintritt  in  die  Akademie  (Januar  1809).  341

189.

(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  579).

WırneLm  von  Humsoıor’s  Rede  bei  Aufnahme  in  die  Akademie
(19.  Januar  1809).
[Akademisches  Archiv,  Abschrift.)

Meine  gegenwärtige  Zurückkunft  in  mein  Vaterland  hätte  auf  keine  schönere
und  schmeichelhaftere  Weise  für  mich  bezeichnet  werden  können,  als  durch  meine
Aufnahme  in  Ihre  Versammlung,  m.  H.,  in  die  mir  heute  durch  Ihre  Güte  einzutreten
  vergönnt  ist.  Indem  ich  im  Begriff  bin,  Ihnen  für  diesen  Beweis  Ihres  Vertranens
  meinen  lebhaft  empfundenen  Dank  auszudrücken,  drängt  sich  mir  zugleich
das  Gefühl  auf,  dafs  ich,  ohne  gerechte  Ansprüche  auf  diese  ehrenvolle  Auszeichnung
zu  besitzen,  dieselbe  vorzüglich  Ihrem  Wohlwollen  schuldig  bin.  Allein  dieser  Gedanke
  selbst  erscheint  mir  um  so  erfreulicher  und  erhebender,  als  ich  melırere
Männer  in  diesem  Kreise  erblicke,  denen  ein  günstiges  Schicksal  mich  früh  nahe
führte,  und  die  mich  seit  Jahren  fortdauernd  ihrer  Theilnahme,  ihrer  Zuneigung,
ihrer  Freundschaft  würdigten.  Wenn  ich  daher  jetzt  mit  ihnen  und  mit  denjenigen
in  dieser  Versammlung,  von  welchen  mir  die  gleichen  Gesinnungen  erst  jetzt  zu
erbitten  und  künftig  zu  verdienen  zusteht,  zu  gemeinschaftlichen  Arbeiten  eingeladen
werde,  so  vereinigt  sich  in  deın  Gefühle  dieses  Vorzugs  Alles,  was  Anhänglichkeit
an  seine  Mitbürger,  Erinnerung  früherer  Jugend  und  Genufs  vertraulichen  und
freundschaftlichen  Umgangs  zugleich  Rührendes  und  Erweckendes  besitzen.  Alles
dies  aber  ergreift  doppelt  lebendig  in  der  gegenwärtigen  Zeit,  in  der  sich  jede  zum
Nutzen  des  Staats  abzweckende  Verbindung  gleichsam  von  selbst  fester  und  inniger
an  einander  schliefst.

In  eben  dieser  Zeit  gewinnen  auch  die  höchsten  wissenschaftlichen  Bemühungen
eine  noch  unmittelbar  für  das  Leben  bedeutendere  Wichtigkeit.  In  eineın  Augenblicke,
  wo  nach  langen  unglücklichen  Stürmen  die  Ruhe  und  altgewohnte  Ordnung
zurückkehrt,  wo  Vieles,  das  in  seinem  Laufe  und  seiner  heilsamen  Wirksamkeit
gestört  war,  hergestellt,  Manches  neugegründet  werden  muls,  was  kann  da  wohlthätiger,
  was  nothwendiger  sein,  als  unverbrüchlich  fest  an  Wissenschaft  und  Kunst
zu  halten,  und  das  Heiligthum  treu  zu  bewahren,  aus  dem  auf  alle,  auch  die  entferntesten
  Glieder  des  Staates,  Licht  und  Wärme  ausströmt,  welches  die  leitenden
Ideen  zu  jeder,  auch  noch  so  sehr  durch  die  Wirklichkeit  bedingten  Einrichtung
enthält,  und  auf  dem  gröfstentheils  —  ihr  köstlichster  Besitz!  —  die  Ehre  der
Nation  beruht,  die  Achtung,  welcher  die  unsrige,  auch  in  dieser  Rücksicht  (man
darf  es  mit  Zuversicht  als  Deutscher  und  als  Preufse  sagen)  seit  langer  Zeit  bei
dem  gebildeten  und  unparteiischen  Theile  Europas  zu  genielsen  gewohnt  ist?  Vereine,
wie  derjenige,  welchem  Ihre  Güte  mir  heute  mich  beizuzählen  erlaubt,  sind  freilich
als  solche  bestimmt,  vorzugsweise  gerade  die  höchsten  und  abgezogensten  Theile
der  Wissenschaft  zu  bearbeiten;  es  ist  ihr  schönes  Vorrecht,  die  Wahrheit  aus
ihren  reinsten  Quellen  zu  schöpfen;  sie  bestehen  theils  aus  Männern,  die  sich  ausschliefslich
  diesem  Geschäfte  widmen,  und  bieten  anderntheils  denen,  welchen  der
mühevollere  und  einförmigere  Beruf  des  Lebens  einen  grofsen  Theil  ihrer  Kräfte
und  ihrer  Zeit  abfordert,  einen  Zutluchtsort  dar,  wo  sie  die  einschränkenden  Bedingungen
  der  Gegenwart  vergessen  und  sich  ungestört  allein  dem  Nachdenken
und  der  Forschung  hingeben  können.  Die  Wissenschaft  aber  gielst  oft  dann  ihren
wohlthätigsten  Segen  auf  das  Leben  aus,  wenn  sie  dasselbe  gewissermalsen  zu  vergessen
  scheint.  Denn  sie  nährt  und  bildet  den  Geist,  dafs  alles,  was  er  erzeugt,
ihr  Gepräge  an  sich  trägt,  ja  sie  stimmt  ihn  dergestalt  glücklich,  harmonisch  und
wahrhaft  göttlich,  dafs  jeder  Ton  rein  und  voll  aus  ihm  hervorklingt,  dafs  sich