388  197.  Niesunr’s  Briefe  an  die  philologisch  -  historische  Klasse  (1816  fl.).

nun  alles  hergestellt  habe.  —  Diese  Thorheit  macht  unwillig  —  und  es  möchte
wohl  Pflicht  seyn  die  Erwartungen  etwas  niederzuschlagen.  Sonst’  ist  es  gewifs,
dafs  man  freilich  den  Debit  der  Werke  italienischer  ‚Gelehrter  nicht  beeinträchtigen
darf:  vielmehr  fördern  sollte  —  wie  es  damit  zusteht,  davon  haben  wir  jenseits
der  Berge  gar  keinen  Begriff.  In  der  Regel  verlieren  die  Gelehrten  bei  jedem  Buche
gradehin  was  sie  drucken  lassen:  und  im  ganzen  mag  es  dem  Mai  nicht  besser
gehen:  nur  mit  dem  Fronto  ınufls  doch  Absaz  seyn,  indem  er  den  Preis,  wunderlich
genug,  schon  zum  zweytenmal  erhöht,  und  auf  30  Franken  gesezt  hat.  —  Ich
eınpfehle  unserer  Klasse  und  der  Akadeınie  collectiv,  dann  aber  auch  den  einzelnen
Mitgliedern,  und  bitte  besonders  Savigny  sich  damit  zu  beschäftigen,  die  literarischen
  Arbeiten  der  ltaliäner  zu  begünstigen.  —

Der  Abbe  Fontani  hat  zwey  Werke  vor:  von  denen  er  das  eine  ınit  der  sicheren
  Aussicht  auf  einen  grolsen  Verlust,  sofern  er  auf  Italien  eingeschränkt  bleibt,
doch  ausführen  will:  das  andre  aber  nur,  wenn  er  einen  Verleger  in  Deutschland
finde.  Jenes  ist  ein  Catalogus  der  Handschriften  der  Bibl.  Riccardiana  (worunter
vortreffliche  Sachen  sind):  es  werden  3—4  Folianten  werden,  der  Band  etwa  14  Ducaten
  —  äulserst  genau  und  gründlich.  Sollte  man  nicht  hierauf  Subscription  saınmein
  können?  —  Das  zweyte  ist  eine  Samınlung  des  ungedruckten  Briefwechsel;
des  Poggius  mit  seinen  Zeitgenossen:  mit  historischen  Anınerkungen  über  die  Personen
  und  einer  Einleitung.  Dies  würden  3  mäfsige,  oder  2  starke  Octavbände  (wie
die  von  Mureti  opera)  werden.  Sollte  es  möglich  seyn,  ihm  dazu  einen  Verleger  zu
finden?  Es  mülste  doch  ein  Debit  in  Holland  und  England  Statt  finden.  Er  sellst

würde,  wenn  der  Buchhändler  kein  Honorar  geben  könnte  —  was  ich  ihın  aber
doch  wünschte,  damit  man  anfinge  aus  der  Bibliothek  herauszugeben  —  mit  60-80
Freyexemplaren,  kostenfrey  zu  Florenz  geliefert,  zufrieden  seyn.  —  Ein  anderes

Unternehmen,  noch  wichtiger  durch  den  Grund  des  Werkes,  obgleich  der  Bearbeiter
  ein  sehr  schwacher  Kopf  ist,  ist  Brunetti's  Codex  diplomaticus  von  Toscana,
wovon  der  erste  Band  1806  erschienen  ist,  und  bey  dem  armen  Verfasser  (der  Antiquar
  des  Archivs  ist)  für  circa  ı7  Franken  (30  florentinische  Paoli)  verkauft  wird.
Er  hat  soo  Exemplare  drucken  lassen,  und  circa  60  debitirt:  ı1o  liegen  bey  ihm:
die  übrigen  hat  er  aus  Noth  zu  Maculatur  verkaufen  müssen,  glaubt  aber,  wenn
er  nur  etwas  Geld  hätte,  einen  Theil  davon  noch  retten  zu  können.  Dann  wollte
er  auch  den  2.  Theil  drucken.  Ich  glaube,  dals  er  sich  rathen  liefse  sich  kürzer
zu  fassen:  und  dann  wäre  dies  Unternehmen  doch  eine  herrliche  Sache.  Sollte  es
denn  nicht  möglich  sein  bey  den  Bibliotheken  in  Deutschland,  öffentlichen  und  Privatpersonen,
  eine  Subscription  dafür  zu  Stande  zu  bringen?

Einpfehlung  verdient  ferner  die  neue  Geschichte  des  Ricordano  Malespini  vom
Abbate  Fortini,  mit  der  es  eben  so  gcht,  obgleich  sie  toscanisch  ist  und  wie  ein
Lesebuch  gebraucht  werden  kann.

Für  mich  habe  ich  vielerley  interessantes  für  alte  Zeit  und  Mittelalter  gefunden:
namentlich  für  das  Fortleben  der  ersten:  so  hier  in  Toscana  römische  fundi  unter
ihren  Nainen  —  und  wie  mir  der  Abbe  Fontani  erzählt,  der  selbst  Landeigenthümer
ist,  so  besteht  die  Kunst  der  Gränzsteinbezeichnung  noch  heutiges  Tags:  was  er
davon  erzählt,  ist  allerdings  unvollständig,  aber  einiges  Alte  ist  ganz  augenscheinlich
  zu  erkennen.  Der  Grenzrain  der  fünf  Fülse  darf  noch  jetzt  nicht  geptlügt

werden,  sondern  wird  mit  Bäumen  bepflanzt  —  wie  in  den  Auett.  rer.  agr.  vorgeschrieben
  ist.  —  Zu  Fiesole  habe  ich  gestern  ganz  frisch  ausgegrabene  wundervolle

  etruskische  Mauern,  wo  die  Steine  wie  an  den  florentinischen  Pallästen  des
14.  u.  15.  JEl.  zugehauen  sind,  gesehen  und  mich  gefreut  wie  die  Bauern  römische
(roba  romana,  welche  sie  beynahe  verachten)  und  etruskische  Ruinen  unterscheiden:
die  lezteren  nennen  sie  greco.  —  Ich  empfehle  mich  dem  Andenken  meiner  Collegen.
Niebuhr.