378  195.  Antrag,  ein  Corpus  Inseriptionum  zu  unternehmen  (24.  März  1815).

Zweck  der  Akademie  ınacht,  dennoch  einen  Abschnitt  in  dem  Plane  gemacht,
der  in  einer  mäfsigen  Zeit  und  ınit  leicht  zu  übersehenden  Anstalten  und  Arbeiten
zu  erreichen  ist,  und  alsdann  für  sich  schon  ein  Ganzes  bildet,  und  zugleich  gerade
dem  dringendsten  Bedürfnis  abhilft.  Die  Sammlung  sämmtlicher  griechischen
Inschriften  soll.den  Anfang  machen.  Für  die  lateinischen  Inschriften  ist  nehmlich,
  wenn  gleich  in  schweren  und  ziemlich  chaotischen  Massen,  doch  viel  bereits
gethan;  allein  die  griechischen  sind  so  weit  sie  herausgegeben  sind,  weit  ınehr  vereinzelt,
  und  ein  weit  bedeutenderer  Schaz  liegt  von  diesen  noch  in  Handschriften
und  in  den  Trümmern  begraben,  als  von  den  lateinischen,  die  für  den  gröfsten
Theil  der  Gelehrten  und  Reisenden  aus  natürlichen  Gründen  zugänglicher  und  verständlicher
  waren.  Es  läfst  sich  absehn,  dafs  dieser  erste  Haupttheil  der  Unternehmung
  durch  ein  planmälsiges  und  vereintes  Bestreben  innerhalb  vier  Jahren
als  ein  schönes,  erspriefsliches  und  ruhmvolles  Ganze  dastehe.

Der  Aufwand  zu  diesem  Unternehinen  besteht  ungefehr  in  folgendem.

ı.  Es  müssen  die  ıneisten  der  Eingangs  erwähnten  grofsen  und  kostbaren
  Werke  eigens  angeschafft  werden,  da  die  Exemplare  der  Königlichen  Bibliothek
  dieser  und  dem  Publikum  nicht  entzogen  werden  dürfen,  mit  Ausnahme  jedoch
der  Werke,  worin  verlältnismäfsig  nur  wenig  Inschriften  sich  befinden,  die  durch
Abschriften  daraus  genommen  werden  können.  Von  den  anzuschaffenden  aber  müssen
einige  der  wichtigsten  sogar  in  doppelten  Exemplaren  angeschafft  werden,  damit
zur  Beschleunigung  des  Abdrucks  die  Blätter  davon  zum  Druck  zerschnitten  werden
  können.

2.  Für  die  bedeutenden  ungedruckten  Schätze  aber  muls  ein  Gelehrter
ausgeschickt  werden,  um  sie  in  auswärtigen  Bibliotheken  aufzusuchen  und  gleich
dort  zu  kopiren.

3.  Sehr  wünschenswerth  wäre  es  aber,  dals  auch  ein  Reisender  zu  gleichem
Zwecke  |  jedoch  so,  dafs  auch  andere  Zweige  der  Wissenschaft  die  Gelegenheit  benutzen
  könnten  |  in  die  Lande  geschickt  werde,  wo  noch  so  viele  solche  Urkunden
  auf  alten  Monumenten  jeder  Art  sich  befinden.

4.  Die  Verarbeitung  dieser  Materialien  zu  einem  planmälsigen  und  benuzbaren
  Ganzen,  die  Erklärung  des  Unbekannten  und  Räthselhaften,  so  weit  sie  im
Grofsen  möglich  ist,  erfordert  von  mehreren  Gelehrten  einen  bedeutenden  Aufwand
von  Zeit  und  Kraft,  welcher  durch  billige  Honorare  vergütet  werden  muls.

5.  Endlich  der  Druck  und  die  Bekanntmachung  selbst  erfordert  eine  bedeutende
  baare  Auslage,  von  welcher  zwar  nachher  durch  den  Verkauf  einiges  wieder
an  die  Akademie  zurück  gelangt,  jedoch  nicht  in  dem  Verhältnisse  wie  bei  andern
eigentlich  kaufinännischen  Unternehmungen  dieser  Art,  da  nach  dem  oben  Dargelexten
  Wohlfeilheit  des  Werkes  mit  in  dem  Plane  des  ganzen  Unternehmens  liegt.

Es  ist  begreiflich,  dafs  über  den  wahren  Umfang  der  Ausgabe  sowohl  als
über  das  Einzelne  der  Verwendung  izt  keine  genauen  Angaben  dargelegt  werden
können;  allein  die  Klasse  hat  den  Überschlag  gemacht,  dafs  eine  Bewilligung  von
1500  Thir.  jährlich  für  die  nächsten  vier  Jahre  sie  in  Stand  setzen  wird,  das  Werk
im  Wesentlichen  zu  fördern,  und  sie  wird  nicht  erinangeln,  den  Abgang  einer  vorgängigen
  genauen  Berechnung  von  Zeit  zu  Zeit  durch  abzulegende  Rechenschaft
über  die  verwandten  Suinmen  und  das  dadurch  Geleistete  genügend  zu  ersetzen.

Berlin,  den  24.  März  1815.

Die  historisch-  philologische  Klasse.
Buttmann.