390  197.  Nıesunr’s  Briefe  an  die  philologisch  -historische  Klasse  (1816  fl.).

Mustoxidi  mit  erster  Gelegenheit  zurückgeschickt  werden  mufs.  —  Ich  bin  jezt
durch  Savignys  Antwort  über  die  Furcht  beruhigt,  dafs  an  keinen  Briefwechsel
zwischen  hier  und  Berlin  zu  denken  sey.  Über  die  mancherley  Gegenstände,  worüber
ich  der  Akademie  berichten  könnte,  mufs  ich  mich  kurz  fassen.  Da  Inschriften
schon  der  Hauptinhalt  des  Briefs  sind,  so  melde  ich  zuerst,  dafs  Herr  Dodwell
(Eduard  Dodwell)  versprochen  hat,  die  Inschriften,  welche  er  besize,  mitzutheilen.
Er  wird  aber  Rom  bald  verlassen,  um  zu  London  die  Herausgabe  seines  Werkes
über  Griechenland  zu  besorgen.  Dies  dürfte  etwas  kostbar  werden:  da  er,  wenn  ein
Buchhändler  sich  bereit  findet,  gesonnen  ist,  vierhundert  Prospecte  von  Gegenden,
Zeichnungen  und  Risse  von  Gebäuden  u.s.w.  in  gröfstem  Folio  stechen  zu  lassen.
Gell  (Sir  William  Gell)  hält  sich  den  Winter  zu  Neapel  auf,  wo  er  an  Karten
über  Griechenland  arbeite.  Er  soll  sehr  viele  Inschriften  besizen:  leider  aber
will  er  sie  selbst  herausgeben.  Weder  er  noch  Dodwell  haben  ihre  Patente  erhalten.
  —  Ich  bitte  die  Klasse,  mir  anzuzeigen,  ob  die  Bibliothek  den  zweyten  Band
der  Volumina  Herculanensia  (1808)  und  den  ersten  (einzigen)  der  Dissertationes
isagogicae  ad  voll.  Herculan.  (1798)  besizt,  und  da  dies  wahrscheinlich  der  Fall
nicht  ist,  ob  ich  sie  anschaffen  und  gelegentlich  übersenden  soll.  Da  sie,  als  ich
Berlin  verliefs,  dort  meines  Wissens  nicht  vorhanden  waren,  so  bemerke  ich,  dafs
jener  2.  Band  Stückchen,  jämmerliche  Stückchen  vom  2.  und  ır.  Buch  Epikurs  ep
gvcews  enthält,  welche  meinen  Freund  Brandis  anfänglich  zu  eineın  Abdrucke  reizten,
  der  auf  ein  Paar  Blättern  Raum  fände;  es  ist  aber  gar  zu  trostlos.  Weit
wichtiger  sind  die  diss.  isagogicae.  In  diesen  stehen,  unter  vielen  anderen,  Notizen
von  den  entdeckten  röniischen  Fulsmalsen,  die  fast  genau  mit  Cassinis  Bestimmung
zusammentreffen,  und  eine  Menge  lateinischer  und  oscischer  Inschriften.  Die  Gelelırsamkeit
  ist  verworren  und  oft  unsinnig,  die  Latinität  gräulich,  aber  so  naiv
mit  rein  italienischen  Worten  angefüllt,  dafs  man  doch  mehır  lacht  als  sich  ärgert;
übrigens  ist  bei  allem  dein  viel  Verstand  sichtbar  und  die  Entwickelung  der  Geschichte
des  Untergangs  der  Städte  evident  mit  lebendiger  Anschauung  und  Durchschauung
der  vulcanischen  Phänomene  entwickelt.  Der  Verfasser,  Rosini,  ist  jetzt  todt  und  mit
ihın  alle  Philologie  in  der  herculanensischen  Akademie  ausgegangen.  —  Ich  habe
für  die  Bibliothek  noch  ein  anderes  Werk  schon  angeschafft:  Vermigioli,  Iscrizioni
Perugine,  2  Quartbände;  ferner  erwarb  ich  aus  Perugia  um  einen  Spottpreis,
bereit,  es  der  Bibl.  dafür  zu  überlassen,  das  Glossarium  von  Papias,  welches,
wie  mir  scheint,  zu  Berlin  fehlte.  Wenigstens  habe  ich  es  vergebens  verlangt.  —
Um  nun  auch  von  mir  selbst  zu  berichten,  so  habe  ich,  gleich  nach  Eröffnung
der  Vaticana,  mich  dort  einzufinden  nicht  verabsäumt.  Nie  ist  diese  Bibliothek
so  unzugänglich  gewesen  und  so  streng  bewacht  worden  als  jezt.  Man  kann  behaupten,
  dafs  der  Bibliothekar  das  Reglement  Clemens’  XIII.,  welches  durch  Passioneis
  Diebstähle  veranlasst,  aber  längst  nicht  mehr  pedantisch  beobachtet  ward,  so
versteht,  als  mache  es  ihın  zur  Hauptpflicht,  die  Bücher  dadurch  zu  sichern,  dals
er  jeden  Fremden  hindert,  sie  in  die  Hände  zu  bekommen.  Es  ist  falsch,  dals  kein
Catalog  vorhanden  sey;  er  ist  sogar  nicht  einmal  ganz  schlecht,  aber  man  darf
ihn  nicht  einsehen;  und  obgleich  ich  wohl  einer  der  allerbegünstigtsten  Fremden
  bin,  obgleich  Card.  Consalvi  sonst  alles  thut,  wovon  er  glaubt,  dafs  es  mir  Freude
ınachen  könne,  obgleich  der  Pabst  selbst  mir  die  möglich  freveste  Benuzung  der
Bibliothek  mündlich  versprochen  hat,  ja  obgleich  der  Bibliothekar  mich  sonst  zu
verbinden  wünscht,  um  bey  Hofe  einen  Fürsprecher  für  die  von  den  durch  Canova  als
General  en  Chef  commandirten  Museen  und  Kunstanstalten  unterdrückte  Vaticana
zu  haben,  —  so  ist  mir  doch  diese  Gunst  abgeschlagen  oder  wenigstens  abgelehnt.
Sehr  unglücklich  freilich  traf  es  sich,  dafs  gerade  auch  die  HH.  v.  Raumer  und  v.d.
Hagen  ankamen  und,  nicht  durch  mich  (da  ich  ihnen  sagte,  wie  die  Geseze  seven).
sondern  durch  Ilrn.  Bartholdy  um  die  Erlaubnifs  anhielten,  die  ganze  Bibliothek  durch-