193.  Wırners  von  HussoLor’s  Denkschrift  (September  1809—1810).  363

Um  nun  auf  immer  diesen  Abweg  zu  verhüten,  braucht  man  nur  ein  dreifaches
  Streben  des  Geistes  rege  und  lebendig  zu  erhalten:
einmal  Alles  aus  eineın  ursprünglichen  Princip  abzuleiten  (wodurch  die
Naturerklärungen  z.B.  von  mechanischen  zu  dynamischen,  organischen
und  endlich  psychischen  im  weitesten  Verstande  gesteigert  werden);
ferner  Alles  einem  Ideal  zuzubilden;
endlich  jenes  Princip  und  dies  Ideal  in  Eine  Idee  zu  verknüpfen.

Allerdings  läfst  sich  das  geradezu  nicht  befördern,  es  wird  aber  auch  Niemand
  einfallen,  dafs  unter  Deutschen  dies  erst  befördert  zu  werden  brauchte.  Der
intellectuelle  Nationalcharakter  der  Deutschen  hat  von  selbst  diese  Tendenz,  und
man  braucht  nur  zu  verhüten,  dafs  sie  nicht,  sei  es  mit  Gewalt  oder  durch  einen
sich  freilich  auch  findenden  Antagonismus,  unterdrückt  werde.

Da  jede  Einseitigkeit  aus  den  höheren  wissenschaftlichen  Anstalten  verbannt
sein  mufs,  so  werden  natürlich  auch  viele  in  denselben  thätiz  sein  können,  denen
dies  Streben  fremd,  einige,  denen  es  zuwider  ist;  in  voller  und  reiner  Kraft  kann
es  überhaupt  nur  in  wenigen  sein;  und  es  braucht  nur  selten  und  nur  hier  und
da  wahrhaft  hervorzutreten,  um  weit  umher  und  lange  nachher  zu  wirken;  was
aber  schlechterdings  immer  herrschend  sein  mufs,  ist  Achtung  für  dasselbe  bei  denen,
die  es  ahnen,  und  Scheu  bei  denen,  die  es  zerstören  möchten.

Philosophie  und  Kunst  sind  es,  in  welchen  sich  ein  solches  Streben  am
meisten  und  abgesondertsten  ausspricht.  Allein  nicht  blofs  dafs  sie  selbst  leicht
entarten,  so  ist  auch  von  ihnen  nur  wenig  zu  hoffen,  wenn  ihr  Geist  nicht  gehörig,
  oder  nur  auf  logisch  oder  mathematisch  formale  Art  in  die  anderen  Zweige
der  Erkenntnils  und  Gattungen  der  Forschung  übergeht.

Wird  aber  endlich  in  höheren  wissenschaftlichen  Anstalten  das  Prineip  herrschend:
  Wissenschaft  als  solche  zu  suchen,  so  braucht  nicht  mehr  für  irgend  etwas
Anderes  einzeln  gesorgt  zu  werden.  Es  fellt  alsdann  weder  an  Einheit  noch  Vollständigkeit,
  die  eine  sucht  die  andere  von  selbst  und  beide  setzen  sich  von  selbst,
worin  das  Geheimnils  jeder  guten  wissenschaftlichen  Methode  besteht,  in  die  richtige
  Wechselwirkung.

"ür  das  Innere  ist  alsdann  jede  Forderung  befriedigt.

Was  nun  aber  das  Äufsere  des  Verhältnisses  zum  Staat  und  seine  Thätigkeit
dabei  betrifft,  so  hat  er  nur  zu  sorgen  für  Reichtlum  (Stärke  und  Mannigfaltigkeit)
an  geistiger  Kraft  durch  die  Walıl  der  zu  versammelnden  Männer  und  für  Freiheit
in  ihrer  Wirksamkeit.  Der  Freiheit  droht  aber  nicht  blofs  Gefahr  von  ihm,  sondern
  auch  von  den  Anstalten  selbst,  die,  wie  sie  beginnen,  einen  gewissen  Geist
annehmen  und  gern  das  Aufkominen  eines  anderen  ersticken.  Auch  den  hieraus
möglicherweise  entstamınenden  Nachtheilen  muls  er  vorbeugen.

Die  Hauptsache  beruht  auf  der  Wahl  der  in  Thätigkeit  zu  setzenden  Männer.
Bei  diesen  wird  sich  ein  Correctiv,  eine  mangelhafte  zu  verhüten,  erst  bei  der  Eintheilung
  der  Gesammtanstalt  in  ihre  einzelnen  "Theile  angeben  lassen.

Nach  ihr  kommt  es  aın  meisten  auf  wenige  und  einfache,  aber  tiefer  als  gewöhnlich
  eingreifende  Organisationsgesetze  an,  von  denen  eben  wiederum  nur  bei
den  einzelnen  Theilen  die  Rede  sein  kann.

Endlich  müssen  die  Hülfsmittel  in  Betracht  gezogen  werden,  wobei  nur  im
Allgemeinen  zu  bemerken  ist,  dafs  ja  nicht  die  Anhäufung  todter  Sammlungen  für
die  Hauptsache  zu  halten,  vielmehr  ja  nicht  zu  vergessen  ist,  dals  sie  sogar  leicht
beitragen,  den  Geist  abzustumpfen  und  herabzuziellen,  weshalb  auch  ganz  und
gar  nicht  die  reichsten  Akademien  und  Universitäten  immer  diejenigen  gewesen
sind,  wo  die  Wissenschaften  sich  der  tiefsten  und  geistvollsten  Behandlung  erfreuten.
  Was  aber  in  Absicht  der  Thätigkeit  des  Staates  von  den  höheren  wissenschaftlichen
  Anstalten  auch  in  ihrer  Gesammtheit  gesagt  werden  kann,  betrifft  ihr