192.  Nırsunr’s  Dankschreiben  und  Antrittsrede  (1810).  359

werden,  dafs  zwar  der  König  künftig  gern  der  Akademie  freie  Wahl  zugestehen
würde,  dafs  er  aber  vor  ihrer  neuen  Organisation  diese  zu  suspendiren  für  gut
finde,  um  so  ınehr,  als  er  voraussetzen  könne,  dals  alle  Mitglieder  der  Akademie
in  die  Ernennung  dieser  Männer  einstiinmen  würden.  Die  Motivirung  des  Antrags
wird  nicht  schwer  sein:  der  König  hat  schon  durch  eine  Kabinets  -Ordre,  die  Sie
in  den  Acten  finden,  die  Klassen  -Secretaire  selbst  als  eine  nützliche  Einrichtung
genehmigt;  es  würde  jetzt  gleich  schädlich  sein,  mit  Einführung  derselben  bis  auf
die  neue  Organisation  zu  warten,  als  diese  zu  übereilen;  von  Castillon  mufs  gesagt
werden,  dals.  wenn  man  auch  übersehen  wolle,  dals  er  auf  keine  Weise  den  Fortschritten
  gleich  geblieben  sei,  die  seine  Wissenschaft  gemacht,  und  auch  ehemals
nicht  irgend  Bedeutendes  geleistet  habe,  er  des  Deutschen  so  wenig  mächtig  sei,
dafs  es  dringendes  Bedürfnils  werde,  ihn  sobald  als  möglich  vom  Secretariat  einer
deutschen  Akademie  zu  entfernen.  Die  auf  ihn  gefallene  Wahl  beweise  hinlänglich,
dafs  man  der  Akademie  jetzt  keine  Wahl  überlassen  könne;  auch  in  München  sei
das  Wahlrecht  suspendirt,  und  bisher  sei  der  Secretaire  perpetuel  immer  von  König
ernannt  worden.  Gehalt  muls  man  jedem  für’s  Erste  300  Thlr.  geben.  Dies  ist
da  von  den  1000  Thirn.,  die  ehemals  die  Jettons  kosteten  und  von  den  400  Thlrn.
reservirteın  Gehalt  der  Directoren  zweier  Klassen.  In  der  Folge  wird  es  auf
soo  Thir.  vermehrt.  Ist  die  Section  überall  dieser  Meinung,  so  bitte  ich  Sie  noch
zu  sagen,  dafs  der  Antrag  mit  meiner  schriftlich  geäufserten  Zustimmung  geschehe.
Dals  Castillon  Secretair  ist,  ist  wirklich  zu  himmelschreiend,  als  dafs  es  nicht  schnell
abgeändert  werden  mülstee  Er  kann  nichts  sagen,  da  er  nur  interimistisch  gewählt
  ist.....

192.
(Vergl.  Geschichte  der  Akademie  S.  592).

Nıesvur’s  Dankschreiben  für  seine  Aufnahme  (gerichtet  an  SrıLpvıng,
z1.  April  1810)  und  seine  Antrittsrede  (10.  Mai  ı8ı0).

[Akademisches  Archiv;  das  erste  Stück  Original,  das  zweite  Abschrift.]

Mein  Herr!

Die  ehrenvolle  Auszeichnung,  welcher  die  K.  Akademie  d.  W.  mich  gewürdigt
hat,  ist  für  mich  so  angenehm  als  schmeichelhaft.  Nelımen  Sie  den  Dank  an,  welchen
  ich  Ihnen  zwiefach  schuldig  bin,  als  dem,  der  diese  Auszeichnung  mir  bekannt
gemacht  hat,  und  wegen  der  von  einem  Manne  wie  Sie  vorzüglich  elırenden  Versicherung,
  dals  Sie  die  Wahl  der  Akademie  mit  Ihrem  Beifall  bestätigen.

Die  Verhältnisse  und  das  Leben  eines  Geschäftsmannes  sind  für  ihn  nicht
günstig,  um  das  wohlwollende  Vorurtheil  einer  ausgezeichneten  gelehrten  Gesellschaft
  zu  rechtfertigen:  wenn  ich  aber  auch  nicht  hoffen  darf,  die  mir  stillschweigend
  auferlegte  Verpflichtung  zu  erfüllen,  welche  jeden  Neuaufgenoimmenen  triflt:
dahin  zu  wirken,  dafs,  so  viel  an  ihm  liegt,  die  Gesellschaft  bei  dem  Wechsel
ihrer  Mitglieder  stets  in  Lebensfülle  erhalten  werde,  —  so  werde  ich  auf  die  billige
Nachsicht  der  Gesellschaft  rechnen,  deren  Wohlwollen  und  Güte  ich  erfahren  habe.
Ich  empfehle  mich  Ihnen  hochachtungsvoll.

Berlin,  den  21.  April  1810.  Niebuhr.

Meine  Herren!
Ich  trete  in  Ihre  Versammlung  mit  einem  lebhaften  Gefühl  der  Ehre,  welche
Ihre  Wahl  mir  erzeigt  hat,  und  des  Danks,  zu  dem  sie  mich  verpflichtet.
Wenn  die  Aufnahme  in  eine  gelehrte  Gesellschaft  immer  schmeichelhaft  ist,
so  ist  es  besonders  ehrenvoll  und  erfreulich,  ihrer  zu  einen  Zeitpunkt  würdig  ge-